Die Wahrheit über das Kocak-Aus in Hannover

Christopher Mallmann
·Lesedauer: 3 Min.
Die Wahrheit über das Kocak-Aus in Hannover
Die Wahrheit über das Kocak-Aus in Hannover

Nach langem Hin und Her ging es am Ende ganz schnell: Kenan Kocak wird in der kommenden Saison nicht mehr Trainer von Hannover 96 sein.

Darauf einigten sich Präsident Martin Kind und der 40-Jährige in beidseitigem Einvernehmen. Der bis zum Sommer 2023 laufende Vertrag wird offiziell aufgelöst.

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Was am Mittwoch so leicht und versöhnlich erschien, hat allerdings eine längere Vorgeschichte. Warum scheiterte auch Kocak, der als großer Hoffnungsträger galt, in Hannover?

Nach Informationen von SPORT1 war es Kocak selbst, der die Trennung anstrebte. Bereits vor sieben Wochen hatte er für sich beschlossen, die Niedersachsen zum Saisonende zu verlassen. Grund war seine Unzufriedenheit mit der Kaderplanung im Sommer 2020.

So hatte sich der Deutsch-Türke eine lange Liste von Spielern gewünscht, kein einziger fand seinen Weg nach Hannover. Spieler, die Kocak hingegen nicht wollte, wurden vom Verein verpflichtet. (Tabelle der 2. Bundesliga)

Arslan war Wunschspieler von Kocak

Wie SPORT1 erfuhr, war Tolgay Arslan der absolute Wunschspieler von Kocak. Der ehemalige HSV-Star, der im Sommer ablösefrei zu haben gewesen wäre, wechselte aber nicht nach Hannover, sondern zu Udinese Calcio in die Serie A.

Sportdirektor Gerhard Zuber, der zuvor als Sportlicher Leiter tätig war, ist seit Januar 2020 hauptverantwortlich für die Transferplanung des Klubs. Kind kontrolliert derweil jede finanzielle Bewegung.

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Ebenso verantwortlich zeichnete Zuber für das Trainingslager des vergangenen Sommers, als Hannover im österreichischen Stegersbach zu Gast war und der gesamte Aufenthalt gänzlich schiefging. "Der Platz ist in einem sehr schlechten Zustand", hatte Kocak damals gesagt. "Da sind zu viele Löcher drin."

Die Konsequenz: Hannover musste ins 20 Minuten entfernte Bad Waltersdor umziehen, was bei zwei Einheiten pro Tag "80 Minuten im Bus" mache, führte Kocak weiter aus.

Kind und Zuber im Zwist

Was wie eine Kleinigkeit klingt, ist ein weiteres Puzzleteil einer verkorksten Kommunikation innerhalb des Klubs - schon im Sommer 2020. Diese verschlechterte sich zunehmend.

Nach SPORT1-Informationen wechselten Kind und Zuber zwischen Januar und April kein einziges Wort. So soll der Präsident in internen Kreisen gesagt haben, dass er an seinem Sportdirektor zweifle.

Um Entscheidungen absegnen zu lassen, musste Zuber sich an den Kaufmännischen Leiter Frank Baumgarte wenden.

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Natürlich bekam auch Kocak davon Wind, fühlte sich zunehmend unwohler. Hinzu kam die Sieglos-Serie von acht Spielen vom 21. bis 29. Spieltag. Dabei wuchsen nicht nur die Zweifel von Kocak am Erfolg der Mission, sondern auch jene von Kind. (Spielplan und Ergebnisse der 2. Bundesliga)

Vom ursprünglichen Ziel Aufstieg, das indes nur Kind vorgegeben hatte, hatte sich Hannover weit entfernt, die Führungsriege um Kind, Zuber und Kocak passte nicht mehr zusammen. So sah auch Kind sich gezwungen zu handeln - und dem Wunsch von Kocak zu entsprechen.

Die 2:4-Niederlage beim SV Sandhausen bestätigte Kind und Kocak dann nur noch in einer Sache, die schon lange klar war: Beide Seiten wollten die Trennung.

Kind spielte auf Zeit

Bis zuletzt spielte Kind nach SPORT1-Informationen aber auf Zeit. Hätte der 77-Jährige seinen Trainer schon am Mittwoch entlassen, statt die Vertragsauflösung zum Saisonende zu bewirken, hätte die Summe der Abfindung bei 900.000 Euro gelegen.

Das wollte Kind mit aller Macht verhindern - ebenso, dass eine Schlammschlacht entsteht.

So wartete Kind auf eine Einigung, die am Mittwoch schließlich vollzogen wurde.