Waffenstillstand zwischen ELN-Guerilla und Armee in Kolumbien in Kraft getreten

Nach einem halben Jahrhundert des bewaffneten Kampfs ist am Sonntag ein Waffenstillstand zwischen der kolumbianischen Armee und der letzten aktiven Guerilla-Gruppe ELN in Kraft getreten

Nach einem halben Jahrhundert des bewaffneten Kampfs ist am Sonntag ein Waffenstillstand zwischen der kolumbianischen Armee und der letzten aktiven Guerillaorganisation ELN in Kraft getreten. Die Rebellen würden sich ab sofort vollständig an die Waffenruhe halten, erklärte die Gruppe um kurz nach Mitternacht Ortszeit. Auch die Armee hat Anweisung, sämtliche Kampfhandlungen einzustellen. Die Waffenruhe ist zunächst bis zum 9. Januar befristet.

Das Nationale Befreiungsheer (ELN) kämpfte seit 1964 gegen die Regierung in Bogotá. Inspiriert von der kubanischen Revolution 1959 setzte sich die Guerilla unter anderem für Bauernrechte ein. Heute zählt die Organisation amtlichen Angaben zufolge noch etwa 1500 Kämpfer. Unterhändler beider Seiten führen seit Februar Friedensgespräche. Eine vierte Gesprächsrunde ist für den 23. Oktober in Quito, der Hauptstadt des Nachbarlands Ecuador, angesetzt.

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos äußerte die Hoffnung, dass der Waffenstillstand der "erste Schritt" zu einem dauerhaften Frieden sein werde. Wenige Stunden vor Inkrafttreten des Waffenruhe teilten die Streitkräfte mit, bei einem Militäreinsatz im Nordosten des Landes einen ELN-Kommandeur getötet zu haben.

Zuvor hatten ELN-Kämpfer wiederholt Einsatzkräfte und eine große Ölpipeline angegriffen. Ein Soldat wurde getötet, Flüsse in der Nähe der Grenze zu Venezuela wiesen Ölverschmutzungen auf.

Die Bundesregierung begrüßte zusammen mit Italien, den Niederlanden, Schweden und der Schweiz die Einigung auf die Waffenruhe. Die Staaten bilden eine Fünf-Länder-Gruppe zur Begleitung und Unterstützung der Friedensverhandlungen. "Wir erwarten, dass der Waffenstillstand insbesondere die humanitäre Situation der Zivilbevölkerung verbessern wird", erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Sonntag in Berlin.

Im November 2016 hatte Bogotá bereits ein historisches Friedensabkommen mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc), der größten Rebellengruppe des Landes, geschlossen. Die UNO erklärte die Entwaffnung der Farc Ende Juni für abgeschlossen.

Bei Kämpfen zwischen der Armee, linksgerichteten Guerillagruppen wie Farc und ELN sowie rechten Paramilitärs wurden seit 1964 mehr als 260.000 Menschen getötet. Etwa sieben Millionen Menschen flohen vor der Gewalt, mehr als 60.000 werden vermisst.