Wasserstoff - das Benzin der Zukunft?

Benzin und Diesel durch Wasserstoff zu ersetzen, ist eine der Lösungen, um die CO2-Emissionen im Straßenverkehr zu verringern. Das europäische Forschungsprojekt H2ME soll die Entwicklung dieser Technologie fördern.

Wie funktioniert’s? Und wo kann man tanken?

Tejs Laustsen Jensen, Chef von Projektpartner Brintbranchen Hydrogen Denmark, erklärt das Prinzip des Wasserstoffantriebs: “Statt einer Batterie hat man eine Brennstoffzelle, in der Sauerstoff mit Wasserstoff reagiert und dabei Strom und Wasser produziert. Es ist eine chemische Reaktion. Das Wasser kommt aus dem Auspuffrohr heraus – und dies ist die einzige Emission. Das Auto fährt sehr weich, man hat keine Motorgeräusche. Man kann den Fahrstil beibehalten, den man vom Verbrennungsmotor kennt, an der Tankstelle seinen Tank in drei bis fünf Minuten füllen, und dann fährt man weiter mit einer Reichweite von 400 bis 600 Kilometern.”

(Interessanter Artikel zur Testfahrt mit einem Wasserstoffauto hier)

Wir sollten das Brennstoffzellen Auto nicht außer Acht lassen. Hohe Reichweite, schnelles Tanken, null Emission https://t.co/RNLiyBarIG— Ortwin Pinke (@Oldperl) 27 octobre 2017

Bislang fahren nur ein paar hundert Fahrzeuge in Europa mit Wasserstoff. Eines der Probleme: Das Tankstellennetz. Dänemark hat die größte Wasserstoff-Tankstellen-Dichte pro Einwohner und als erstes Land weltweit ein flächendeckendes Netz mit einem knappen Dutzend Tankstellen. Andernorts muss man weit fahren, um wieder den Tank füllen zu können.

Mehr zum europäischen Wasserstoff-Tankstellennetz

Interaktive Karte des weltweiten Tankstellennetzes

Ziel des Projektes ist, in zwei Jahren rund fünfzig weitere Wasserstoff-Tankstellen in Europa zu errichten. Die Zahl der Wasserstoff-Autos soll sich bis dahin mehr als verdoppeln.

Eine vielversprechende Woche beginnt mit dem Warten an der Tankstelle auf Personal, das ein Wasserstoffauto betanken kann. — Mela (@allaboutmela) 4 septembre 2017

In Bremen kann jetzt Wasserstoff getankt werden https://t.co/uLO1gOIdmz #auto pic.twitter.com/NR1bXHF2JV— auto.de (@auto_de) 17 octobre 2017

Wasserstoff aus “sauberer” Energie

Und es geht darum, “sauberen” Wasserstoff aus erneuerbaren Energien herzustellen. H2ME-Projektkoordinator Ben Madden: “Der Wasserstoff heute stammt meist aus fossilen Brennstoffen. Doch wenn wir Wasserstoff für die Mobilität nutzen wollen, denken wir an grüne Energie für seine Herstellung. Wir können erneuerbare Energien direkt mit unserer Mobilität koppeln.”

Zum Beispiel an der Tankstelle im englischen Sheffield: Sie ist mit einem Elektrolyseur ausgerüstet, einem Gerät, das das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt, und mit einem Windrad, das die nötige Energie produziert, um an Ort und Stelle Wasserstoff durch Elektrolyse von Wasser herzustellen. Der Wasserstoff wird dann aufbereitet und kann dort, wo er produziert wird, auch gespeichert werden.

Die Effizienz der Elektrolyseure soll noch verbessert werden. Im Labor von ITM Power in Sheffield, das ebenfalls am Projekt H2ME teilnimmt, perfektionieren die Forscher die Elektrolyseure für “sauberen” Wasserstoff. ITM-Manager Charles Purkless erläutert: “Wir können Wasserstoff produzieren, wenn es gerade überschüssigen Strom gibt, wenn dieser am billigsten ist und am ‘grünsten’. Und wir können Wasserstoff überall herstellen, auch direkt an der Tankstelle. Dadurch brauchen wir auch keine Lieferung mit Tanklastern mehr.”

(Mehr zum Umweltaspekt hier)

Teures Auto

Ein anderer Grund, warum sich Autos mit Brennstoffzellen bislang nicht durchsetzten, sind die Kosten. Noch sind Anschaffung und Treibstoff teurer als beim herkömmlichen Auto. Ben Madden: “Wir hoffen, dass bis etwa 2025 die Kosten für den Besitz und das Betanken eines Wasserstoff-Fahrzeugs denen eines Benzin- oder Dieselfahrzeugs entsprechen – das ist das Ziel.”

CleverShuttle startet Wasserstoff-Flotte in Hamburg – https://t.co/lFu75ZuOYh: https://t.co/yP3DJ3PwvC #digitalisierung #auto #wasserstoff— Oliver Pinkoss (@pinkosso) 11 septembre 2017

Werden Wasserstoff-Autos mit batteriebetriebenen Autos konkurrieren? Es dürfte Platz für verschiedene schadstofffreie Antriebsformen auf der Straße geben, meint Tejs Laustsen Jensen: “Beim Auto der Zukunft wird es ein Mix zwischen Batterie und Wasserstoff sein, und man sieht schon jetzt Wasserstoff-Batterie-Hybriden… Ich erwarte, dass man am Ende alle drei Lösungen hat. Aber zuerst einmal müssen wir mit den fossilen Technologien konkurrieren.” Sein Bestreben ist, dass in zehn Jahren hunderttausende Fahrzeuge mit Wasserstoff statt mit Benzin und Diesel auf Europas Straßen rollen.