Waffenexporte in den Nahen Osten boomen

Vor allem in Konfliktgebiete werden immer mehr Waffen geliefert, zeigen Zahlen des Friedensforschungsinstituts Sipri. Deutschland bewegt sich gegen den Trend.


Jedes dritte ins Ausland verkaufte Waffensystem ging zuletzt in einen Staat im Nahen Osten. Vor allem wegen der Waffenlieferungen in diese Region mit den meisten kriegerischen Konflikten sind die weltweiten Waffenexporte insgesamt weiter gestiegen. Das zeigen die neuen Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri.

Auch Deutschland steigerte seine Waffenlieferungen in die Länder des Nahen Ostens, verdoppelte sie sogar. Allerdings ausgehend von einem relativ niedrigen Niveau.

Die Sipri-Friedensforscher haben die Fünf-Jahres-Periode von 2013 bis 2017 mit der von 2008 bis 2012 verglichen. Der Waffenhandel nahm in diesem Vergleich weltweit deutlich zu: insgesamt zehn Prozent. Deutschlands Anteil an allen Waffenexporten ist allerdings gesunken.


Insgesamt hat die letzte große Koalition damit ihr Versprechen gehalten, weniger Waffen exportieren zu wollen: Um 14 Prozent sanken die Ausfuhren im letzten fünf Jahres-Zeitraum laut Sipri. In Frankreich legten sie dagegen um 27 Prozent zu – weshalb Deutschland vom drittgrößten zum viertgrößten Waffenexporteur wurde, und mit Frankreich seinen Platz in der Rangfolge tauschte.

Die Bedeutung dieses Rangtausches sollte man allerdings nicht überbewerten: Die USA sind mit 34 Prozent der mit Abstand größte Waffenexporteur der Welt, gefolgt von Russland mit 22 Prozent. Die verbleibenden 44 Prozent des Weltexports teilen sich in viele kleine Tranchen auf: Frankreich kommt auf 6,7 Prozent, Deutschland auf 5,8 Prozent, China auf 5,7 Prozent, Großbritannien auf 4,8 Prozent der Exporte.

Wie Sipri-Forscher Siemon Wezeman gegenüber dem Handelsblatt erläuterte, liegt innerhalb der deutschen  Waffenexporte der Anteil des Nahen Ostens nunmehr bei einem Viertel. Am höchsten war er während des Jahres 2016: Die Lieferungen an die kurdischen Peschmerga dürften also einen wichtigen Anteil daran haben. Im Nord-Irak war es eine bewusste Strategie der Bundesregierung, Kämpfer vor Ort aufzurüsten: Die Kurden sollten den IS im eigenen Land bekämpfen, was ihnen auch gelang.

Ein Trend lässt sich auch in China ausmachen: Die Importe des Landes gehen zurück, die Exporte steigen. Dahinter steht, dass China selbst sehr viel mehr Waffen produziert als einkauft, seine Industrie modernisiert, und wie die anderen Waffenexportnationen dieses Geschäft gezielter als früher  als Mittel der strategischen Politik ausbaut.


Chinesische Waffen gingen vor allem an Pakistan. Dessen Rivale Indien wiederum blieb der größte Waffeneinkäufer der Welt, beliefert von Russland und den USA, mit einem Importanteil von zwölf Prozent. Auf Platz zwei der Importeure steht Saudi-Arabien mit zehn Prozent, wobei die Waffen vor allem von den USA und aus Europa kamen.

Wezeman erwartet, dass die Waffenexporte in den nächsten Jahren weiter zunehmen werden: Raketenabwehrsysteme etwa wurden von Osteuropäern in den USA bestellt. Die EU-Staaten wollen  angesichts neuer Bedrohungen aus Russland und für den Anti-Terrorkrieg weiter aufrüsten.