Watzke tobt: Köln "ein schlechter Verlierer"

Hans-Joachim Watzke schaut gespannt auf das andere Gruppenspiel in Tottenham

Selten war ein 5:0 so umstritten wie der Kantersieg von Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln.

Auslöser war der Treffer zum 2:0 durch Sokratis, welcher erst nach Videobeweis gegeben wurde - in den Augen der Kölner zu Unrecht, weshalb sie nun sogar Protest gegen die Spielwertung einlegen wollen.

Beim BVB ist man über diese Ankündigung alles andere als begeistert, Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bezeichnete die Kölner als "schlechte Verlierer".

Schiedsrichter Patrick Ittrich lehnte eine Stellungnahme zur Videobeweis-Szene ab. Mit Verweis "auf ein laufendes Verfahren" dürfe und werde er sich nicht äußern, sagte der Referee aus Hamburg am Sonntagabend.

Die Stimmen zur Aufreger-Szene des 4. Spieltags von SPORT1Sky und aus der Mixed Zone:

Jörg Schmadtke (Sportdirektor 1. FC Köln): "Flanke, Fünfmeterraum, dann eine unübersichtliche Situation, Pfiff des Schiedsrichters, dann geht der Ball über die Torlinie. Und dann kommt ein Videoassistent, der in der Szene eigentlich gar nicht eingreifen sollte und darf. Und dann wird ein Tor gegeben in der Szene. Sind zwei Komponenten, die da eine Rolle spielen. Das Erste ist ein Regelverstoß, weil abgepfiffen wurde – bevor der Ball die Linie überquert. Da kann man nicht auf einmal doch Tor geben. Und das zweite ist, dass der Videoassistent in dieser Szene gar nicht einzugreifen hat – laut Protokoll, weil es keine krasse Fehlentscheidung war. Sondern war eine Szene, die der Mann auf dem Platz entschieden hat und da braucht man nicht einzugreifen."

"Sie können gegen Tatsachenentscheidungen relativ wenig machen. Aber wenn es ein Regelverstoß ist, dann können sie natürlich eingreifen und Protest einreichen. Und genau das werden wir tun und dann gucken wir mal, was dabei rauskommt."


Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): "Man muss auch verlieren können. Gerade nach so einem Spiel. Die Kölner haben zweimal aufs Tor geschossen. Zudem waren beide Entscheidungen richtig. Aber wenn man nicht verlieren kann, greift man eben zu schlechten Mitteln. Es hatte kein Mensch eine Chance, noch an den Ball zu kommen. Ob der Ball jetzt auf der Linie war oder 20 Zentimeter dahinter, das ist doch total lächerlich. Dann ist man eben ein ganz schlechter Verlierer. Wenn man so auftritt nach einem 0:5, dann: Chapeau!"

Peter Stöger (Trainer 1. FC Köln): "Ich verstehe es nicht. Aufregung ist mittlerweile vielleicht das falsche Wort. Gleich nach der Entscheidung habe ich mich wahnsinnig darüber geärgert. Jetzt muss ich sagen, dass – wenn etwas Zeit vergeht – ich mich frage, warum man das so entscheidet. Warum man sich das Leben so schwer macht, wenn man in so einer Phase so eine Entscheidung trifft. Aber ist eben so passiert. Ich meine, dass das vollkommen anders bewertet wurde, als uns das mitgeteilt wurde, welche Szenen denn überhaupt bewertet werden. Und damit macht man es sich leider Gottes nicht leichter. Denn ich finde, die Einführung war eine gute Geschichte. Aber jetzt wird es immer wieder mehr Diskussionen geben."

 "Ich glaube, dass es auch notwendig ist, dass man das diese Woche jetzt nochmal thematisiert. Denn ich denke, dass das für alle Beteiligten – auch für die Journalisten – ein großes Fragezeichen, ob das jetzt okay war und was das jetzt für Auswirkungen hat. Ich denke, wir sollten das auf jeden Fall andiskutieren. Deshalb ist dieser Protest eine gute Entscheidung."

Timo Horn (Torwart 1. FC Köln): "Das ist eine Entscheidung, über die man mehr als diskutieren kann. Ich kann sie überhaupt nicht nachvollziehen. Das ist für mich eine klare Fehlentscheidung. Ich versuche das ganz nüchtern und sachlich zu sehen. Da gibt es zwei Gründe, die quasi gegen das Tor sprechen. Der erste ist, dass es als Torwart schon bei einer leichten Berührung schwer ist, den Ball zu fangen. Gerade auch dann bei Regen und so einem Wetter. Und dann ist der zweite Punkt, dass der Ball über der Linie ist und schon vorher abgepfiffen wird. Wenn der Schiedsrichter sagt: Okay, das reicht nicht für ein Foul, darf man nicht abpfeifen. Und ich hatte das Gefühl, dass unsere Verteidiger das Spiel auch eingestellt haben. Dann das Tor nicht zu geben und im Nachhinein dann doch – das geht für mich nicht."

"Mir hat er die Entscheidung gar nicht erklärt. Ich habe mich jetzt auch weitestgehend zurückgehalten. Da sind Trainer und Sportdirektor zuständig. Als Spieler im Nachhinein zu diskutieren – das mache ich grundsätzlich nicht. Aber es ist schon bitter. Kurz danach war es fast schon unmöglich das Spiel noch zu drehen."