Müssen Freunde in Schweden im Zimmer warten während die Familie isst?

Müssen Freunde in Schweden im Zimmer warten während die Familie isst?

In den sozialen Medien ist eine leidenschaftliche Diskussion um Gastfreundschaft entflammt, die auch nach mehreren Tagen nicht abreißt. Im Grunde geht es um die Frage, in welchem Land und in welcher Kultur eine Person, die zu Besuch ist, etwas zu essen angeboten bekommt.

Begonnen hatte alles mit einem Post auf Reddit: "Was ist die eigenartigste Sache, die ihr bei einem Freund/einer Freundin zu Hause erlebt habt aufgrund von Kultur oder Religion?"

Ein Nutzer antwortet, dass er bei einem schwedischen Freund zu Besuch war. Als es Abendessen gab, wurde ihm gesagt, er solle in der Zeit, in der die Familie isst, im Zimmer des Freundes warten.

Eine weitere Person erzählt, dass sie nach dem Übernachten bei einer Freundin vom Frühstück ausgeschlossen wurde.

Die Erzählungen, von denen einige offenbar schon Jahrzehnte zurückliegen, schockieren andere Nutzer:innen. Einem Gast nichts zu Essen anzubieten - und ihn oder sie sogar in einem anderem Raum warten zu lassen - scheint ihnen absurd.

Gerade in südlichen Kulturen, in denen das Essen vor allem ein Moment des Austausches und der Geselligkeit ist, haben viele kein Verständnis für das Erlebte in Schweden. Doch auch viele Schwed:innen sagen, dass sie noch nie von dieser Praxis gehört haben. Wieder andere versuchen zu erklären, wie es zu diesen Situationen kommen kann:

"Als Schwede würde ich nicht sagen, dass dies wirklich etwas mit der Kultur zu tun hat. Es hat eher damit zu tun, dass Gäste unverhofft kommen und nicht genug Essen für alle da ist. Wir machen nur so viel zu essen, wie wir glauben, dass wir essen werden. Ansonsten essen sie mit der Familie. (Zumindest nach meiner Erfahrung)", schreibt Nutzer @ranbitties.

Eine Schwedin erzählt, dass ihr erst beim Leben im Ausland auffiel, wie eigenartig das Ganze auf andere wirken muss.

"So haben wir es gemacht, als ich aufgewachsen bin. Ich dachte, das sei ganz normal, bis ich nach Großbritannien kam und sie entsetzt waren! Eine meiner Freundinnen hatte nicht viel Geld, und wenn es Reste gab, ließen wir ihr etwas übrig, NACHDEM wir aufgegessen hatten", erzählt Cecilia Dahlsjö.

Und es stellt sich sogar heraus, dass Schweden in diesem Fall keine Ausnahme darstellt. In vielen anderen nordeuropäischen Ländern erzählen Leute von ähnlichen Erfahrungen.

Matias Tuuri aus Finnland sollte "anderen ihr Essen nicht wegessen", um der anderen Familie nicht zur Last zu fallen. "Ich vermute, dass in den nordischen Ländern Individualismus und ein bescheidener protestantischer kultureller Hintergrund bei diesen Dingen eine Rolle spielen", versucht Tuuri eine Erklärung zu finden.

Auch in Deutschland lösten ähnliche Berichte Diskussion über Gastfreundschaft aus. Selten müssen Freundinnen oder Freunde im Zimmer warten - aber auch diese Erfahrungen gibt es - doch viele Erwachsene erinnern sich, dass Freunde nach Hause geschickt wurden, wenn die Familie sich an den Tisch setzte. In dem Artikel "Abendbrot bei Almans: Du musst jetzt gehen", zeigt ein Artikel im Spiegel aus dem Jahr 2015 auf, wie befremdlich diese deutsche Direktheit auf Menschen mit Migrationshintergrund wirkt.

Schwede Anton Myrberg hat Aufklärungbedarf. Für ihn ist das "Im-Zimmer-Warten-beim-Essen" eine Sache der 90er. "Dies geschah nicht aus Egoismus, sondern aus kulturellem Verständnis und Respekt gegenüber den anderen Eltern. Die Eltern erwarteten ihre Kinder zu einer bestimmten Zeit zum Abendessen zu Hause. Wir hatten sehr etablierte Muster."

Nach einem langen Diskussions-Thread hat eine andere Nutzerin ihr Fazit so zusammenfasst: "Es handelt sich um eine traditionelle Kultur und nicht um eine universelle Kultur, die in städtischen Gebieten seltener anzutreffen ist und sich mit der Zeit und dem zunehmenden Einfluss anderer Kulturen verändert."

Andere haben versucht, auf einer Karte darzustellen, wie wahrscheinlich es ist, bei Freunden zu Hause Essen serviert zu bekommen - doch in den Kommentaren sehen einige ihre Kulturen und Länder falsch dargestellt.

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