Impfbeginn unter Zeitdruck

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Budapester Ärztin erhielt bereits ihre erste Spritze

Angesichts der neu entdeckten ansteckenderen Coronavirus-Variante aus Großbritannien wächst in der Europäischen Union der Zeitdruck für die Umsetzung der EU-weiten Impfkampagnen gegen das Coronavirus. Weitere Staaten meldeten über die Weihnachtstage Fälle der neuen Mutation des Virus, die nach ersten Erkenntnissen deutlich ansteckender ist als die Ursprungsvariante und frühere Mutationen. Viele Regierungen reagierten mit neuen Reisebeschränkungen und weiteren Lockdowns.

Weltweit hat die Pandemie nach einer AFP-Zählung vom Samstag bereits mehr als 1,7 Millionen Menschen das Leben gekostet, davon knapp 544.000 in Europa. Am Sonntag sollen in Deutschland und EU-weit erste Impfungen mit dem Wirkstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer beginnen. Mit der 101-jährigen Edith K. wurde in Halberstadt in Sachsen-Anhalt bereits am Samstag die deutschlandweit erste Patientin geimpft, weitere Bewohner ihres Pflegeheimes folgten.

Die Zeit drängt: Seit Großbritannien vor einer Woche über die Ausbreitung einer deutlich ansteckenderen Virusmutation in Teilen Englands berichtete, taucht diese in mehr und mehr weiteren Ländern auf. An Heiligabend meldete Baden-Württemberg einen ersten Fall, am ersten Weihnachtstag wurde ein weiterer Fall in Frankreich registriert, am zweiten Feiertag bestätigten Schweden und Spanien einen beziehungsweise vier Fälle. In Italien wurden bisher insgesamt zehn Fälle nachgewiesen, in Japan fünf. Die Infizierten waren fast alle zuvor aus Großbritannien eingereist.

Einer Studie der Londoner Hochschule für Hygiene und Tropenmedizin (Lshtm) zufolge ist die neue Variante des Coronavirus etwa 50 bis 74 Prozent ansteckender als die vorherige. Das könne die Zahl der Krankenhauseinweisungen und die Todesfälle wegen des Coronavirus im kommenden Jahr weiter in die Höhe treiben.

Wegen der neuen Mutation haben inzwischen mehr als 50 Länder Reisebeschränkungen verfügt. Am verheerendsten wirkten sich die vor einer Woche von Frankreich verhängten strikten Reise- und Verkehrsbeschränkungen aus, bis zu 10.000 Fernfahrer strandeten daraufhin mit ihren Lkw in der südenglischen Hafenstadt Dover.

Nach einer Verständigung zwischen Paris und London lief der Fähr- und Eisenbahnverkehr dann ab Mittwoch langsam wieder an. Fahrer müssen aber in der Regel einen negativen Corona-Test nachweisen, der nicht älter als 72 Stunden sein darf. Das bedeutete für viele Betroffene Weihnachten fern von ihren Familien.

Um die Coronatests zu beschleunigen, entsandte das britische Verteidigungsministerium am Freitag weitere 800 Armeeangehörige zum Testen sowie zum Verteilen von Wasser und Lebensmitteln an die teils seit Tagen ausharrenden Lkw-Fahrer. Nach Angaben von Verkehrsminister Grant Shapps fielen bis zum Abend 24 von mehr als 10.000 Corona-Tests positiv aus.

Unterdessen zogen in einigen Ländern die über Weihnachten gelockerten Beschränkungen wieder an. In Österreich gelten seit Samstag wieder Ausgangsbeschränkungen rund um die Uhr, Mitglieder eines Haushalts dürfen nur noch einen Gast aus einem weiteren Haushalt treffen. Auch Geschäfte, Kulturbetriebe und Restaurants bleiben bis einschließlich 17. Januar geschlossen.

In England sind nach Angaben der BBC inzwischen 40 Prozent der Bevölkerung von ähnlich strikten Beschränkungen wie in Österreich betroffen. In Wales wurden die Lockerungen über Weihnachten wieder zurückgenommen, während in Schottland und Nordirland am Samstag neue Lockdowns begannen.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus mahnte die Menschen, in ihren Vorsichtsmaßnahmen gegen das Virus nicht nachzulassen. Niemand dürfe die "Opfer" leichtfertig wieder aufs Spiel setzen, die "im Laufe dieses schrecklichen Jahres" gebracht wurden, "um Leben zu retten und zu schützen", sagte er am Freitag. Zwar böten die Impfstoffe einen "Ausweg aus dieser Tragödie". "Aber es wird Zeit brauchen, bis die ganze Welt geimpft ist."

fwe/gt