WADA: Rodtschenkow darf erst "seit kurzer Zeit" mit der FIFA sprechen

Rodtschenkow-Anwalt kritisiert FIFA: "Dopingbetrug wird unter den Teppich gekehrt"

Whistleblower Grigorij Rodtschenkow, Kronzeuge im russischen Staatsdopingskandal, ist mittlerweile nicht mehr durch juristische Auflagen gebunden und darf damit auch dem Fußball-Weltverband FIFA Auskunft über Dopingvergehen in seiner Heimat geben. Dies sei bis vor Kurzem nicht der Fall gewesen, sagte eine Sprecherin der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.
"Tatsache ist, dass Grigorij Rodtschenkow erst kürzlich für Aussagen in Verfahren verfügbar wurde, die von internationalen Verbänden angestrengt werden", sagte sie. Vorher sei dies aufgrund von Beschränkungen durch die US-Strafverfolgung angesichts der laufenden Ermittlungen nicht möglich gewesen.
Rodtschenkows Anwalt Jim Walden hatte zuletzt mehrfach bekräftigt, dass der frühere Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors Beweise auch für die Verwicklung russischer Fußballer, darunter Nationalspieler, in den Dopingskandal des Landes habe. In diesem Zusammenhang griff er die FIFA an, der Weltverband habe keinen Kontakt zu seinem Mandanten aufgenommen.
Die FIFA betonte dagegen stets, sie habe erfolglos den Kontakt zum Whistleblower gesucht. Man sei im November von der WADA darüber informiert worden, dass Rodtschenkow "nicht zur Verfügung stehe". Dies hat sich nun offenbar geändert. Die WADA habe nun einen Prozess eingeleitet, um die Anfragen internationaler Verbände in Verfahren gegen einzelne Athleten zu ermöglichen, so die Sprecherin.
Wenige Monate vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni bis 15. Juli 2018) wird frühestens Mitte Januar die forensische Analyse aufbewahrter Proben russischer Fußballer durch ein Expertenteam erwartet. Geprüft werden die Erkenntnisse aus den Berichten von Chef-Ermittler Richard McLaren, 34 Fußballer sind darin als dopingverdächtig erwähnt. Gegenstand der Untersuchung soll auch der gesamte russische WM-Kader von 2014 sein.