Wahlkampf in Italien: Schwere Diskriminierung ist kein Thema

Wahlkampf in Italien: Schwere Diskriminierung ist kein Thema

Khaby Lame hat sie dank seiner Popularität bei tik tok bekommen: die italienische Staatsbürgerschaft. Aber eine "echte" Staatsbürgerschaft wie für diejenigen, die in Italien geboren wurden oder seit ihrer Kindheit dort leben, bleibt eine Fata Morgana.

Das Staatsbürgerschaftgesetz in Italien kennt im Grunde zwei Fälle: " ius sanguinis" ist das automatische Recht auf die Staatsbürgerschaft, für die, die im Land geboren wurden. Das Recht auf die Staatsbürgerschaft "ius scholae" haben diejenigen, die vor dem 12. Lebensjahr nach Italien gekommen sind und fünf  Schuljahre abgeschlossen haben.

Die Staatsbürgerschaft kann aber auch für besondere Verdienste anerkannt werden, so wie im Fall von Khaby Lame.

Trotz Versprechungen, gibt es immer noch keine Gesetzesänderung, die die Linken in Italien fordern. Stattdessen ist jetzt erst mal Wahlkampf - und in diesem findet das Thema kaum Platz. Dabei werden mindestens eine Million Menschen im Land schwer diskriminiert.

Zu den wenigen, die darüber sprechen, gehört die Schriftstellerin und Journalistin Marilena Delli Umuhuoza - jede Woche auf Radio Radicale zusammen mit Andrea Billau.

Die Staatsbürgerschaft ist ein Recht, deshalb ist es absurd, dass das derzeitige Staatsbürgerschaftsgesetz, ius sanguinis, auf der Reinheit des Blutes beruht.

"Wir haben die ehemalige Integrationsministerin Cecil Kyenge interviewt, sie war der erste Gast, gefolgt von Stella Jean, einer außergewöhnlichen italienisch-haitianischen Modedesignerin, die auch auf der Mailänder Modewoche vertreten sein wird, wir hatten die erste afro-abstammende Malerin, Veggetti, zu Gast, und dann hatten wir auch noch Igiaba Scego, eine sehr prominente Autorin", zählt die Journalistin auf.

Und Schauspieler, Musiker, Sportler - alles Bürger:innen ohne Staatsbürgerschaft, aber herausragend in ihren Bereichen. "In Italien muss man sich um jeden Preis auszeichnen, um die Staatsbürgerschaft zu verdienen", so Marilena Delli Umuhuoza.

"Die Staatsbürgerschaft ist ein Recht, deshalb ist es absurd, dass das derzeitige Staatsbürgerschaftsgesetz, ius sanguinis, auf der Reinheit des Blutes beruht. Wegen dieses Gesetzes werden fast eine Million junger Menschen diskriminiert, und ihnen wird das gleiche Wahlrecht verweigert.”

Ibrahim hat 2 weiße Mitarbeiter eingestellt, danach lief es in der Pizzaria

Einer der Neu-Italiener ist Ibrahim Songne. Er wurde in Burkina Faso geboren und seine Pizza gehört zu den 50 besten der Welt. Doch auch für ihn war der Weg steinig.

"Am Anfang wollten die Leute nicht reinkommen, sie gingen am Laden vorbei, wenn sie sahen, dass ich hier arbeitete. Ich habe dann zwei weiße Mitarbeiter eingestellt und war zu den Stoßzeiten absichtlich nicht da. Das war ein unglaublicher Umschwung, es war voll, die Leute standen sogar Schlange vor der Tür", berichtet Ibrahim Songne.

Während Ibrahim auf das Staatsbürgerschaftsgesetz wartet, hilft er dabei, die vielen Vorurteile abzubauen. Er sagt: "Italiener zu sein, bedeutet nicht unbedingt, weiß zu sein, man kann schwarz und italienisch sein. Ich bin schwarz, aber ich fühle mich italienisch."

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