Was ist sein Geheimnis? Das ist der glücklichste Mensch der Welt

Hannah Klaiber
·Freie Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

Matthieu Ricard ist ein buddhistischer Mönch, studierter Molekularbiologe, Autor, Übersetzer für den Dalai Lama – und laut einer wissenschaftlichen Studie auch der glücklichste Mensch der Welt. Wie Forscher zu diesem erstaunlichen Ergebnis gekommen sind und was Ricard selbst unter Glück versteht.

Matthieu Ricard beschäftigt sich seit jeher mit philosophischen, spirituellen und gesellschaftlichen Fragen. (Bild: Getty Images)
Matthieu Ricard beschäftigt sich seit jeher mit philosophischen, spirituellen und gesellschaftlichen Fragen. (Bild: Getty Images)

Als "größten Witz der Welt" empfindet Matthieu Ricard den Titel, der ihm schon vor einigen Jahren nach einer Studie der University of Wisconsin zuteil wurde. Demnach ist der heute 74-jährige Franzose nämlich der glücklichste Mensch der Welt. Zu diesem Schluss kamen die Forscher im Rahmen einer Studie, in der die Gehirne der Teilnehmer mithilfe von MRT-Scans untersucht und die Aktivitäten von über 250 Sensoren gemessen wurden. Damit sollten Empfindungen wie Stress, Reizbarkeit, Wut, Vergnügen und Zufriedenheit sichtbar werden. Ziel der Studie war es, durch die Auswertung der verschiedenen Kategorien die Empfindung von Glück zu messen – und zwar von einer Skala von 0,3 (sehr unglücklich) bis -0,3 (sehr glücklich). Matthieu Ricard erreichte eine -0,45 und übertraf damit nicht nur alle anderen Studienteilnehmer, sondern überschritt auch die von den Forschern festgelegte Glücksgrenze, was ihm prompt den Titel "glücklichster Mensch der Welt" einbrachte.

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Wer ist Matthieu Ricard?

Matthieu Ricard wuchs als Sohn des bekannten französischen Philosophen Jean-François Revel und der Künstlerin Yahne Le Toumelin im Umfeld von Frankreichs populärsten Intellektuellen auf. Nach einer sehr erfolgreichen Karriere als habilitierter Molekularbiologe und nach Jahren der Forschung am Institut Pasteur, dem weltweit führenden Grundlagenforschungszentrum für Biologie und Medizin in Paris, lebt er heute in Nepal und arbeitet als Französisch-Übersetzer und persönlicher Berater für den Dalai Lama. Gemeinsam mit seinem Vater und engen Freunden veröffentlichte Ricard den Bestseller "Der Mönch und der Philosoph: Buddhismus und Abendland", der einen Dialog zwischen Vater und Sohn dar- und sich den Fragen stellt, wie wir Ängste, Traumata, Vorurteile und Abhängigkeiten überwinden und dem Glück ein kleines Stückchen näherkommen können.

Matthieu Ricard gilt als einer der engsten Vertrauten des Dalai Lama. (Bild: Getty Images)
Matthieu Ricard gilt als einer der engsten Vertrauten des Dalai Lama. (Bild: Getty Images)

Wie definiert Matthieu Ricard das Glück?

Gegenüber BBC hat Ricard seinen Titel jüngst in Zweifel gezogen: "Wie kann jemand das Glücksniveau von 7.000 Millionen Menschen erkennen? Das ergibt keinen Sinn – schon gar nicht aus wissenschaftlicher Sicht." Und dennoch ging der Mönch in diesem Interview auf die Definition von Glück ein. "Glück ist nicht einfach eine endlose Folge angenehmer Empfindungen", so Ricard. "Es ist eher eine optimale Art, zu sein. Diese ergibt sich daraus, grundlegende Eigenschaften – wie etwa Altruismus, Mitgefühl, die innere Freiheit, Belastbarkeit, das emotionale und innere Gleichgewicht, den inneren Frieden – zu pflegen." Im Gegensatz zum puren Vergnügen seien diese Eigenschaften Fähigkeiten, die durch Übung und Training des Geistes gefördert werden könnten.

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Jeder kann der glücklichste Mensch sein

Für Ricard stellt die selbstsüchtige Suche nach Glück eine Situation dar, in der jeder verliert. "Das Ziel ist es, anderen Glück zu bringen", sagte er zu BBC. Und er ist sich sicher: "Jeder kann der glücklichste Mensch der Welt sein, wenn auch nicht auf wettbewerbsfähige Art und Weise. Aber einfach dadurch, freundlich, mitfühlend und offen für andere zu sein."

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