Wahlkampf: Bereitet Karl-Theodor zu Guttenberg sein Comeback vor?

Von seinen Fans wird er wie ein Messias empfangen.

An einem Abend Ende August schreitet ein Mann durch eine leere Gasse mit Kirmesbuden. Vorbei an einem mit einer Plane verhängten Kinderkarussell. Der Luftballon-Schießstand leuchtet schwach, er wird erst aufgebaut. Am Ende der Gasse steht ein Bierzelt, es ist nicht ganz voll, 150 Leute vielleicht. Die Blasmusik spielt. Der Mann bleibt kurz vor dem Zelt stehen, er schüttelt ein paar Hände und geht dann hinein. Ein paar Leute klatschen.

An einem anderen Abend Ende August steigt an einem anderen Ort hinter einer riesigen Parkplatz-Baustelle ein anderer Mann aus einem VW-Bus mit dunkel getönten Scheiben. Ein Pulk von Kameras erwartet ihn. Ein überdachter Zugang führt zu einer modernen Stadthalle. Der Saal ist heiß und voll, mehr als 1000 Leute stehen darin. Eine Stunde haben manche von ihnen zuvor schon auf den Einlass gewartet. An den Wänden hängen blaue und weiße Luftballons. An der Decke baumelt eine Diskokugel. Als der Mann den Saal betritt, brandet Jubel auf. Das wird den ganzen Abend über so bleiben.

Guttenberg ging in die USA

Der Mann aus der Kirmesgasse ist Minister, seit langem arbeitet er an seiner Karriere. Er ist weit gekommen, er will aber nach ganz oben. Ministerpräsident von Bayern will er werden, der Markus Söder, der da in einem Bierzelt in seiner Heimatstadt Nürnberg den örtlichen Bundestagskandidaten unterstützt.

Der Mann aus der Stadthalle war Minister. Er ist schnell und scheinbar mühelos nach oben gestiegen mit einer Melange aus Eloquenz, Charme und Adelstitel. Er hat Fehler gemacht: Seine Doktorarbeit abgeschrieben und das dann erstmal verteidigt. Er musste gehen, es war ein tiefer Fall. Seither lebt er in den USA. Karl-Theodor zu Guttenberg, ehemaliger Verteidigungsminister, ist für den Bundestagswahlkampf zurückgekommen. Mehrere Auftritte sind geplant, den Anfang macht er im oberfränkischen Kulmbach, seinem ehemaligen Wahlkreis, nicht weit entfernt vom Stammsitz seiner Familie, der Burg Guttenberg.

Es ist Wahlkampf, aber bei der CSU geht es immer auch um das interne Machtgefüge. Und in diesem Fall geht es um ziemlich viel: Um die Frage, wir die neue Nummer 1 der CSU wird. Bayerns starker Mann, Ministerpräsident Horst Seehofer, ist 68, er wird irgendwann abtreten. Der Kampf um seine Nachfolge schwelt, der strebsame, rabiate Söder gehört nicht zu Seehofers Favoriten. Er hat den 50-jährigen als egoistischen „Ichling“ eingestuft. Über Guttenberg – fünf Jahre jünger als Söder – hat Seehofer gesagt, er wolle ihn „Schritt für Schritt wieder einordnen“ in der CSU. Das lässt zumindest Raum für Spekulationen. Aber gibt es überhaupt einen Weg zurück?

„Unbegreifliche Fehler“

Wenn man so etwas plant, ist es auf jeden Fall eine gute Idee einen Testlauf zu unternehmen: Wie kommt man an? Unverbindlich, ohne Zusagen. So dass die Gegner im Unklaren bleiben. So dass jederzeit ein Rückzug möglich ist, ohne wieder als gescheitert zu gelten. „Vorerst gescheitert“, so war der Titel eines buchlangen Interviews, mit dem Guttenberg 2011 wenige Monate nach seinem Rücktritt seine Sicht der Dinge erklärte: Er sprach von „unbegreiflichen Fehlern“, warf sich selbst Hochmut, fehlende Selbstreflexion und „ein gerüttelt Maß an Eitelkeit“ vor. Die Bußfertigkeit war verbunden mit einem gerüttelt Maß an Selbstbewusstsein: Er bescheinigte sich, mit dem Rücktritt „die härtesten persönlichen Konsequenzen gezogen“ zu haben. Er warf seinen Kritikern vor, sie hätten ihn „geschlachtet“. Und er ließ explizit seine Rückkehr in die Politik offen: „Eines ist den Jägern nicht gelungen: Mich endgültig zur Strecke zu bringen.“

Sechs Jahre später federt Guttenberg in Kulmbach auf die...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung