Wall Street kommt nicht vom Fleck – Amazon legt kräftig zu, Twitter bricht ein

Während sich der amerikanische Gesamtmarkt nicht groß bewegte, kam es unter Tech-Titeln am Freitag zu heftigen Bewegungen. Der höchste Quartalsgewinn der Firmengeschichte ließ die Aktien von Amazon um 3,6 Prozent in die Höhe steigen. Vor allem das Cloud-Geschäft, in dem Amazon zu den Marktführern zählt, spült immer mehr Geld in die Kassen.

Daraus ergibt sich ein Börsenwert für den Technologiekonzern von 880 Milliarden Dollar. Die Nummer eins der Welt, Apple ist 930 Milliarden Dollar schwer. Die Billionen-Bewertung hat noch kein Unternehmen geschafft.

Twitter hingegen kam unter die Räder. Die Papiere stürzten nach Bilanzvorlage ab: Mit Abschlägen von elf Prozent in den Handel gekommen, ging es weiter runter auf 15 Prozent. Der Hauptgrund: Die Zahl der monatlichen Nutzer ist im zweiten Quartal um eine Million auf 335 Millionen zurückgegangen. Twitter geht inzwischen stärker gegen Benutzerkonten vor, die Falschnachrichten verbreiten und löscht diese.

Weniger problematisch für die Aktionäre war der Gewinn: Dank steigender Werbeumsätze und einem Steuereffekt verbuchte Twitter einen Gewinn von 100 Millionen Dollar. Die Fußball-WM half, den Umsatz auf 711 Millionen Dollar zu schrauben, während Analysten lediglich 696 Millionen erwartet hatten.


Der Gesamtmarkt selbst dümpelte vor sich hin. Der Dow Jones pendelte nah um sein Vortagsniveau, zuletzt lief er mit 25.538 Punkten wenige Zähler fester. Der breitere S & P 500 gab 0,1 Prozent nach auf 2961 Punkte. Der Leitindex der Technologiebörse Nasdaq fiel von soliden Auftaktaufschlägen ins Minus, mit 7389 Punkten notierte er 0,2 Prozent leichter. In Europa hingegen war das Marktumfeld positiver. Der Dax bestätigte Wochen- und Monatstrend und legt ein halbes Prozent zu.

Wirtschaftsmotor auf Touren

Scheinbar hatten die Börsianer mit mehr Schwung von Konjunkturseite aus erwartet: Die Wirtschaft der USA ist im zweiten Quartal kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt expandierte mit einer aufs Jahr hochgerechneten Rate von 4,1 Prozent, wie das Handelsministerium am Freitag berichtete. Doch Experten hatten mit 4,4 Prozent etwas mehr erwartet.

Durch Steuersenkungen angetriebene Konsumausgaben trugen zum Wachstum bei, ebenso Exporteure, die ihre Produkte ausliefern wollten, bevor andere Länder Vergeltungszölle verhängten. Es war das kräftigste Wachstum seit der im dritten Quartal 2014 verzeichneten Jahresrate von 4,9 Prozent. Ökonomen erwarten, dass die Wirtschaft nicht das Wachstumstempo des zweiten Quartals beibehalten wird, da vorübergehende Faktoren dazu beitrugen.

Die heutigen Quartalszahlen

Der weltgrößte börsennotierte Ölkonzern Exxon Mobile profitiert vom Preisanstieg bei dem wichtigen Rohstoff. Der Gewinn stieg im zweiten Quartal um 18 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar. Die Produktion ging indes um sieben Prozent auf 3,6 Millionen Barrel zurück. Im Dow gaben die Papiere drei Prozent nach.

Der weltgrößte Zahnpasta-Hersteller Colgate-Palmolive hat wegen rückläufiger Erlöse in Lateinamerika seinen Umsatz nicht so sehr gesteigert, wie von Analysten erwartet. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 1,6 Prozent auf 3,89 Milliarden Dollar. Experten hatten mit 3,92 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn legte um ein Fünftel auf 637 Millionen Dollar zu. Colgate-Aktien verloren anderthalb Prozent.

Höhere Forschungs- und Entwicklungskosten lasten auf dem Gewinn des Pharmakonzerns Merck. Der Nettogewinn fiel im zweiten Quartal um 12,3 Prozent auf 1,71 Milliarden Dollar. Der Umsatz mit dem Blockbuster-Krebsmedikament Keytruda stieg um 89,2 Prozent auf 1,67 Milliarden Dollar. Die Papiere gaben 0,6 Prozent nach auf 63,64 Dollar.