Wahltriumph der 'Kneipenkönigin' setzt Sánchez in Spanien unter Druck

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MADRID (dpa-AFX) - Ein eindrucksvoller Triumph der Konservativen bei der Regionalwahl in Madrid setzt die linke Zentralregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez in Spanien mächtig unter Druck. Die regionale Regierungschefin und Spitzenkandidatin der Volkspartei (PP), Isabel Díaz Ayuso, errang bei der vorgezogenen Wahl 65 der insgesamt 136 Sitze - womit sie ihr Ergebnis von 2019 mehr als verdoppelte. Sánchez, den Ayuso zum eigentlichen Gegner erklärt hatte, erlitt am Dienstag mit seiner Partei (PSOE) Schiffbruch: Die PSOE verlor gleich 13 ihrer bisher 37 Sitze. "Ayuso schlägt Sánchez K.O.", titelte die Renommierzeitung "El Mundo" in der Onlineausgabe.

Die 42-jährige gelernte Journalistin, die sich in der Corona-Krise mit ihren laschen Einschränkungen als Hauptrivalin von Sánchez und dessen strengen Regeln zur Eindämmung der Pandemie profiliert hatte, attackierte in ihrer Siegesrede dann auch hemmungslos den Chef der Zentralregierung. "Die Freiheit hat heute gewonnen" und "Spanien ist etwas anderes, Herr Sánchez", rief sie sichtlich bewegt vor Hunderten jubelnden Anhängern, die spanische Fahnen schwenkten und "Freiheit!, Freiheit!" skandierten. In Spanien beginne "ein neues Kapitel", die Tage von Sánchez seien gezählt. PP-Chef Pablo Casado bezeichnete den Triumph Ayusos als "Misstrauensvotum gegen Sánchez".

Trotz deutlich höherer Infektions- und Todeszahlen als in den meisten anderen Regionen Spaniens hatte Ayuso in den vergangenen Monaten Cafés und Kneipen offengehalten. Den Anordnungen und Empfehlungen der Zentralregierung folgte sie nur widerwillig oder überhaupt nicht. Madrid wurde als "Partyhauptstadt Europas" bezeichnet, und Ayuso avancierte zur "Kneipenkönigin", wie der staatliche Fernsehsender RTVE sie taufte. Kneipenwirte in Madrid nennen Ayuso schon mal eine "Santa", eine Heilige also, die sie vor dem Ruin bewahrt habe.