Warum der Wagner-Deal für alle Seiten Sinn macht

Marcel Bohnensteffen, Martin Volkmar
Sandro Wagner könnte schon in naher Zukunft wieder für den FC Bayern spielen

Ein Fußballer mit dem Selbstverständnis eines Sandro Wagner spricht aus, was er denkt. Vor allem, was er über sich denkt.

Betrachtet man es im Nachhinein, hat der Torjäger aus Hoffenheim die Branche schon vor Monaten über seine weitere Karriereplanung aufgeklärt.

"Ich sehe mich", befand er Ende März in einem Bild-Interview, "noch immer als besten deutschen Stürmer. Das wird sich so schnell auch nicht ändern".

Worte, die Beobachter damals als Bewerbung für die Nationalmannschaft gedeutet hatten. Aber ein Spieler, der sich für den besten Angreifer Deutschlands hält, sieht sich auf Dauer natürlich auch beim besten Klub des Landes.

Wagner und der FC Bayern: Seit Donnerstag ist das die heißeste Personalie für einen Wintertransfer. Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann bestätigte, dass beide Klubs bereits über einen Deal verhandeln.

Deutet man die Zeichen richtig, dürfte der spektakuläre Deal in Kürze als perfekt gemeldet werden.

SPORT1 erklärt, warum der Transfer für alle Seiten Sinn macht.

1. Bayern hat einen günstigen Backup für Lewandowski

Und was für einen. Für überschaubare zehn Millionen Euro Ablöse würde der Rekordmeister einen gravierenden Fehler in seiner Kaderplanung ausmerzen.


Seit Jahren ist Robert Lewandowski einziger echter Mittelstürmer. Anders als alle anderen europäischen Topklubs sind die Münchner im Angriffszentrum nicht doppelt besetzt. Wozu das führt, hat die vergangene Saison gezeigt.

Lewandowski verletzte sich, fehlte in den entscheidenden Spielen in der Champions League bzw. spielte angeschlagen, Bayern flog gegen Real Madrid aus dem Wettbewerb.

Trotzdem verzichtete Carlo Ancelotti im Sommer bewusst auf einen weiteren Angreifer. Dessen Nachfolger Jupp Heynckes beklagte schon kurz nach Amtsantritt eine fehlende Alternative und warb intern eindringlich für eine Nachbesetzung im Winter.

Zuletzt war es dann Lewandowski selbst, der sich einen Backup wünschte. Wagner, in den vergangenen 40 Bundesliga-Spielen für Hoffenheim 15 mal erfolgreich, wäre eine optimale Lösung.

Bleibt die Frage: Stellt sich der 29-Jährige freiwillig hintenan?


2. Titel, WM, Familie: Wagner profitiert dreifach

Er wäre gut beraten, das zu tun. Denn noch mal bekäme Wagner so eine Chance bei seinem Traumverein gewiss nicht. Und als Lewandowskis Reservist ist man nicht per se zum Zuschauen gezwungen.

Mario Gomez zum Beispiel war in der Triple-Saison 2013 unter Heynckes lediglich Stürmer Nummer drei - hinter Mario Mandzukic und Thomas Müller. Trotzdem kam er wettbewerbsübergreifend auf 32 Einsätze - und 19 Tore. Den Namen Triple-Sieger trägt auch er verdientermaßen.

Heynckes stellte von Mal zu Mal sein System um, ließ sogar öfter mit zwei Stürmern spielen. Flexibilität, die Wagner zu Gute käme. 

Hinzu kommt: Bei Bayern träfe Wagner auf Weltklasse. Jeden Tag im Training. Ein Faktor, auf den bekanntlich Bundestrainer Joachim Löw höchsten Wert legt.


Mit einem Wechsel zu Bayern würde der Nationalspieler seine Chancen auf eine WM-Teilnahme daher sogar eher erhöhen als verringern. Auch weil Wagner im Gegensatz zu einigen DFB-Rivalen ab der Rückrunde Champions-League-Erfahrungen sammeln würde. 

Und dann ist da ja noch die heimatliche Verbundenheit nach München. "Jeder weiß, dass Sandro Kinder hat, die in Unterhaching leben, der FC Bayern sein Jugendverein ist", sagte Julian Nagelsmann am Donnerstag. Wissend, dass sich sein Spieler immer mehr nach seiner Familie sehnt.

Bislang pendelt Wagner zwischen Wohnort Heidelberg und dem Münchner Vorort. Angesprochen auf die Fahrerei sagte er vergangene Woche in einem Interview mit der tz: "Es ist zum Kotzen."

Ein Satz, der viel über seine Gemütslage aussagte.

3. Nagelsmann hält sich Hintertür offen

Dass der Deal zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt so weit fortgeschritten ist, zeigt auch die enge Verbundenheit der Vereinsspitzen.

Dietmar Hopp und Uli Hoeneß pflegen ein freundschaftliches Verhältnis zueinander. Zusammen haben sie vor der Saison das Leihgeschäft von Serge Gnabry auf den Weg gebracht.

Auch David Alaba haben die Bayern seinerzeit in Hoffenheim geparkt, um ihn für die Bundesliga zu stählen. Eine praktische Geschäftsbeziehung, die die 1899-Verantwortlichen nicht einfach aufkündigen werden.

Zumal Hopp gerne betont, wie sehr Hoffenheim darauf angewiesen sei, sich über Ablösesummen zu refinanzieren. Da sind zehn Millionen Euro keine schlechte Summe.

Julian Nagelsmann dagegen wird womöglich noch ein anderer Gedanke umtreiben. Auch dem Trainer werden ja gewisse Ambitionen und Chancen bei Bayern nachgesagt.

Sollte er im Sommer tatsächlich zum Nachfolger von Jupp Heynckes auserkoren werden, träfe er seinen Schützling Wagner schon in ein paar Monaten wieder.

Vielleicht erklärt auch das, warum Nagelsmann auffallend viel Verständnis aufbringt für Wagners Wechselwunsch.