Warum Warren Buffett Apple zur größten Wette seines bemerkenswerten Lebens machte

Nils Jacobsen
Wirtschaftsjournalist und Techblogger
Hat gut lachen mit seinem Apple-Investment: Berkshire Hathaway-CEO Warren Buffett (Foto: AP Photo/Nati Harnik)

Die Überraschung ist zwei Jahre alt: Warren Buffett, der erfolgreichste Investor aller Zeiten, begann plötzlich Apple-Aktien zu kaufen. Und das in immer größerem Stil: Weil der iKonzern „eine unglaubliche Firma“ sei, stockte das „Orakel aus Omaha“ Apple zur größten Aktienposition auf.

Es begann mit einer schnöden Pflichtmitteilung zu Krisenzeiten. 9,8 Millionen Aktien des seinerzeit strauchelnden iKonzerns sammelte niemand Geringerer als der erfolgreichste Investor aller Zeiten im ersten Quartal 2016 ein. Tatsächlich: Warren Buffett, Meister des Value Investings und jahrzehntelanger Ignorant von Technologieunternehmen kaufte Apple-Aktien!

Ziemlich genau zwei Jahre ist das Startinvestment her, das der CEO und Chairman von Berkshire Hathaway tätigte – zu mehrjährigen Tiefstkursen bei unter 90 Dollar. Die Begründung für die erste investierte Milliarde in den iPhone-Hersteller folgte zunächst schüchtern und nur scheibchenweise.

„Das iPhone ist ein Produkt mit hoher enormer Anziehungskraft“

„Apple hat eine enorme Kundenbindung. Das Ökosystem ist außerordentlich stark. Man ist durch das Apple-Produkt, das man benutzt, darin sehr, sehr gefangen, zumindest  psychologisch. Das iPhone ist ein Produkt mit hoher enormer Anziehungskraft“, erklärte Buffett ein Jahr später gegenüber dem Finanzsender CNBC sein Interesse am Techpionier aus Cupertino.

Und wieder ein Jahr später sah Buffett für das mit Abstand erfolgreichste Produkt in der Geschichte der Verbraucherelektronik weiteres Wachstumspotenzial. „Ich selbst habe keinen Bezug dazu, aber ich sage Tim Cook immer: Solange ich kein iPhone habe, ist der Markt nicht saturiert. Nachdem ich eins gekauft habe, gibt es wahrscheinlich keine Käufer mehr“.

„Apple ist eine unglaubliche Firma“

Inzwischen schwärmt Buffett weitaus offensiver von seinem Investment. „Es ist eine unglaubliche Firma“, erklärte Buffett vor Wochen gegenüber CNBC. „Schauen Sie sich Apple an. Ich glaube, sie verdienen ungefähr doppelt so viel wie die zweitprofitabelste Firma in den USA.“

Apple-Chef Tim Cook könnte sein Großaktionär nicht lieber sein. „Ich habe Warren persönlich immer bewundert und war sehr dankbar für seinen Rat und seine Einschätzungen“, freut sich Cook ebenfalls gegenüber CNBC über Buffetts Engagement, das für beide Seiten eine totale Win-Win-Situation ist – Buffett hat von steigenden Kursen profitiert, Apple vom Investment seines Großaktionärs.

Apple notiert auf Allzeithochs

Der Schnellvorlauf zu Mai 2018 macht klar: Warren Buffett hat wieder einmal ein goldenes Händchen beweisen. Die Aktie hat sich innerhalb der vergangenen 24 Monate mehr als verdoppelt und notiert bei Kursen von knapp 190 Dollar auf neuen Allzeithochs. Tatsächlich ist Apple mit einer Marktkapitalisierung von 927 Milliarden Dollar so wertvoll wie nie – sogar die magische Bewertungsmarke von 1 Billion Dollar erscheint nunmehr zum Greifen nahe.

Doch noch bemerkenswerter als Buffetts Riecher für eine Kaufgelegenheit ist sein untrügliches Gespür für die sich bietende Renditechance: Der inzwischen 87-Jährige stockte seinen Einsatz nämlich von Quartal zu Quartal auf.

Immer größerer Appetit auf Apple

War Berkshires Apple-Position im ersten Quartal  2016 gerade mal eine Milliarde Dollar wert, sammelte “das Orakel aus Omaha” in den folgenden drei Monaten weitere 5,4 Millionen Anteilsscheine des iKonzerns ein. In der Rückschau wird klar: Es war nur der Auftakt zu einem regelrechten Kaufrausch, der beharrlich an Dynamik gewann.

Im Weihnachtsquartal 2016 folgte dann der erste Paukenschlag: Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway vergrößterte das Apple-Investment um gleich 300 Prozent und erwarb mal eben  42,2 Millionen Apple-Aktien. Wenige Wochen später überraschte Warten Buffet die Finanzwelt erneut: Er hatte seinen Einsatz so nebenbei auf 133 Millionen Aktien verdoppelt, die seinerzeit bereits einen Wert von 18 Milliarden Dollar besaßen.

Der schier unstillbare Appetit auf den Apfel-Konzern erreichte im Auftaktquartal des Jahres 2018 seinen vorläufigen Höhepunkt, als sich Berkshire Hathaway weitere 75 Millionen neuer Apple-Aktien einverleibte. Buffetts Investmentgesellschaft besitzt nunmehr bereits mehr als 5 Prozent des wertvollsten Konzerns der Welt und hätte – theoretisch – nichts dagegen, wenn die fehlenden 95 Prozent auch noch dazukämen.

„Ich mag sie einfach“: Warum Warren Buffett Apple-Aktien kauft

Die Entwicklung ist bemerkenswert. Innerhalb von gerade einmal zwei Jahren ist Apple mit einem Volumen von inzwischen 45 Milliarden Dollar zur mit Abstand größten Position im Portfolio von Berkshire Hathaway angewachsen – und damit gleichfalls zur größten Wette von Buffetts überlebensgroßer Wall Street-Karriere geworden, wie Tech-Blogger Neil Cybart herausarbeitet.

Nie hat Warren Buffett schneller, aggressiver und mehr gewettet als mit seinem Investment in und auf Apple. Die Begründung für die größte Wette seines Lebens liefert der erfolgreichste Anleger aller Zeiten in charakteristischer Weise: „Ich mag sie einfach“.

“Wer einmal ein iPhone kauft, kauft wieder eins”

Apple fällt damit in die Klasse der typischen Buffett-Investments wie McDonald’s und Coca-Cola: Das Produkt ist einfach zu verstehen und gefällt der breiten Masse. „Wer einmal ein iPhone kauft, kauft wieder eins. Die Kontinuität des Produkts ist enorm“, erklärt Buffett das Erfolgsgeheimnis Apples mit seiner engen Kundenbindung.

Obwohl die Absätze von Apples Kultsmartphone in den vergangenen Jahren stagnierten, macht sich Buffett angesichts der Kundenloyalität zu anderen Produkten des Kultkonzerns und vor allem des immer aggressiveren Kapitalrückführungsprogramms, das in erster Linie aus Aktienrückkäufen besteht und zuletzt auf 100 Milliarden Dollar ausgeweitet wurde, keine Sorge.

“Niemand kauft eine Farm, weil es im nächsten Jahr regnen könnte. Man kauft eine, weil man glaubt, dass es ein gutes Investment in den nächsten 10 bis 20 Jahren ist”, erklärt Buffett philosophisch seine Anlagestrategie. Auch Apple wird daran in den kommenden ein, zwei Dekaden gemessen werden.