"Es war die falsche Rede zur falschen Zeit"

Mit deutlichen Worten hat der US-Präsident in seiner ersten Rede vor den Vereinten Nationen Staaten wie Nordkorea, Iran und Venezuela angegriffen. Die Staatschefs anderer Länder reagieren mit Fassungslosigkeit.


In einer markigen Rede hat US-Präsident Donald Trump vor den Vereinten Nationen mehr Nationalismus und gemeinsame Reaktionen auf Bedrohungen aus Nordkorea gefordert. Es sei bereits seit langem nötig, Machthaber Kim Jong Un in die Schranken zu weisen, sagte Trump am Dienstag, und drohte dem Land im Falle eines Angriffs mit völliger Zerstörung. Iran brandmarkte er als Schurkenstaat. Die Aussagen trafen anschließend nicht nur bei den angemahnten Ländern auf viel Kritik.




Kim sei ein „Raketenmann“, der sich „auf einer Selbstmordmission für sich und sein Regime befindet“, kritisierte Trump. Erstmals seit seiner Amtseinführung sprach Trump vor den UN, seine Rede war mit Spannung erwartet worden. Deutliche Worte teilte er auch gegen Iran aus: Es handele sich um einen abgewirtschafteten Schurkenstaat, dessen Hauptexportartikel Gewalt, Blutvergießen und Chaos seien. Das internationale Atomabkommen nannte er zum wiederholten Mal einen Fehler. Es sei eine „Peinlichkeit“ für die USA gewesen.

Lob für die Ansagen bekam Trump vor allem vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. „In meinen mehr als 30 Jahren Erfahrung mit den Vereinten Nationen habe ich noch nie eine kühnere oder mutigere Rede gehört.“ Auch in Südkorea erntete er Zuspruch. Ein Regierungsvertreter sagte, die von Trump in seiner Rede verwendete Zeit für Nordkorea zeige, wie ernsthaft Washington die Angelegenheit nehme.

Kritik kam indes von der schwedischen Außenministerin Margot Wallström. Die Rede sei nationalistisch gewesen, so etwas habe sie seit Jahren nicht vor den UN gehört. „Es war die falsche Rede zur falschen Zeit vor den falschen Zuhörern.“

Der Iran reagierte mit Empörung auf die Aussagen Trumps. Dessen Worte seien „unverschämt und ignorant“ und fern jeder Realität gewesen, zitierte die halbamtliche Nachrichtenagentur Isna Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Solche Aussagen seien „gemein und sinnlos“. Trump ignoriere damit auch die Anstrengungen des Iran im Kampf gegen den Terror.




Zu Unrecht beschimpft fühlte sich auch Venezuela. Außenminister Jorge Arreaza sagte, kein Staatenlenker dürfe die Demokratie und Souveränität des Landes infrage stellen. Drohungen von Trump würden nicht akzeptiert.

Trump hatte Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro vorgeworfen, seine einst florierende Nation an den Rand des Zusammenbruchs gebracht und gewählten Volksvertretern die Macht geraubt zu haben. Kritik bekamen auch Kuba und Syrien ab. Einige von Gewalt geplagte Teile der Welt würden „zur Hölle fahren“, so der US-Präsident.

Weiterer Schwerpunkt in Trumps Ansprache war die Bekräftigung seiner protektionistischen Wirtschaftsstrategie „America First“. Jede Nation solle in ihrem eigenen Interesse handeln, sagte Trump. Er werde die USA immer an erste Stelle stellen, genau wie andere Staats- und Regierungschefs das stets mit ihren Ländern tun sollen.

Dagegen hielt der französische Präsident Emmanuel Macron. Herausforderungen könnten nur gemeinsam bewältigt werden und nicht durch die Strategie „survival of the fittest“.