Warum entsetzliche Echtzeit-Nachrichten von Amokläufen viral gehen

Entsetzliche Echtzeit-Nachrichten von Amokläufen, die in den sozialen Medien geteilt werden, sind eine fesselnde Möglichkeit, dass sich die Menschen einer Tragödie nah – aber gleichzeitig weit genug entfernt davon – fühlen. (GIF: Yahoo Lifestyle)

Dank der permanenten unmittelbaren Berichterstattungskultur ist es zum Alltag geworden, dass wir nach einem Amoklauf an einer Schule oder einem öffentlichen Ort umgehend Liveberichterstattung erwarten. Aber es gibt noch etwas, was zur Norm geworden ist: das Posten erschütternder Textnachrichten in den sozialen Medien von Augenzeugen oder selbst von möglichenOpfern, die verzweifelte Nachrichten vom Ort schicken, wo das Verbrechen geschieht.


Nachrichten, die meine Freundin in San Diego heute erhielt, nachdem ihr Sohn und ihr Ehemann sahen, wie ein Mann vor einem 24 Stunden-Fitnessstudio erschossen wurde. Waffengewalt ist in Amerika allgegenwärtig – den ganzen Tag.

„Mama antworte!!! Mama antworte!!!”, schrieb ein Kind in einem der aktuellsten Nachrichtentexte, die von Shannon Watts, Gründerin von “Moms Demand Action for Gun Sense in America”, auf Twitter geteilt wurden. „Waffengewalt ist in Amerika allgegenwärtig – den ganzen Tag“, schrieb Watts und teilte die Nachrichten, die ihre Freundin erhalten hatte, nachdem ihr Sohn und ihr Ehemann sahen, wie ein Mann vor einem 24 Stunden-Fitnessstudio erschossen wurde.

„Ich bin fast da, Baby. Fahre jetzt ran“, schrieb ihre Mutter zurück. „Sie lassen mich nicht rein, Baby“, schrieb sie später. „Sie wissen, ich bin hier. Ich habe mit den Polizisten gesprochen.“

„Ok Mama, ich habe solche Angst“, schrieb ihr Sohn. „Es tut mir so leid. Ich weiß Baby“, schrieb die Mutter. „Wurde Papa angeschossen??? Warum ist er blutig?“ Die Antwort war herzzerreißend: „Er hat sein Hemd benutzt, um die Blutung zu stoppen. Aber der Typ starb.“

Andere virale Texte behandeln eine Schießerei, während diese stattfindet. Ein Nachrichtenaustausch zwischen zwei Schwestern – Kaitlin Carbocci, 19, und ihrer Schwester, Hannah, 17 – während des Amoklaufs an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, wurde später auf CNN veröffentlicht.

„Kaitlin, ich mache keine Scherze. Sie haben gerade durch die Wände geschossen. Jemand in meiner Klasse ist verletzt“, schrieb Hanna. „Ruf Mama und Papa an“.  Und später: “Ich habe solche Angst”.

“Wenn ich das nicht überlebe, ich liebe euch.”

Die Nachrichten zwischen den Brüdern Sam und Matthew Zeif, die beide auf die Marjory Stoneman Douglas High School gehen, gingen auf Twitter viral. „Bist du okay“, schrieb Sam seinem jüngeren Bruder. „Hoffentlich. Nur dass du es weißt, ich liebe dich“, antwortete Matthew. „Du bist der beste Bruder“. „Wir werden hier rauskommen, ich verspreche es“, antwortete Sam.

Ihre Mitschülerin Sarah Crescitelli textete diese Nachricht an ihrer beiden Eltern, während sie sich auf der Toilette versteckte: „Wenn ich das nicht überlebe, ich liebe euch und ich weiß alles zu schätzen, was ihr für mich getan habt.“

Solche Texte tendieren dazu, viral zu gehen, da diese emotionale Unmittelbarkeit das Naheste ist, dem jemand kommen kann, ohne tatsächlich dabei gewesen zu sein und das ist etwas, was Beobachter in der Ferne ganz offensichtlich suchen.


Dies ist der Text, den Sarah Crescitelli ihren Eltern schickte, während sie sich zwei Stunden lang auf der Toilettte versteckte. Mutter und Vater weinen beide, während sie ihn erneut lesen.

Das brachte mich zum Weinen.


Dies ist der Text, den Sarah Crescitelli ihren Eltern schickte, während sie sich zwei Stunden lang auf der Toilette versteckte. Mutter und Vater weinen beide, während sie ihn erneut lesen.

Ich kann mir nicht vorstellen, so einen Text von meinem Kind zu bekommen. Verrückt.


Das Schlimste war, zu wissen, dass mein kleiner Bruder direkt über mir war und ich nicht wusste, ob ich ihn je wiedersehen würde. Ich habe ihn nie so behandelt, wie er es verdient hätte. Aber jetzt nicht mehr. Sein Gesicht außerhalb der Schule zu sehen, war die größte Erleichterung, die ich je gefühlt habe. Meine Gebete für alle. pic.twitter.com/Iq8CHVNXd0

Ein jüngeres Geschwisterchen zu haben und das zu lesen, lässt mich schaudern. hoffe, es geht dir gut.

Die Nachrichten trafen einen Nerv, denn sie sind so herzzerreißend und real, erklärt Pamela Rutledge, Direktorin des Media Psychology Research Center, gegenüber Yahoo Lifestyle. „Sie sind höchst emotional und ermöglichen es Leuten, Mitgefühl zu entwickeln und eine Verbindung zu fühlen zu dem, wie sich die Schüler zu dieser Zeit fühlen“, sagt sie. „Vor allem die sozialen Medien sind gut, um diese Nachrichten zu teilen“, fügt Rutledge hinzu. „Das Gefühl einer Vermittlerrolle bei Verbindungen zu spielen ist das, was die sozialen Medien am besten können“, sagt sie. „Es transportiert Menschen in das Geschehen hinein und ermöglicht es, die Gefühle intensiver zu teilen.“

Die Nachrichten sind für Leute so spannend und kreieren ein Gefühl einer Horrorgeschichte – außer, dass sie nicht erfunden sind, erklärt Psychologe John Mayer, Autor von „Family Fit: Find Your Balance in Life“, gegenüber Yahoo Lifestyle. Dies kann auch die Erfahrung realer machen. „Sie bringen die Realität der Gefahren der Welt ins eigene Leben und direkt in den persönlichen Raum“, sagt Mayer. „Deshalb sind sie noch beängstigender.“

Die Nachrichten ermöglichen es Menschen auch, Geschehnisse indirekt zu erleben – jedoch aus sicherer Distanz – und führen zu Gefühlen von Dankbarkeit und Wertschätzung für die Sicherheit, die man hat, sagt Rutledge.

Und diese Arten von Nachrichten gehen wirklich zu Herzen, weil sie authentisch sind und direkt von der Quelle stammen. „Sie sind ein Echtzeit-Report von Gefühlen und Geschehnissen“, betont Rutledge.

Was bringt das Teilen solcher Nachrichten?

Aber es ist nicht alles voyeuristisch. Wenn Leute auf diese Arten von viralen Nachrichten reagieren, zeigt das, dass sie an der Sicherheit und am Wohlergehen der Menschen interessiert sind, die die Schießerei erleben mussten. „Diese Art von Sorge um andere ist sehr positiv, denn wir fühlen uns auf einer sehr menschlichen Ebene verbunden und sorgen uns nicht um oberflächlichere Dinge, die uns voneinander trennen“, so Rutledge.

Während Leute sich nach einem Amoklauf oft hilflos fühlen, kann es Außenstehenden helfen, dass sie etwas tun, um ihre Unterstützung anzubieten, wenn sie diese Nachrichten teilen. „Dies kann die Gefühle von Terror mildern, die herumgeistern“, sagt Rutledge.

Und natürlich kann die Beschäftigung mit diesen Texten helfen, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Amokläufe geschehen können – und Rutledge sagt, Nachrichten darüber zu verbreiten gibt einem zumindest das Gefühl, dass es vielleicht hilft, die Wahrscheinlichkeit dafür zu senken, dass so etwas in Zukunft erneut geschieht.

Die Leute fühlen oft Erleichterung darüber, dass die Beteiligten aus der Unterhaltung okay sind. Wie eine Userin in ihrer Twitter-Antwort an Sam Zeif schrieb, einem der Brüder des Nachrichtenwechsels aus Florida: „Ich freue mich so, dass du und dein Bruder okay seid und es macht mich krank, dass wir in einem Land leben, wo dies stetig wachsende Realität ist. Bitte nehmt euch Zeit für euch, entspannt euch, liebt euch und verarbeitet alles. Ihr verdient es.“

Korin Miller

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