Warum Schalkes Tedesco noch keiner für Bayern ist

Das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 hat Domenico Tedesco ganz besonders in Schaufenster gestellt. Nun wird der junge Trainer auch mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht. Doch jetzt wäre der falsche Zeitpunkt. 

Domenico Tedesco vom FC Schalke 04 wird mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht

Mit 0:4 ging Königsblau am 13. Spieltag der Bundesliga in die Kabine. Selbst der Trainer dachte in diesem Moment nicht mehr an einen Punktgewinn, wie er später zugab. 45 Minuten später feierte Schalke den “Derbysieg”.

Das zumindest sagte Leon Goretzka im Sky-Interview direkt im Anschluss, ehe er schnell auf Unentschieden korrigierte. 4:4 hieß es nach 90 Minuten im Revierderby. Groß in der Kritik: Peter Bosz. Auf der anderen geradezu verehrt: Domenico Tedesco.

Der 32-Jährige begeistert schon lange nicht mehr nur Gelsenkirchen. Tedesco hat es geschafft, aus dem Tabellenzehnten der vergangenen Saison eine stabile Mannschaft aus der Spitzengruppe zu formen. Und das ohne große Änderungen im Kader.

Heidel begeistert von Tedesco

Im Sommer war die Neuverpflichtung von Sportdirektor Christian Heidel noch misstrauisch beäugt worden. Ein 31-jähriger Trainer aus der zweiten Liga. Zuvor hatte er nur Erzgebirge Aue betreut – und das sogar nur für drei Monate. Immerhin bewahrte er die Sachsen vor dem Abstieg und ließ ansehnlichen Fußball spielen.

Seine Stationen in der Jugend waren dafür namhaft: Bei der TSG 1899 Hoffenheim und beim VfB Stuttgart zeigte er sich für U19 und U17 verantwortlich. Erfolgreich war er bisher gewesen, aber die große Erfahrung für einen bunten Haufen wie den S04-Kader wurde angezweifelt.

“Ich sah mir in Mainz ein Spiel zwischen unserer U19 und der von Hoffenheim an, die er trainiert hat. Es war beeindruckend, wie er die Mannschaft spielen ließ. Seitdem habe ich seinen Werdegang ein wenig verfolgt“, beschrieb Heidel bei SPOX das erste Kennenlernen.


Profi-Erfahrung nicht entscheidend

Erfahrung im Profi-Bereich war Heidel in der Verpflichtung nicht wichtig. Er entschied sich für einen Taktiker, einen jungen Nerd, wie mancher wohl sagen würde. Und schließlich kann auch in der Jugend Erfahrung gesammelt werden.

Gerade dieser Hintergrund hat Tedesco vielleicht zum großen Derby-Helden gemacht. “Die zweite Halbzeit gewinnen“, war seine Vorgabe an die Schalke-Stars, die zur Pause eigentlich hoffnungslos in Rückstand waren.

Das ist Denken wie in der Jugendarbeit. Leistung kommt dort oftmals vor Erfolg, um die jungen Kicker bestmöglich auszubilden. Diese Aufgabe scheint sich Tedesco auch bei Schalke auferlegt zu haben. Er arbeitet kooperativ-leistungsorientiert, wie es in der Ausbildung des DFB heißen würde.

Tedesco setzt auf Jugendstil

Das heißt der Trainer geht offen auf seine Spieler zu und bietet die Möglichkeit zur Diskussion. “Die Spieler sind diejenigen, die es begreifen und die es auch gerne machen müssen“, führt Tedesco bei Spielverlagerung.de an. Das heißt nicht, dass er alles zur Diskussion stellt – aber er gibt Möglichkeiten dazu.

Dabei stellt er Leistung vor das Ergebnis. Wenn die Schalker eine gute Partie spielen und am Ende als Verlierer vom Platz gehen, wird Tedesco in der anschließenden Pressekonferenz doch lobende Worte finden – bei einem Sieg kann es aber auch Kritik geben.

Das passt zur derzeitigen Situation des FC Schalke 04. Im Kader sind viele Talente versammelt, die in den letzten Jahren ihr Potenzial nicht ausfalten konnten. Leon Goretzka, Max Meyer, Thilo Kehrer oder Weston McKennie – wo sollte der Jugendstil besser passen?


Leistung vor Erfolg?

Die Bild brachte Tedesco nun nach dem 4:4 im Derby mit dem FC Bayern München in Verbindung: “Wenn Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge einen suchen, der den Fußball des Pep Guardiola wieder aufleben lässt, ist spätestens seit Samstag ein neuer Kandidat dazugekommen. Die Rede ist von Domenico Tedesco, so unerfahren er im Spitzenfußball sein mag, so abwegig das jetzt klingt.”

In dieser Beziehung lässt sich über die Erfahrung streiten. Auf Schalke hat Tedesco bewiesen, dass das kein großer Faktor ist. Was aber streitbar ist, ist die Leistungsorientierung des 32-Jährigen. Passt das zum deutschen Rekordmeister?

In München wird Erfolg über Leistung gestellt, das musste nicht zuletzt Guardiola bei seinem Engagement feststellen. Und beim FC Bayern geht es vielmehr darum, Stars aus allen möglichen Teilen der Welt zu moderieren.

Tedesco ist auf der Liste

Ob das schon jetzt die richtige Wahl für Tedesco wäre, ist mehr als fraglich. Auf Schalke hat er einen Haufen aus “Rabauken” zu einer Einheit geformt und kann die Erfahrung sammeln, die ihm bisher gerne abgesprochen wird.

Ohnehin ist der Fußball-Lehrer in Gelsenkirchen noch bis 2019 unter Vertrag. Und Heidel wird einen Teufel tun und Tedesco vor Ablauf des Vertrags ziehen lassen: “Er ist emotional ohne Ende und passt als Typ überragend in diese Region und zu Schalke.“

Sicher darf man sich aber sein, dass der Name Tedesco in München in irgendeinem Notizbuch steht. Früher oder später wird – eine dem Trend folgende Entwicklung vorausgesetzt – auf dem Handy-Display Tedescos eine Münchner Nummer auftauchen. Noch ist das aber weit entfernt.