Darum wackelt Bayerns Abwehr wie zuletzt bei Klinsmann

Maximilian Schwoch
·Lesedauer: 4 Min.

Was ist nur mit der Abwehr des FC Bayern los?

In der vergangenen Saison war die Defensive des Rekordmeisters ein Trumpf beim Triple-Sieg, das Team von Hansi Flick kassierte nur 32 Gegentore in 34 Bundesligaspielen. In der aktuellen Spielzeit sieht es komplett anders aus. 13 Gegentore nach 9 Bundesliga-Spielen bedeuten den schlechtesten Wert der Bayern seit der Saison 2008/09 unter Jürgen Klinsmann (damals waren es sogar 15). (Service: Tabelle der Bundesliga)

In der Bundesliga spielte der Rekordmeister erst zweimal zu Null, zuletzt Ende Oktober beim 5:0 gegen Eintracht Frankfurt. Von den Top acht der Bundesliga-Tabelle hat nur Borussia Mönchengladbach mehr Tore kassiert als der FCB.

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Bayern acht Spiele in Folge nicht zu Null

Auch in der Königsklasse hielt der Titelverteidiger nur beim 4:0-Auftaktsieg gegen Atlético Madrid die Null. In den vergangenen acht Pflichtspielen kassierten die Münchner jeweils mindestens ein Gegentor. Am Samstag reist mit RB Leipzig der direkte Verfolger zum Spitzenspiel in die Allianz Arena. Gegen die Nagelsmann-Elf könnte Bayerns Wackel-Abwehr ernsthafte Probleme bekommen. (Bundesliga: FC Bayern München - RB Leipzig, Samstag 18.30 Uhr im LIVETICKER)

Dass die Bayern dennoch in allen Wettbewerben auf Kurs sind, hat vor allem zwei Gründe: Die Weltklasse-Form von Torwart Manuel Neuer, der mit seinen Paraden schon den einen oder anderen Sieg sicherte, und die Offensivpower um Robert Lewandowski, die die defensiven Schwächen bisher meist kaschieren konnte.

"Auch wenn die Abwehr der Bayern nicht so stabil ist, darf man nicht vergessen, dass die Offensive extrem hohe Qualität hat. Das musst man auch erstmal stoppen", betont SPORT1-Experte Stefan Effenberg: "Auch wenn die Bayern viele Tore gefangen haben, waren sie immer in der Lage, mehr zu schießen. Das ist auch eine große Qualität und Stärke."

Flick wechselt ständig Abwehrreihe

Das Abwehr-Problem aber bleibt. Möglicherweise ist ein Grund für die defensiven Probleme, dass Hansi Flick seine Abwehrreihe dauernd neu aufstellen muss.

In den 17 Pflichtspielen der bisherigen Saison setzte der 55-Jährige auf 11(!) verschiedene Abwehrreihen. Nur drei Formationen kamen mehrmals zum Einsatz. Beim 3:1 beim VfB Stuttgart am vergangenen Wochenende ließ Flick seine Viererkette erstmals in dieser Saison unverändert zur Vorwoche.

Das ständig wechselnde Personal kann also eine Ursache für die Wackel-Abwehr sein, allerdings hat Flick kaum eine andere Wahl, als immer wieder durch zu wechseln. Seine Mannschaft spielt im Prinzip dauerhaft im Drei-Tage-Rhythmus, daher muss er die Belastung seiner Spieler penibel steuern.

Zudem werfen Verletzungen Flicks Planungen regelmäßig über den Haufen. Alphonso Davies fehlt bereits seit einigen Wochen, zuletzt schlug sich Niklas Süle mit Fitnessproblemen herum. Auch Benjamin Pavard und Jérôme Boateng waren zuletzt angeschlagen, gegen Stuttgart musste neben Boateng und Corentin Tolisso auch Lucas Hernández vom Feld.

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Probleme mit gegnerischen Kontern

Zudem fällt mit Joshua Kimmich aktuell der Stabilisator im Mittelfeld aus, der auch im Gegenpressing der Münchner ein wichtiger Faktor ist.

Doch wo genau liegen die Probleme der Bayern-Defensive? Laut Deltatre haben die Münchner in der Bundesliga bereits 98 Torschüsse zugelassen (Leipzig nur 74). Vor allem bei gegnerischen Kontern hat die Flick-Elf massive Probleme. Nach Gegenstößen kamen die gegnerischen Teams bereits 17-Mal zum Abschluss. Das ist der drittschlechteste Wert aller Bundesliga-Teams. Gegen umschaltstarke Leipziger könnte das zum Problem werden.

In den vergangenen drei Pflichtspielen gegen den Red Bull Salzburg, in Stuttgart und bei Atlético Madrid (bei dem Flick auf einige Leistungsträger verzichtete) gaben die Gegner jeweils mehr Torschüsse ab als die Münchner.

Bayern anfällig in der Schlussviertelstunde

Vor allem gegen Ende des Spiels zeigt sich der Rekordmeister anfällig. Fünf ihrer 13 Gegentore kassierten die Bayern in der Schlussviertelstunde. Als Grund für diese hohe Zahl kann sicher auch die körperliche und geistige Müdigkeit aufgrund des Mammutprogramms gesehen werden. Allerdings spult Leipzig das gleiche Pflichtspielpensum ab und blieb in der Liga in der letzten Viertelstunde bisher ohne Gegentor.

Die verloren gegangene defensive Souveränität sorgt auch dafür, dass der Rekordmeister für seine Siege hart arbeiten muss. In vier der vergangenen fünf Spiel gerieten die Bayern in Rückstand. Dies noch zu drehen, erfordert mehr Energie, als eine Führung zu verwalten und den Gegner laufen zu lassen.

Gegen die Leipziger Offensivpower dürfte auf Flicks Abwehr viel Arbeit zukommen. Mit 150 Torschüssen belegt die Nagelsmann-Elf (knapp vor den Bayern) den Spitzenplatz in der Liga.

Egal auf welche Abwehrformation Flick auch setzen wird: Auf sie wird gegen die Leipziger ein hartes Stück Arbeit zukommen. Aber das sind die Bayern in dieser Saison ja bereits gewohnt.