Warteschlange in Nigeria nach Trumps Lob für Malaria-Mittel im Kampf gegen Coronavirus

Temperaturkontrolle am Flughafen von Lagos

In der nigerianischen Millionenmetropole Lagos sind nach Behördenangaben erste Fälle von Chloroquin-Vergiftungen aufgetreten, nachdem US-Präsident Donald Trump das häufig genutzte Malaria-Mittel für die Behandlung von Coronavirus-Patienten angepriesen hatte. Schon vorher sei das Medikament in Online-Netzwerken als "Heilmittel" gegen das Virus bezeichnet worden und in einigen Vierteln der Stadt ausverkauft gewesen, sagte die Gesundheitsberaterin des Gouverneurs, Ore Awokoya, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Doch seit Trumps Pressekonferenz am Donnerstag stünden die Menschen vor allen Apotheken Schlange.

Sie sei sehr besorgt, weil viele das Mittel nun nach eigenem Gutdünken einnähmen, sagte die Gesundheitsexpertin. Mindestens zwei Patienten seien mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht worden, doch müsse mit mehr Opfern gerechnet werden.

Trump hatte am Donnerstag verkündet, die US-Arzneimittelbehörde FDA habe Chloroquin bereits gegen das Coronavirus "zugelassen", wurde aber von FDA-Chef Stephen Hahn umgehend korrigiert: demnach geht es zunächst nur um beschleunigte Tests.

Nigeria hat bisher zwölf bestätigte Infektionsfälle mit dem neuartigen Coronavirus. Allerdings sind die Testmöglichkeiten in Afrikas bevölkerungsreichstem Land sehr gering und das Gesundheitssystem wäre mit einer Epidemie komplett überfordert.

Chinesische Forscher hatten Mitte Februar berichtet, das seit den 40er Jahren als Malaria-Mittel eingesetzte Chloroquin sowie der ähnliche Wirkstoff Hydroxychloroquin hätten sich bei Coronavirus-Patienten als wirksam erwiesen. Forscher mahnen allerdings zur Vorsicht, die derzeitige Datenlage sei sehr dünn. Doch gibt es inzwischen weitere Tests in den USA und Europa.

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis bot am Freitag an, bis Ende Mai bis zu 130 Millionen Cloroquin-Dosen zur Verfügung stellen. Sobald die Behörden ihre Zustimmung gäben, könne der Wirkstoff an Patienten abgegeben werden. Zuvor hatten schon andere Pharmaunternehmen, darunter der französische Sanofi-Konzern und Teva aus Israel, die Lieferung von Hydroxychloroquin angeboten.