Wahlen in Virginia: Transfrau setzt sich gegen "obersten Homophoben" durch

Bei den Wahlen im US-Bundesstaat Virginia sorgte Danica Roem für eine Sensation: Nicht nur setzte sie sich in dem überwiegend konservativen Staat als junge Demokratin gegen einen alten Republikaner durch – sie ist auch die erste Transfrau, die in ein Landesparlament gewählt wurde.

Die Wahlen in den US-Bundesstaaten New Jersey und Virginia gelten als Gradmesser, wie sich die Stimmung in den USA unter Präsident Donald Trump entwickelt hat. Würden die Republikaner noch weiter in der Gunst der Wähler zulegen? Oder würden die Demokraten nach der herben Niederlage von Hillary Clinton vergangenen November wieder Fahrtwind aufnehmen?

Symbolträchtiger Sieg der Demokraten

Nun steht fest: Die Demokraten konnten gleich beide Wahlen deutlich für sich entscheiden. Ganz besonders eine Politikerin verdeutlicht, dass es derzeit einen Stimmungsumschwung in der Bevölkerung gibt. Die 33 Jahre alte Demokratin Danica Roem besiegte im 13. Distrikt von Virginia den 73-jährigen Bob Marshall. Der Republikaner war zum ersten Mal in 26 Jahren nicht wiedergewählt worden.

Mit Danica Roem schaffte es zum ersten Mal eine Transfrau in ein US-Landesparlament (Bild: AP Photo)

Doch viel interessanter ist ein anderes Detail: Danica Roem ist eine Transfrau. Und Bob Marshall einer der schärfsten LGBTQ-Gegner (LGBTQ: Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Queere) in den gesamten USA.

Marshall, der sich selbst als den “obersten Homophoben” (“chief homophobe”) im gesamten Staate Virginia bezeichnet, führt seit Jahren einen Feldzug gegen alle Bemühungen, homosexuelle Partnerschaften und transsexuelle Lebensentwürfe rechtlich wie gesellschaftlich anzuerkennen.

Bob Marshall sorgte mit diversen Aussagen über Homosexuelle für Skandale (Bild: AP Photo)

Unter anderem sagte Marshall einmal, er habe Bedenken, im Notfall eine Bluttransfusion anzunehmen, wenn er wüsste, dass sein Spender “vierzehnmal Sodomie betrieben habe”. Zudem gehörte er zu den treibenden Kräften hinter den Gesetzesänderungen, mit denen Transgendern die freie Wahl bei der Toilettennutzung verwehrt werden soll.

Auch im Wahlkampf brachte er seine Ablehnung gegenüber Homosexuellen immer wieder zum Ausdruck. Roem sprach er immer wieder als “er” an, direkten Debatten mit seiner Gegnerin verweigerte er sich dagegen.

Sachthemen statt Ideologie

Roem bestritt ihre Kampagne dagegen kaum mit LGBTQ-Themen. Vielmehr setzte sie auf alltägliche Sachthemen, die Marshall ihrer Ansicht während seiner ideologischen Kreuzzüge vernachlässigt habe: Arbeitsplätze, das Bildungssystem und die Infrastruktur im Norden von Virginia.

Insbesondere machte sie sich für Verbesserungen im Straßenverkehr stark: “Wenn man auf der Route 28 pendelt, ist der Verkehr schrecklich”, sagte sie “Noisey”. “Er war schon vor 25 Jahren schrecklich, als der Abgeordnete Marshall das Amt übernahm, und er ist immer noch schrecklich. Und wissen Sie was? schrecklichen Verkehr kümmert es nicht, ob man Trans ist, welche Hautfarbe man hat oder sonst irgendwas. Es ist einfach Verkehr.”

Bei den Wählern konnte Roem mit diesem Ansatz offenbar punkten: Mit 55 zu 45 Prozent schlug sie Marshall deutlich. Trotz der Attacken ihres Gegners ist Nachtreten nicht ihre Art: “Ich greife die Menschen nicht an, die ich vertrete. Und dazu zählt nun auch Bob”, sagte sie nach der Wahl.

Transfrau, Mutter und Metalsängerin

Danica Roem outete sich 2013 als Transgender, ein Jahr zuvor hatte sie mit der Umwandlung begonnen. Die frühere Journalistin zieht als Stiefmutter ein Kind groß. In ihrer Freizeit geht sie darüber hinaus einem für Politiker recht ungewöhnlichem Hobby nach: Sie ist Sängerin in einer Metalband!

Die Thrash-Metal-Formation nennt sich Cab Ride Home und spielt in der Gegend um die Stadt Manassas unregelmäßig in Pubs und Kneipen. Über den Status als lokale Berühmtheit hat es die Band bisher jedoch nicht hinausgeschafft. Das könnte sich mit dem weltweiten Interesse an der ersten Transfrau in einem US-Landesparlament aber schon bald ändern – auch wenn sie für die Musik nun weniger Zeit haben dürfte.