Warum Katjes mit seiner neuen Werbung für Aufsehen sorgt

Dieser Slogan ist die Kernaussage der neuen Katjes-Werbung. Eigentlich. (Bild: Instagram/ katjes)

Gleich drei Models spielen die Hauptrolle in einer neuen Kampagne des Süßwarenherstellers Katjes. Der Slogan „Achte mal drauf!“ bewirbt, dass die Gummitierchen vegetarisch sind. Viele User achten aber auf etwas anderes – denn eines der Models trägt Kopftuch.

Pinker Hintergrund und rosafarbene Kleidung – so das identische Setting von drei Videos der neuen Katjes-Kampagne. Die Frauen sagen in den Clips: „Na klar nasch’ ich, aber nur veggie. Also ohne tierische Gelatine. Achte mal drauf!“ Nur eines unterscheidet die drei Models: Zwei zeigen ihre rotblonden bzw. brünetten Haare – die dritte Frau trägt Kopftuch. Dieses Konzept kann aus einem ganz pragmatischen Grund als logisch angesehen werden: Gläubige Muslime essen kein Schweinefleisch, Gelatine wird aber meist aus Bindegewebe vom Schwein hergestellt. Daher sind die neuen Veggie-Katjes auch für diese Zielgruppe besonders relevant.

Doch die Kampagne polarisiert, im Netz sammeln sich die Kommentare zu dieser Entscheidung. Und die reichen von Danksagungen bis hin zu rassistischer Hetze.

Viele User freuen sich über die Entscheidung, ein Model, das mit seinem Kopftuch eine Frau muslimischen Glaubens repräsentiert, in einer Werbung zu sehen: „Danke Katjes für die tolle Werbung! Sehr gut gemacht! Ich hatte diese Gummibärchen sowieso immer gekauft, jetzt greife ich noch mehr zu. Weiter so!“, schreibt eine Frau auf Facebook. Andere kritisieren das Video: „Muss man jetzt schon in der Werbung auf Kopftücher stoßen? Wieso wird dieses Symbol der Unterdrückung überall als etwas Tolles propagiert? Katjes? Nein, danke“, so ein anderer Facebook-Kommentar.


Das Video belebt außerdem die bekannte Diskussion, ob das Tragen eines Kopftuchs aus religiösen Gründen automatisch mit der Unterdrückung von Frauen gleichzusetzen sei. Während einige User daran erinnern, dass „in vielen islamischen Ländern die Frauen den Kopftuch-Zwang boykottieren und deshalb verhaftet und gefoltert werden“, beschließt eine muslimische Nutzerin: „Sucht euch ein Hobby und löst erst einmal eure eigenen Probleme, bevor ihr muslimische Frauen retten wollt!“

Abseits jeder konstruktiven Diskussion nutzen auch User und Parteien die Kampagne, um ganz offen gegen Muslime zu hetzen und eine angebliche Islamisierung Deutschlands zu propagieren. Die AfD Offenbach twitterte zu einem Plakat mit dem muslimischen Model am Bahnhof Frankfurt, es handele sich um einen „Schlag ins Gesicht für alle Frauen, die muslimischer Unterdrückung entfliehen wollen“. Außerdem wird die Suggestivfrage gestellt: „Eine #Islamisierung findet nicht statt. Oder doch?“

Am Sonntag wurden die Videos zur neuen Kampagne des Süßwarenherstellers bei Facebook veröffentlicht. Während die Videos der beiden blonden Models zusammen aktuell auf 11.000 Klicks kommen, wurde das dritte mit der kopftuchtragenden Darstellerin 212.000-mal angesehen und jeweils über 2000-mal kommentiert und geteilt.


Viele Top-Kommentare der User beschäftigten sich am Ende aber doch mit einem Thema, das sich auf die Weingummis von Katjes bezieht und nicht auf die Werbegesichter. Einige Kunden beklagen nämlich, der Geschmack habe sich verändert, seit viele der Produkte des Herstellers vegetarisch sind.