Warum haben einfache Dinge wie T-Shirts Wartelisten mit Tausenden von Leuten?

Manche Menschen sind bereit, selbst auf einfache Kleidungsstücke wie T-Shirts zu warten. (Bild: Getty Images)

Wir verstehen es voll und ganz, dass man für eine gute Jeans spart oder sich auf die Warteliste für eine limitierte Lederhandtasche eines bekannten europäischen Designers setzen lässt. Aber all das nur für ein einfaches weißes T-Shirt? Das überzeugt uns nicht. Aber mindestens 2.000 Leute sind da anderer Meinung.

Der Einzelhändler AYR , was für ALL Year Round steht, wagt zum ersten Mal den Schritt in den Markt für Stricksachen und T-Shirts und beginnt mit simplen weißen T-Shirts. Das einfache Basic-Teil sieht aus wie ein gewöhnliches T-Shirt: kurze Ärmel, weiter Schnitt, Rundhalsausschnitt. Es gibt auch eine ärmellose Version; und beide sind in Schwarz und Weiß verfügbar. Das gleiche T-Shirt findet man bei Target, J.Crew, Gap oder Duane Reade. Der größte Unterschied ist wohl der Preis. Das T-Shirt mit den kurzen Ärmeln namens Supercool kostet Sie umgerechnet 52 Euro, das ärmellose Fizz ist mit 44 Euro etwas erschwinglicher.

Wir sind uns nicht ganz sicher, wie es AYR schafft, 52 Euro für ein unbedrucktes T-Shirt zu verlangen – es könnte daran liegen, dass es aus 100 Prozent peruanischer Baumwolle besteht – aber die Fans scheint das nicht zu stören. Obwohl die neue Linie bereits am 20. Februar angekündigt wurde, ist sie erst jetzt erhältlich – sowohl online als auch in AYRs Los Angeles Pop-up-Shop. Aber das hielt Kunden nicht davon ab, sich rechtzeitig ein Shirt zu reservieren – sie ließen sich auf eine Warteliste setzen, die das Unternehmen auf seine Webseite gestellt hatte.

Laut Daily Mail hatte die Warteliste innerhalb einer Stunde über 250 Einträge. Und Well+Good berichtete, dass die Warteliste noch am selben Tag auf 2.000 Namen anwuchs.

Wegen der großen Nachfrage ist Supercool in den Größen S und M bereits ausverkauft.

Es ist nicht das erste Mal, dass Scharen an Käufern sich auf eine Warteliste setzen ließen, um viel Geld für etwas auszugeben, was man als eher durchschnittliches Stück bezeichnen würde. In der Übergangszeit schaffte es die einfache Mid Crop Jean von Reformation eine Warteliste von 3.000 Bewunderern zu generieren. Und das hatte nichts damit zu tun, dass sie unglaublich innovativ oder preiswert ist – die Jeans kostete 103 Euro und manche würden sagen, dass sie aussieht, als sei sie in der Waschmaschine eingelaufen. Die französische Modemarke Sezane hatte einmal eine Warteliste mit 30.000 Leuten für eine 94 Euro teure Strickjacke. Sicher, sie war sie konzipiert, dass man sie auch verkehrt herum tragen konnte, aber wer sagt, dass man die Old Navy Strickjacke für 24 Euro nicht auch verkehrt herum tragen kann?

Also warum gibt es so eine hohe Nachfrage nach durchschnittlichen Kleidungsstücken? Marktforscherin und Luxusexpertin Pamela Danziger, die Unity Marketing and Retail Rescue gegründet hat, zufolge geht es nur um den Kultfaktor. „Das ist die einzig mögliche Erklärung für dieses Phänomen“, erklärt sie Yahoo Lifestyle.

Laut Danziger geht es nicht mal im Ansatz um das Kleidungsstück. „Es ist nicht das Produkt, sondern das Gefühl, über eine Marke Bescheid zu wissen die cool und hip ist“, sagt sie. Und AYR ist definitiv „cool“ – die Marke ist bekannt für ihre luftigen, lässig schicken, minialistischen Designs.

„Das Gefühl, ein Insider zu sein“, ist es, was 2.000 Leute dazu brachte, sich auf der Warteliste einzutragen. „Das Element der Entdeckung spielt hier auch eine zentrale Rolle“, betont sie. „Die Entdeckung von etwas Neuem und Anderem“. Menschen brauchen ein bisschen Spannung im Leben und „da die Leute wissen, was sie erwarten können und was sie erhalten, wenn sie ein 4 Euro T-Shirt bei Kmart kaufen“, ist es sehr viel aufregender, auf einer Warteliste für das erste T-Shirt einer beliebten Marke zu stehen. „Und dann kann man damit angeben, dass man es entdeckt hat“, fährt sie fort. „Die Erfahrung dieser Entdeckung ist es, was so speziell ist. Die Erfahrung, nicht das T-Shirt selbst.“

Bob Phibbs, Verkaufsexperte und CEO von Retail Doctor, stimmt zu. „Es könnte so einfach sein wie die Sehnsucht, damit angeben zu können“. Aber er betont auch, dass die Tatsache, dass Hunderte von Leuten auf einer Warteliste stehen, nicht bedeutet, dass sie etwas kaufen. „Denken Sie daran, dass unbekannt ist, ob dies auch Verkäufen entspricht.“

Also könnte es einfach nur darum gehen, sein Trendgespür zu demonstrieren und sich in dem Moment wie ein Insider zu fühlen und weniger darum, das T-Shirt zu besitzen.

Maggie Parker