Warum Lifestyle-Tipps von Promis so gefährlich sind und wir trotzdem auf sie hören

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style
Gwyneth Paltrow wird durch ihre Website „Goop“ als Lifestyle-Guru gefeiert. (Bild: Neilson Barnard/Getty Images for goop)

Viele bekannte Influencer geben ihren Followern täglich auf YouTube und Instagram Ernährungs- und Lifestyle-Tipps. Allerdings können hinter diesen auch einige Gefahren lauern. Warum sollte man dem Gesundheitsrat eines Promis folgen, obwohl dieser überhaupt kein Experte auf dem Gebiet ist?

Wenn es um die Ratgeber-Prominenz geht, spielt laut Dr. Steven Hoffman das psychologische Phänomen der Selbstvorstellung eine große Rolle, so der Psychologe gegenüber dem US-Magazin „Refinery29“. Man nimmt sich Prominente zum Vorbild, die zu dem passen, wie man sich selbst wahrnimmt oder wie man gerne sein würde. Wenn man beispielsweise glaubt, dass ein Hollywoodstar wie Lifestyle-Bloggerin Gwyneth Paltrow das perfekte Beispiel für Gesundheit und Wohlbefinden sei, wird man versuchen, alles was sie macht – egal wie lächerlich es auch sein mag – selbst in seinem Alltag umzusetzen.

Gwyneth Paltrow und ihre schrägen Tipps

Schauspielerin Gwyneth Paltrow hat im September 2008 das Projekt „Goop“ gestartet, seither zählt sie zu der einflussreichen Riege der Lifestyle-Gurus aus Hollywood. Auf ihrem Blog teilt sie mit ihren Fans nicht nur überteuerte Shoppingtipps oder Kochrezepte, die Autoren geben den Lesern auch merkwürdige Gesundheitstipps, wie zum Beispiel, sich von Bienen stechen zu lassen. Diese Therapie sei „wunderbar“ und würde alte Wunden verschwinden lassen, verspricht Paltrow auf ihrer Website. Sie preist zudem Barfußlaufen gegen Depressionen und Jade-Eier für die Vagina an.

Man warf „Goop“ vor, dass der Wahrheitsgehalt der Aussagen selten von der Redaktion geprüft werde. Viele Ärzte zweifeln die obskuren Methoden an – so auch die kanadische Gynäkologin Dr. Jen Gunter. Sie hält die „pseudomedizinischen Tipps“ auf Paltrows Lifestyle-Website für extrem bedenklich, wie sie auf ihrem gleichnamigen Medizin-Blog erläuterte.

Die schrägsten Tipps auf Gwyneth Paltrows Lifestyle-Website

Das Gefährliche an Gesundheitstipps von Celebrities ist, dass viele Fans sie einfach hinnehmen und auf sie hören. „In mancher Hinsicht ist es für Menschen schwierig, gegenüber denjenigen kritisch zu sein, die sie gleichzeitig bewundern“, erklärte Hoffman „Refinery29“. Als großer Fan von Paltrow findet man vielleicht nicht genügend Abstand, um die fragwürdigen Ratschläge von den hilfreichen unterscheiden zu können.

Ähnlich bedenklich war eine öffentliche Aussage der US-Komikerin Tiffany Haddish. 2017 erzählte sie in einem GQ-Interview, dass sie zu Farbverdünner greife, wenn sie sich nicht gut fühle. „Ein Teelöffel Terpentin wird dich nicht töten“, erklärte Haddish überzeugt. „Die Regierung will nicht, dass du weißt, dass du, wenn du erkältet bist, etwas Terpentin mit Zucker oder Rizinusöl oder Honig nimmst und es ist am nächsten Tag weg.“ Die Aussage der Komikerin war kein Scherz, sondern ein ernst gemeinter Gesundheitstipp, der für viel Aufregung in den USA sorgte.

Verantwortung gegenüber den Fans

Etliche Prominente gehen mit ihrer Popularität nicht immer verantwortungsbewusst um. Eine Reihe von Schauspielern und Influencern macht für dubiose Produkte Werbung. So auch Influencerin Kylie Jenner: Sie und ihre berühmte Familie, zu der auch Halbschwester Kim Kardashian zählt, neigen in den US-Medien immer wieder dazu, ihren Fans fragwürdige Gesundheitstipps zu geben.

Kylie Jenner machte zum Beispiel bereits mehrfach auf Instagram Werbung für blaue Gummibären, die mit Vitaminen versetzt sind. Ob sie wirklich so gesund sind, ist nicht bekannt, aber Jenner geht dabei zumindest nicht leer aus. Sie soll pro Werbepost bei Instagram eine Million US-Dollar, etwa 850.000 Euro, bekommen.


„Ich bin besessen von den Zuckerbärhaar-Vitaminen! Ich setzte meine Haare einer Menge Stress aus und diese Bären sorgen dafür, dass mein natürliches Haar großartig aussieht und sich auch so anfühlt. Plus: Sie sind KÖSTLICH“

Dabei wäre es doch viel sinnvoller, wenn Prominente für ihre Posts, Videos oder vermeintlichen Gesundheitsratgebern wenigstens mit glaubwürdigen Organisationen wie Lebensmittelinstituten oder Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten würden. Wenn das nicht der Fall ist, sollte man die Aussagen von Laien immer hinterfragen. Paltrow scheint dazugelernt zu haben: Für ihre Website „Goop“, so schrieb „Refinery29“ kürzlich, soll nach der vielen Kritik immerhin bald eine Vollzeitarbeitskraft zum Fakten-Check eingestellt werden.

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