Wagner sticht Gomez aus - die Einzelkritik

Leroy Sané (l.) und Mario Gomez mit vereinten Kräften gegen die Brasilianer (AP Photo/Markus Schreiber)

Nach 22 Spielen ohne Niederlage hat es die deutsche Nationalmannschaft mal wieder erwischt. Im letzten echten Härtetest vor der WM gegen Brasilien unterlag die Löw-Truppe verdient mit 0:1. Die Einzelkritik.

Von Klaus Bellstedt

Trapp: Keine Spielpraxis in Paris und ja, das merkte man ihm an. Beim Gegentor erst stark, dann irgendwie tollpatschig. Einigen wir uns: Der war nicht haltbar. Gegen Paulinhos Hammer nach der Pause dagegen exzellent. Steigerte sich mit zunehmender Spieldauer. Note: 3,5

Kimmich: Eine vollkommen unauffällige, allerdings auch grundsolide Partie. Wo waren bitte seine Vorstöße? Wo sein Mut? Erst als es schon zu spät war, drehte er ein bisschen an der Schraube und pirschte sich immer weiter nach vorne. Note: 3,5

Boateng (bis 68.): Sein Spiel sah mal wieder ultra-leicht aus. Lief Bälle ab, brachte Monster-Diagonal-Pässe zum Mitspieler, aber: Sah beim 0:1 eben auch ziemlich dämlich aus. Biss sich nach einer üblen Attacke angeschlagen durch das Spiel – bis zu seiner Auswechslung. Note: 3

Rüdiger: Ließ Willian vor dem 0:1 ungehindert flanken, rückte zuvor raus, weil die Zuordnung nicht stimmte. Insofern also ein Doppelfehler, weil Rüdiger dann natürlich innen fehlte. Insgesamt zu wechselhaft und ungestüm in seinem Spiel. Note: 4

Plattenhardt: Der Ersatzmann von Jonas Hector auf der linken Seite begann mutig und brachte immer wieder gute Flanken vor das Tor. Ok, sollte man auch erwarten dürfen. Tatsächlich einer der Gewinner dieses Tests – wegen seiner Dynamik. Note: 3

Gündogan (bis 81.): Sein Ballverlust sorgte für die erste gefährliche Situation vor dem deutschen Tor. Davor und danach so zuverlässig wie eine Tennisball-Maschine. Machte insgesamt aber zu wenig nach vorne – für einen Spieler mit seinen Anlagen. Note: 4  

Kroos: Saugte die Bälle an sich, bekam sie aber nicht immer an den Mann, was allerdings mehr an seinen Mitspielern als an ihm lag. Versteckte sich dann immer mehr. Im vorderen Drittel, wo er wirken sollte, fand er kaum statt. Wirkte seltsam lustlos. Note: 4

Draxler: War er überhaupt auf dem Platz? Hat ihn jemand gesehen? Jaaaaaa, in der zweiten Halbzeit. Da brachte er einen Ball direkt aufs Tor. Eine Flanke fand Wagners Schädel. Und sein Distanzschuss in der Nachspielzeit wurde von Alisson stark pariert. Sonst wirklich ziemlich neben der Kappe. Note: 4

Goretzka (bis 61.): Komischerweise mit mehr Defensivaufgaben beschäftigt, als ihm lieb sein konnte. Das lag vor allem an Wirbelwind Marcelo. Nur ganz selten blitzte seine überragende Technik auf. Note: 4

Sané (bis 61.): Sofort in der Partie machte der City-Star auf der Position vor Plattenhardt enorm Druck. Rückte gern nach innen und ließ mit seinen irren Moves die Brasilianer reihenweise ins Leere grätschen. Im Strafraum war dann allerdings Ende im Gelände. Sané war dort viel zu verspielt. Note: 3,5

Gomez (ab 62.): Genauso on fire wie Sané, man hatte das Gefühl, dass er jemandem etwas beweisen wollte. Rannte wirklich jedem noch so aussichtslosen Ball hinterher. Leider kaum Abschlüsse. Dafür eben viel Kampf. Aber der Mann ist Stürmer. Note: 4

Brandt (ab 61.): Ein Pass mit der Brust, ein paar Dribblings, das war’s. Note: 4

Stindl (ab 61.): Hatte vielleicht zwei, aber sicher keine fünf Ballkontakte. Note: 4,5

Wagner (ab 62.): Kam für Gomez und spielte besser als Gomez. Vor allem seine Kopfballstärke beeindruckte. Alles, was er unternahm und versuchte, sah gut aus. Kleiner Punktsieg gegen Gomez. Mehr wollte er ja nicht. Note: 2,5

Süle (ab 68.): Kam für den angeschlagenen Boateng und rückte hinten ins Zentrum. Beste Szene: Seine Mega-Grätsche gegen Douglas Costa. Nicht mehr zu benoten.

Werner (ab 81.): Nicht mehr zu benoten.