Wahl in Großbritannien: Die Tories

Als eine der großen alten Parteien der britischen Politik sind die Konservativen seit Jahren tief gespalten. Der Hauptgrund für diesen internen Bruch bei den Tories: Europa.

Viele Konservative, insbesondere die in ländlichen und sozial schwachen Regionen, sehen die britische Lebensweise durch die Europäische Union beeinträchtigt - die EU fördere Einwanderung, diktiere unerwünschte Vorschriften. Fast genauso lange wie Großbritannien in der EU ist, hardern die Tories mit ihrer Mitgliedschaft in dem Staatenbündnis.

2016 konnte der damalige Premier David Cameron den EU-Skeptikern in der eigenen Partei nicht mehr genug Zugeständnisse machen und ließ ein Volksenscheid über den Verbleib in der EU zu - mit bekanntem Ausgang. Seit dieser Abstimmung 2016 ist es die Aufgabe der Konservativen, den Brexit zu verwirklichen.

Zuerst versuchte es Theresa May - mit einem sanften und diplomatischen Ansatz. Ihr ausgehandelter Brexit-Deal ging nicht durch das Parlament und sie musste ihren Posten als Premierministerin 2018 wieder räumen.

Ihr Nachfolger Boris Johnson lenkt die Partei jetzt weiter nach rechts und einem harten Brexit entgegen. Daraus ergibt sich ein weiteres Problem, es betrifft die Zukunft Großbritannien selbst.

Viele Schotten wollen die Unabhängigkeit und in der EU bleiben. Und dann ist da noch Nordirland. Die Konservativen und Unionisten wie Arlene Foster von der DUP werden es mit einer durchlässigen EU-Außengrenze immer schwerer haben, das Königreich aufrechtzuerhalten.

Als Partei des freien Unternehmertums, der niedrigen Steuern und der Vermögensbildung haben die Tories jahrelange Sparpolitik und Wirtschaftswachstum vorangetrieben. Das öffentliche Gesundheitssystem hätten sie dabei kaputtgespart und die Arbeiterklasse und Rentner ignoriert, so die Gegner der Konservativen. "Austerity Fatigue", Sparmüdigkeit, ist ein neues Schlagwort bei den Briten.

Früher hieß es mal, dass der Brite seine Wahlenscheidung nach dem Geldbeutel fällt, in Zeiten von Brexit und Populismus ist darauf aber - wie wir wissen - nicht mehr Verlaß.