Warnschild befreit Reiseveranstalter nicht vor jeder Haftung

Mit Warnschildern können sich Reiseveranstalter nicht von jeder Haftung befreien. Hotelanlagen im Ausland müssen zumindest auch den dortigen Bauvorschriften entsprechen, wie am Dienstag der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschied. (Az: X ZR 110/18)

Der Kläger hatte bei TUI eine Pauschalreise nach Lanzarote gebucht. Er ist linksseitig am Oberschenkel amputiert, trägt eine Prothese und ist zum Gehen auf eine Unterarmstütze angewiesen. Als er nach seiner Ankunft das Hotel wieder verließ, rutschte er auf der regennassen Rollstuhlrampe aus. Bei seinem Sturz brach er sich ein Handgelenk.

Von TUI verlangt er die Erstattung des Reisepreises sowie weiteren Schadenersatz und Schmerzensgeld. TUI verwies auf ein Warnschild, das auf die Rutschgefahr auf der Rollstuhlrampe bei Nässe hingewiesen habe.

Anders als in der Vorinstanz das Oberlandesgericht (OLG) Celle entschied nun der BGH, dass das Warnschild allein nicht unbedingt ausreicht. Notwendig sei zudem, "dass die Rollstuhlrampe den maßgeblichen örtlichen Bauvorschriften entsprach und damit den Sicherheitsstandard bot, den ein Hotelgast erwarten durfte". Ob dies hier der Fall war, soll nun das OLG Celle prüfen.

Ähnlich hatte der BGH auch im Juni zu einem Unfall entschieden, bei dem ein siebenjähriger Junge gegen eine Glastür eines Hotels auf Gran Canaria gelaufen war. Weil die Glasscheibe zerbrach, trug das Kind mehrere Schnittverletzungen davon. Nach dem damaligen Urteil kam es auch hier darauf an, ob die Glastür den örtlichen Bauvorschriften entsprach.