Wagners Kaltstart bei Bayern

Martin Volkmar

Zum Glück kennt Sandro Wagner München und den FC Bayern bestens.

Denn der Rückkehrer bekommt keine Eingewöhnungszeit - eher im Gegenteil.

Schon bei der ersten Einheit nach der Landung im Trainingslager in Katar ging es am Dienstagabend in die Vollen - was beim erschöpften Wagner sichtbare Spuren hinterließ.

"Ich habe gepumpt", gab der Neuzugang danach offen zu: "Aber das war, weil ich am Morgen noch in Südtirol bei minus vier Grad war und am Abend dann hier bei den Temperaturen. Das hat schon reingehauen."

Reingehauen hat sich auch Jerome Boateng, der Wagner wenig später mit einer rustikalen Grätsche abräumte und seine Aktion danach auf Twitter mit "Welcome back to Bayern, Sandro" und einem Smiley feierte.


"Anderes Niveau als bei anderen Bundesligisten"

Wagner wird direkt hart rangenommen, ein Kaltstart sozusagen. "Hier ist natürlich schon ein anderes Niveau als bei jeder anderen Bundesliga-Mannschaft", gibt der 30-Jährige zu.

"Das Niveau im Training ist extrem hoch, das Tempo ist extrem hoch. Man muss die ganze Zeit sehr fokussiert sein. Das ist das Schönste, was es gibt. Es bringt dich weiter, wenn du jeden Tag Vollgas geben musst."

Einiges spricht sogar dafür, dass der bisherige Hoffenheimer bereits am nächsten Wochenende sein Pflichtspieldebüt für die Bayern geben wird.

Denn der eigentlich vor ihm gesetzte Robert Lewandowski kann aufgrund von anhaltenden Patellasehnenbeschwerden in Doha nicht am Mannschaftstraining teilnehmen, so dass sein Einsatz zum Rückrundenauftakt am nächsten Freitag bei Bayer Leverkusen (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) fraglich ist.

"Es geht mir besser, aber ich mache keinen Druck," meinte Lewandowski am Freitag zur Sport Bild. "Aber ich weiß nicht, ob es mit Leverkusen klappt."


Wechsel trotz Backup-Rolle

Ohnehin wird Jupp Heynckes seinem Torjäger in der Rückrunde wie allen anderen Spielern auch immer wieder Verschnaufpausen geben, was bislang aufgrund des fehlenden Backups kaum möglich war. Einer von mehreren Gründen, warum Wagner der Wechsel nach München trotz der Rolle als Ersatzmann nicht schwer fiel.

"Ich weiß, was hier auf mich zukommt. Dass ich auch auf der Bank sitzen werde", sagte der siebenmalige Nationalstürmer. "Aber jeder wird auf seine Einsatzminuten kommen. Mein Wunschgedanke wäre natürlich, dass ich es auf den WM-Zug schaffe."


Die Chancen stehen gut, denn Heynckes will angesichts der Dreifachbelastung so wie bisher rotieren lassen. Deshalb sprach auch für Bundestrainer Joachim Löw nichts gegen einen Wechsel.

"Er hat auch gesagt, ich soll es machen", berichtete Wagner. "Für mich war es die einzig richtige Entscheidung. Es ist ein absoluter Traum, wieder zuhause, wieder bei Bayern zu sein."

Rückkehr in die Heimat

Schließlich ist er gebürtiger Münchner, spielte ab der Jugend bis 2008 insgesamt 13 Jahre beim Rekordmeister und bestritt damals noch unter Ottmar Hitzfeld seine ersten vier Bundesligaspiele. Zudem wohnen Frau und Kinder schon seit 2015 im Vorort Unterhaching, nun hat die Fernbeziehung ein Ende.

Gleichwohl hat der Bundesliga-Tabellenführer die Ablöse von rund 13 Millionen Euro rein aus sportlichen Gründen gezahlt. "Sandro hat sich klasse entwickelt, ist Nationalspieler geworden. Ich denke, dass er uns helfen kann", erklärte Heynckes, schränkte jedoch ein:

"Er kennt seine Rolle, dass vor ihm ein Weltklassespieler wie Robert Lewandowski steht. Aber natürlich kann es unter Umständen auch Situationen geben, dass beide vorne spielen müssen."


Dies hatte Heynckes bekanntlich schon in der Triple-Saison erfolgreich so gehalten, als ihm in Mario Mandzukic, Mario Gomez und Claudio Pizarro sogar drei Mittelstürmer zur Verfügung standen und alle zu ihren Einsatzzeiten kamen.

Damals schoss Gomez den FC Bayern mit einem Doppelpack im Endspiel gegen Stuttgart zum DFB-Pokalsieg, nachdem eine Woche zuvor beim 2:1 im Champions-League-Finale gegen Dortmund Mandzukic den wichtigen Führungstreffer erzielt hatte.

Entsprechend gerne dürften viele Fans die Lobeshymne von Javi Martinez auf Wagner gehört haben.

"Er erinnert mich an Mandzukic", sagte der Spanier der Sport Bild: "Er ist einer der Spieler, den du nicht als Gegner, sondern lieber in der eigenen Mannschaft haben willst. Umso besser, dass er nun unser Trikot trägt."