Warum Bayern mit Ribery und Robben verlängern muss

Tommy Gaber
Editor Yahoo Sports

Die Verträge von Franck Ribery und Arjen Robben beim FC Bayern München laufen am Saisonende aus. Während Robben zaghaft in die Offensive geht, macht Ribery kräftig Werbung in eigener Sache. Die Bayern sollten ihre Altstars aber unbedingt halten, stecken aber in einem Dilemma. 

Spielen seit 2009 gemeinsam beim FC Bayern: Franck Ribery (l.) und Arjen Robben

Sie haben ein ganzes Jahrzehnt beim FC Bayern geprägt. Ein Münchner Kader ohne Franck Ribery und Arjen Robben ist eigentlich nicht denkbar. Und der Verein täte gut daran, das auch über die laufende Saison hinaus beizubehalten.

Was für Arjen Robben spricht: 

Der Niederländer ist ein fast schon besessen akribischer Profi. Extraschichten nach regulären Trainingseinheiten sind für Robben seit Jahren gang und gäbe. Er weiß aus leidlicher Erfahrung mit vielen Verletzungen, was er seinem Körper mit bald 34 Jahren noch zumuten kann und was er ohne Ball tun muss, um sein nach wie vor hohes Niveau zu halten.

Auch in der abgelaufenen Hinrunde hat Robben trotz eines Muskelfaserrisses und Rückenproblemen bewiesen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. In 18 Pflichtspielen war er an sieben Toren beteiligt. Er kann immer noch für Aha-Effekte sorgen; Antritt, Schnelligkeit und Dribbelstärke sind uneingeschränkt vorhanden. Wenn nichts geht, ist Robben in der Lage, Lösungen zu finden für die eine spielentscheidende Szene. “Es ist nach wie vor unmöglich, Arjen Robben über 90 Minuten zu kontrollieren”, sagte Ex-Bayern-Vorstand Matthias Sammer.

Zudem ist er als Führungsspieler ist für die Bayern unverzichtbar, sein Wort hat Gewicht in der Kabine. In der abgelaufenen Hinrunde führte er die Mannschaft in Abwesenheit von Manuel Neuer und Thomas Müller sieben Mal als Kapitän aufs Feld.

Sein Körper ist sein Kapital. Robben benötigt für sein Spiel hundertprozentige Fitness. Bleibt er gesund, kann er noch zwei, drei Jahre auf seiner Position mit den Besten der Welt mithalten. Zu diesem Zweck hat er auch seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet.

Hinsichtlich seiner vertraglichen Situation ist Robben entspannt, signalisierte aber, dass er schon ganz gerne in München bleiben möchte. “Wenn du mich fragst: Willst du verlängern? Ich sage ja – da gehören immer zwei Parteien dazu”, verriet Robben der “tz”. “Wenn der Verein glaubt, dass er mich nächstes Jahr noch gebrauchen kann, dann höre ich das gerne. Ich hoffe, es auch ein bisschen frühzeitig zu hören.”

Was für Franck Ribery spricht:

Der Franzose spielt bereits seine elfte Saison beim FC Bayern. Auch ihn haben Verletzungen immer wieder zurückgeworfen, zuletzt in der Hinrunde ein Außenbandriss im Knie. Doch Ribery hat sich immer wieder zurückgekämpft. Bei seinem Comeback kurz vor Weihnachten im Pokal gegen Dortmund lieferte er eine sehr starke Partie ab und wurde von Yahoo Sport zum Man of the Match gekürt. Das Zusammenspiel mit David Alaba auf dem linken Flügel funktionierte wie zu besten Zeiten.

Wie Robben kann Ribery  nach wie vor das Spiel der Bayern prägen. Für ihn sprechen aber vor allem zwei weitere Dinge: Ribery ist Ziehvater von Kingsley Coman. Der französische Nachwuchsstar hat eine große Zukunft vor sich. Damit er seine herausragenden Fähigkeiten in München voll zur Geltung bringen kann, braucht er Ribery in seinem Umfeld. Wie Ribery ist Coman sehr sensibel, Vertrauen und Wohlbefinden im menschlichen Umgang sind für ihn unabdingbar. Coman ist drauf und dran, seinem berühmten Landsmann den Rang abzulaufen. Ribery kämpft um seinen Platz, lobt Coman aber in den höchsten Tönen und ist Profi genug, eine etwaige neue Hackordnung auf dem Platz zu akzeptieren. Der FC Bayern funktioniert mit Ribery und Coman besser als wenn einer von ihnen fehlen würde.

Zudem darf man Riberys Einfluss in der Kabine und seine Beziehung zu den Fans nicht unterschätzen. Ribery ist aufgrund seiner lockeren Art bei allen Mitspielern beliebt und wird in hohem Maße respektiert. Und “Ribery, Ribery”-Sprechchöre sind immer noch ein Gassenhauer in der Allianz Arena. Den Fans wäre eine Trennung von Ribery zumindest zum jetzigen Zeitpunkt schwer vermittelbar.

Das Dilemma des FC Bayern:

In knapp vier Monaten ist die Saison 2017/18 vorbei. Noch hat der Verein keine Signale hinsichtlich einer Vertragsverlängerung mit Ribery und Robben gesendet. Das hat einen entscheidenden Grund: Der FC Bayern hat noch keinen Trainer für die kommende Saison. Sollte sich Jupp Heynckes tatsächlich doch überreden lassen, ein weiteres Jahr dranzuhängen, stünden die Chancen auf einen Verbleib der beiden Stars gut. Robben und Ribery pflegen ein enges Verhältnisverhältnis zum aktuellen Coach; der wiederum äußert sich jeder Gelegenheit positiv über die beiden.

Doch wie sehen das potentielle Kandidaten wie Julian Nagelsmann, Ralph Hasenhüttl, Thomas Tuchel, Niko Kovac oder Jürgen Klopp? Selbst wenn Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge Ribery und Robben halten wollten – und dafür gibt es vor allem seitens Hoeneß Anzeichen – , gilt das noch längst nicht für den möglichen neuen Trainer.

Ewig können sich die Bayern-Bosse nicht verstecken. Weder hinter der Trainerentscheidung, noch hinter der ungeklärten Zukunft ihrer beiden verdienten Altstars.