Wütender Vater geht in Gerichtssaal auf US-Sportarzt Nassar los

Angeklagter Larry Nassar

Der Wutanfall eines Vaters von Missbrauchsopfern hat den Prozess gegen US-Sportarzt Larry Nassar vorübergehend aufgehalten. Die Richterin unterbrach die Verhandlung am Freitag, nachdem der Vater im Gerichtssaal von Charlotte mit wüsten Beschimpfungen auf den Angeklagten losgegangen war. Polizisten hielten ihn zurück und führten ihn ab. Nach einer Pause wurde das Verfahren fortgesetzt.

Der Vater - Randall Margraves - war ausgerastet, nachdem seine beiden Töchter vor der Richterin über den Missbrauch durch den ehemaligen Teamarzt der US-Turnerinnen ausgesagt hatten. Margraves bat die Richterin zunächst lautstark, sie möge ihm "fünf Minuten in der Umkleidekabine mit diesem Teufel" gewähren.

Als die Richterin dies ablehnte, stürmte Margraves auf den Angeklagten zu und rief: "Ich will diesen Hurensohn haben!" Polizisten hielten ihn zurück, bevor er den Angeklagten erreichte, und führten ihn ab, wobei Margraves rief: "Was wäre, wenn euch das passiert?"

Nach einer Pause eröffnete die Richterin das Verfahren mit einem Appell zur Ruhe. Für den Vater zeigte sie Verständnis: Dieser habe mit ansehen müssen, wie seine Töchter "all das Leid durchmachen mussten", sagte sie. "Ich kann mir nicht ausmalen, was das für Eltern bedeutet."

Bei der Anhörung soll die weitere Haftstrafe für Nassar festgelegt werden. Am Mittwoch hatten bereits rund 30 Opfer in der Verhandlung ausgesagt, für Freitag wurden die Aussagen von rund 35 weiteren Opfern erwartet.

Nassar wird ohnehin den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen. Eine andere Richterin im US-Bundesstaat Michigan hatte den 54-Jährigen, der über Jahre hinweg minderjährige Sportlerinnen sexuell missbraucht hatte, bereits vergangene Woche zu einer Haftstrafe von bis zu 175 Jahren verurteilt.

Diese Verurteilung kam zu einer Haftstrafe von 60 Jahren hinzu, zu der Nassar im Dezember wegen Besitzes von Kinderpornografie verurteilt worden war. In dem dritten Prozess in Charlotte im Bundesstaat Michigan könnten nun noch einmal mindestens 25 bis 40 Jahre Haft hinzukommen.