Ich war undercover beim AfD-Stammtisch – plötzlich tauchte ein Muslim auf

Amelie Graen
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Ich war undercover beim AfD-Stammtisch – plötzlich tauchte ein Muslim auf

Auf dem Jutebeutel des Mannes vor mir prangt eine riesige Deutschlandflagge.

Auf dem Jutebeutel des Mannes vor mir prangt eine riesige Deutschlandflagge. Sieht so aus, als befände ich mich auf dem richtigen Weg zum AfD-Stammtisch. Ich folge dem Mann in ein rustikales Münchner Restaurant. Eine Kellnerin begrüßt uns mit russischem Akzent.

“Stammtisch?”, fragt der Mann nur.

“Der Stammtisch findet dort im Hinterzimmer statt”, sagt sie freundlich.

Ich bin undercover hier und will als vermeintlich interessierte AfD-Wählerin herausfinden: Wie tickt die Basis der Partei knapp ein halbes Jahr nach der Bundestagswahl?

Ich hoffe, eine ehrlichere Antwort zu bekommen, wenn mich die AfD-Anhänger an diesem Abend nicht als Journalistin erkennen – nicht als Vertreterin der von ihnen sogenannten Lügenpresse.

Männer trinken Bier und essen Wurst mit Kartoffeln

So viel soll schon an dieser Stelle verraten sein: Am Ende des Abends werde ich auf meine Frage keine Antwort erhalten haben.

Stattdessen habe ich erfahren, was in der aktuellen politischen Debatte in Deutschland grundsätzlich schief läuft – dank eines SPD-Mitglieds muslimischen Glaubens, das sich unter die AfD-Anhänger mischt.

Aber der Reihe nach.

Als ich die Klinke herunterdrücke und den Blick durch das Hinterzimmer streifen lasse, bin ich fast ein bisschen enttäuscht. Das Publikum ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.  

Mindestens ein Dutzend Männer mit lichtem Haar trinken Bier und essen Wurst mit Kartoffeln. Ich sehe nur drei Frauen mittleren Alters und eine ältere Frau.

Ich setze mich am Eingang neben ein Paar, nicht älter als Anfang 30. Er trägt ein Hemd, sie einen schwarzen Kapuzenpullover, auf dem in großen Druckbuchstaben “Bayern Dahoam” steht.  

“Schön, mal junge Gesichter zu sehen”

Ihr Blick bleibt an meiner Brosche hängen: eine kleine Deutschland- und eine Bayernflagge, die sich an ihren Fahnenstangen umschlingen. Ich habe sie extra kurz zuvor noch im Zeitungsladen am Münchner Hauptbahnhof gekauft, weil ich mir...

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