"Ich war wie im Tunnel": "Let's Dance"-Sieger Ingolf Lück bei "Llambis Tanzduell"

Rupert Sommer

Extremer Härtetest am Ende der Welt: Für die dritte Folge der originellen RTL-Reihe "Llambis Tanzduell" schickte der strenge "Let's Dance"-Chefjuror Joachim Llambi mit Ingolf Lück und Handball-Star Pascal Hens erstmalig zwei "Dancing Stars" ins Rennen. Und zwar zu Maori-Kriegern nach Neuseeland.

Es sind Rituale, wie man sie aus den Rugby-Länderspielen gegen die gefürchtete "All Blacks"-Nationalmannschaft der Neuseeländer kennt. Um ihrer Gegner bis ins Mark zu erschüttern, rollen die wüst ganzkörpertätowierten Muskelmänner mit ihren Augen, schneiden scheußliche Grimassen und strecken ihre Zungen weiter raus, als das "Kiss"-Frontman Gene Simmons üblicherweise tut. Ein traditioneller "Haka"-Stammestanz der Maori-Krieger verfehlt seine Wirkung selten. Und ihn einzuüben und nachzumachen, ist wirklich kein Zuckerschlecken.

Das bekamen in der dritten neuen Folge der Sonntagabend-Reihe "Llambis Tanzduell" zwei Männer bis auf die Knochen zu spüren, die eigentlich so schnell nichts aus der Ruhe bringen sollte: der über zwei Meter große Handball-Weltmeister Pascal Hens und der Schauspieler, Komiker und TV-Moderator Ingolf Lück. Was sie vereint: Beide hatten schon mal den "Let's Dance"-Wettbewerb unter den strengen Augen von Zeremonienmeister Joachim Llambi gewonnen - Lück im Jahr 2018, Hens im vergangenen Jahr.

Und so trafen für die erste "Dancing Stars"-Ausgabe des neuen Tanzschul-Wettbewerbs zwei Matadore aufeinander, die zurecht großen Respekt voreinander hatten. "Er hat das Wettkampf-Gen in sich", sagt Ingolf Lück, als ihm sein baumlanger Gegner vorgestellt wurde. "Schon heavy."

Haka fordert nicht den Körper - sondern die Seele

Weil routinierte Sieger ordentlich gefordert gehören, hatte sich Llambi für die Duellanten der dritten Folge eine besonders taffe Prüfung ausgedacht, die mit einem schier endlosen Flug ans andere Ende des Planeten begann. Im fernen Neuseeland sollten sich Ingolf Lück und Pascal Hens von einem grimmig blickenden Maori-Stammeshäuptling Hone Mihaka in nur drei Tagen in die spirituellen Geheimnisse eines Haka einweisen lassen. Haka ist ein Tanz, der nicht nur physisch fordert, sondern auch nach der kompletten Kämpferseele packt.

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Schon die erste Begrüßung durch durchtrainierte, über und über mit den typischen Tribal-Tattoos verzierten jungen Männer, jagte dem Handball-Star Hens, den sonst wenig erschüttert, einen gehörigen Schreck ein. "Ich habe voll Schiss bekommen." Und die Warnung von Chief Hone war nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. "Es wird ziemlich intensiv werden." Haka ist eben kein Sport und schon gar nicht lediglich eine kreative Rhythmusübung. Der Kämpfer-Tanz, mit dem Gegner verjagt und die Gemeinschaft gestärkt werden soll, fordert 100-prozentige Hingabe. Verbunden mit Schmerz.

20 Liegestützen zur Strafe - für alle

Und so zeigte sich rasch, wer tatsächlich bereit war, ein gutes Stück westlicher Alltagsroutine - und die oft so weit verbreitete ironisch-touristische Distanz beim Blick auf wirklich "echte" Kulturen - hinter sich zu lassen. Ingolf Lück hängte sich rein. Aber nicht nur körperlich war der 62-Jährige gefordert, er musste auch hart an seiner Einstellung arbeiten. "Pascal ist hier, um zu lernen - er will verstehen", lobte Häuptling Hone den Kämpfer aus Deutschland. "Ingolf denkt zu viel - er will gewinnen."

Es war eine messerscharfe Analyse, die sich rasch bewahrheiten sollte - mit schmerzhaftem Ergebnis für die Langnase Lück, die nicht nur beim traditionellen Nasenkuss der Maori gefordert war. Vor allem beim strapaziösen Freiluft-Training des zweiten Tages, barfuß im Busch, geriet er rasch an seine (mentalen) Grenzen. Immerhin ist Haka unerbittlich. Jeder falsche Handgriff, jede Nachlässigkeit wird hart bestraft. Und die 20 Buße-Liegestütze, die eigentlich Ingolf disziplinieren sollten, absolvierte nach der "Einer für alle, alle für einen"-Devise die gesamte Trainings-Crew.

Es war genau dieses Truppen-Denken, das Ingolf Lück schnell durchdrehen ließ. "Ich will das nicht so martialisch machen", klagte er. "Ich war Kriegsdienstverweigerer." Mit dem rauen Kasernenhofton und dem Corps-Gedanken kam er schnell gar nicht mehr klar. Und das, obwohl Meister Hone sogar etwas Nachsicht zeigte. "Wir machen es ihnen so einfach wie möglich", sagte er. "Unser normales Training ist viel härter."

Ingolf Lücks Affront gegen die gesamte Clan-Familie

Lück schnappte trotzdem ein - und beging einen schweren Fehler: Er brach die Haka-Übung ab und entfernte sich plötzlich von der Truppe. Das war eine Trennung, die die Maori als Ablehnung des Kollektivs traf. "Wenn einem von euch etwas passiert, spüren wir das alle", sagte der Häuptling. "Wir sind eine Familie."

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Würde Ingolf den Weg zurück in ihre Mitte finden? Er schaffte es! Auch, weil er sich am Vorbild von Pascal Hens aufrichten konnte. "Für mich ist das nichts Ungewöhnliches", sagte der Handballer über den verschworenen Geist in der Trainingsmannschaft. "Für Ingolf ist das Neuland." Außerdem wusste der Spitzensportler, was auf dem Spiel stand: "Es ging darum, die Jungs nicht zu enttäuschen." Also hängten sich beide Deutschen doch noch mal voll rein - und zeigten den Neuseeländern, was eine "Haka"-Harke ist.

Llambi jubelt (das gibt's nicht oft): 1000 Prozent statt 100 Prozent!

Vor allem Ingolf Lück wuchs zum Finale hin über sich hinaus. Sich selbst fühlte er plötzlich "wie im Tunnel". Er grimassierte nicht mehr. Plötzlich war die Emotion, die er beim Tanz ausdrückte, echt - und überzeugend. So war dann auch der sonst gerne mal etwas spöttische Tanzrichter Joachim Llambi komplett baff: "Ihr habt nicht 100 Prozent, sondern 1000 Prozent Einsatz gezeigt", bejubelte er seine Schützlinge. Und selbst Häuptling Hone war sehr zufrieden mit den Gästen aus Deutschland.

Letztlich noch ein Quäntchen besser als Ingolf Lück schlug sich sowohl in der Llambi- als auch in der Maori-Wertung Pascal Hens. Aber der gemeinsamen Team-Freude tat das keinen Abbruch. "Auf der Reise des Lebens gibt es keine Gewinner oder Verlierer", sagte der Häuptling in seinem Schlusswort. Schon wieder was gelernt. Tolle Sendung!

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