Waffenruhe verlängert: Im Jemen wird bis Oktober nicht mehr geschossen

Bis Oktober soll im Jemen nicht mehr geschossen werden. So steht es in der Vereinbarung der Bürgerkriegsparteien, die sich in letzter Minute doch noch auf eine Verlängerung der Waffenruhe einigen konnten.

Die internationale Staatengemeinschaft hatte im Vorfeld Druck gemacht, um einen dauerhaften und weitreichenderen Waffenstillstand zu erzielen, doch die Beziehungen zwischen anerkannter Regierung und Huthi-Rebellen sind derart zerrüttet, dass dies nicht erreicht werden konnte. Die Gespräche fanden unter Ägide des Sultanats Oman und der Vereinten Nationen statt. Der UN-Sonderbeauftragte für den Jemen, Hans Grundberg, forderte die Konfliktparteien auf, den "Weg zu einem nachhaltigen Frieden" zu finden.

Bislang 150.000 Tote

Im Jemen wird seit 2014 gekämpft. Ergebnis: 150.000 Tote und 19 Millionen hungernde Menschen - eine humanitäre Katastrophe.

Warum gibt es immer noch keinen Frieden? Das liegt auch daran, dass sich der Konflikt in einen Stellvertreterkrieg gewandelt hat. 2015 griff Saudi-Arabien auf Seiten der Regierung in den Krieg ein. Die Rebellen werden vom Iran unterstützt.

Laut Angaben des Yemen Data Projects wurden in den vergangenen Jahren etwa 9000 Zivilisten bei Bombardements der saudisch geführten Koalition getötet.

Zwischen 2016 bis April 2022 hatte es keine Feuerpause gegeben, der Konflikt überschritt teilweise auch Staatsgrenzen. So griffen die Huthi-Rebellen mit Raketen und Drohnen Ziele innerhalb Saudi-Arabiens an, beispielsweise Ölförderanlagen.

Mit der ersten Waffenstillstandsvereinbarung konnte die Gewalt zwar nicht völlig gestoppt werden, allerdings ging die Zahl der getöteten Zivilisten seit April zurück. Aber immer noch sterben Menschen im Jemen, viele von Ihnen auch durch Landminen. Von April bis Juli sind 300 Tote zu beklagen, die Waffenruhe wurde 1700 Mal verletzt - so die Bilanz des Analyseprojekts ACLED.

Waffenruhe 1700 Mal gebrochen

Hilfsorganisationen begrüßten die jetzt um zwei Monate verlängerte Waffenruhe: Die Konfliktparteien sollten den Menschen nun erlauben, ihr Leben "wieder herzustellen und aufzubauen".

Wie könnte es gelingen, Schritt für Schritt Vertrauen zu schaffen, mittel- und langfristig auf einen dauerhaften Frieden hinzuarbeiten? Bei der UNO gibt es da so einige Ideen und Vorschläge, das reicht von der Öffnung wichtiger Transportwege, einer Teilung der Zoll- und Hafengebühren von Hudaida bis hin zur Auszahlung von Gehältern an Beamte in Huthi-Gebieten. Doch bei Geldfragen tun sich die Konfliktparteien bislang schwer, eine Einigung ist hier kurzfristig nicht in Sicht.

300 Patriot-Systeme für Saudi-Arabien

US-Präsident Joe Biden sagte, die Verlängerung des Waffenstillstandes sei zu begrüßen - aber nicht ausreichend. Vor dieser Aussage ist der nun von den USA genehmigte Verkauf von dreihundert Rakten-Abwehrsystemen Typ Patriot an Saudi-Arabien einzuordnen (ein Drei-Milliarde-Dollar-Vertrag). Die Patriot-Stellungen sollen Drohnen- und Raketen-Angriffe der Huthi auf saudische Rohöllager unmöglich machen.

Die bisherige April-bis-Sommer-Waffenruhe hat in den zurückliegenden Wochen hier und da Erleichterungen gebracht. Im Hafen Hudaida konnten mehr Schiffe anlegen und Treibstoff für Krankenhäuser und Geschäfte liefern. Auch der Flugbetrieb zwischen der jemenitischen Hauptstadt Sanaa nach Kairo und Amman wurde auf niedrigem Niveau wieder aufgenommen, über 8000 Menschen machten davon Gebrauch, etwa für Arztbesuche im Ausland.

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