WAHL/ANALYSE: Für Sal. Oppenheim ist die Gewinndynamik der Firmen entscheidend

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die anstehende Bundestagswahl ist aus Sicht des Bankhauses Sal. Oppenheim zumindest kurzfristig "kein Aufreger" an den Finanzmärkten. "Der solide Vorsprung der CDU in den Umfragen, die Ähnlichkeit der politischen Linie der beiden großen Parteien sowie die Tatsache, dass von den Bundestagswahlen - im Gegensatz zu den Wahlen in Frankreich - keine ernsthaften Zäsurrisiken ausgehen, sprechen sowohl gegen eine starke Reaktion der Börsen auf die Wahlergebnisse als auch gegen einen starken Anstieg der Nervosität unmittelbar vor der Wahl", schrieb Portfoliomanagerin Jördis Hengelbrock in einer Studie vom Dienstag.

Hengelbrock rechnet als Basisszenario mit einer CDU-dominierten Regierung. In diesem Fall erwartet sie maximal einen kleinen Kurssprung im Leitindex Dax bei einer schwarz-gelben Mehrheit.

Ein Bundeskanzler Martin Schulz mit einer rot-rot-grünen Regierung aus SPD, Grünen und Linken hingegen könnte Hengelbrock zufolge vom Aktienmarkt mit einer im Vergleich zum Basisszenario weniger wirtschaftsfreundlichen Politik, einer geringeren Haushaltsdisziplin und einer stärkeren Zahlungsbereitschaft Deutschlands mit Blick auf Transferzahlungen innerhalb der Europäischen Union assoziiert werden. Der Dax stünde dann im Spannungsfeld zwischen eher negativen Auswirkungen der Wirtschaftspolitik auf Unternehmensgewinne und positiven Effekten durch die sinkende Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs der Europäischen Währungsunion. Per Saldo könnte kurzfristig eine gewisse Skepsis überwiegen, insgesamt dürften sich die Effekte aber in Grenzen halten.

Ein deutliches Erstarken der AfD schließlich könnte zu einer kurzfristigen Abnahme der Risikobereitschaft an der Börse führen, was sich in sinkenden Kursen niederschlagen würde. Angesichts der nicht greifbaren politischen Konsequenzen sollte diese Reaktion aber nur eine sehr begrenzte Halbwertszeit haben.

Entscheidend für die Aktienmarktinvestoren wird laut Hengelbrock sein, ob die positive Gewinndynamik der Unternehmen in der Europäischen Währungsunion aufrechterhalten werden kann. Sollten sich durch den Wahlausgang beziehungsweise durch ein damit bekundetes starkes Mandat für Europa die Rahmenbedingungen für mehr Gewinnwachstum durch höhere Investitionen, eine steigende Gesamtnachfrage und größere Planungssicherheit verbessern, wäre dies positiv zu verbuchen. Somit könnte den Wahlen zumindest mittelfristig Bedeutung für die Finanzmärkte zukommen.