Studie: Antigen-Schnelltests erkennen eine Infektion nur mit einer Trefferquote von 42,6 Prozent

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Für viele gehören sie bereits zum Alltag. In geschlossenen Räumen essen gehen, das Fitnessstudio besuchen oder verreisen – all das geht nicht ohne einen Antigen-Schnelltest. Die Schnelltests sind mittlerweile ein weit verbreitetes Mittel, um Fallzahlen zu kontrollieren und gleichzeitig der Bevölkerung wieder mehr Möglichkeiten einzuräumen. Sie sind einfach in der Handhabung, kostengünstig und schnell. Dennoch: Die gängigen Schnelltests erkennen eine Infektion mit dem Coronavirus deutlich seltener als ein PCR-Test, lautet das Ergebnis einer neuen Studie.

Das Forschungsteam stammt von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und dem Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten insgesamt mehr als 5000 Testergebnisse von Menschen, die sowohl einen Antigen- als auch einen PCR-Test durchgeführt hatten. Die Ergebnisse wurden hinsichtlich ihrer Sensitivität verglichen. Sie gibt an, bei wie viel Prozent der infizierten Personen der Test auch tatsächlich positiv ausfällt.

Die Hersteller der Antigen-Schnelltest bescheinigen ihrem Produkt eine hohe Zuverlässigkeit. Die Sensitivität soll ihnen zufolge bei mehr als 90 Prozent liegen. Doch die Ergebnisse der Studie zeigen anderes: mit 42,6 Prozent liegt die Sensitivität deutlich unter den Angaben der Hersteller. Das heißt, bei nur 42,6 Prozent der Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, führt ein Antigen-Schnelltest auch zu einem positiven Ergebnis. Was die Untersuchungen aber auch zeigten: Die Spezifität der Tests liegt im Gegensatz zur Sensitivität im Bereich der Herstellerangaben, bei 98,68 Prozent nämlich. Dieser Wert definiert den Anteil derjenigen, die korrekt negativ getestet wurden.

Hohe Viruslasten werden gut erkannt

Sogenannte Superspreader – Covid-Infizierte, die eine besonders hohe Viruslast in sich tragen – erkannten die Antigen-Schnelltests meist richtig als Corona-positiv. Probleme bereiteten die Proben mit niedrigen Viruslasten: Bei ihnen wurde häufig ein falsch-negatives Ergebnis angezeigt. Die „Infektion [werden] so gut wie nicht erkannt“, sagt dazu Studienleiter Manuel Krone. Problematisch sei das vor allem zu Beginn einer Infektion, wenn die Erkrankten noch keine hohe Viruslast in sich tragen, aber bereits ansteckend sind. „Dann liefern Antigen-Schnelltests möglicherweise erst später als ein PCR-Test die richtige Diagnose und können so den Betroffenen falsche Sicherheit geben.“ Weniger riskant seien falsch-negative Testergebnisse zum Ende einer Infektion. Dann gehe von den Infizierten kein so hohes Ansteckungsrisiko mehr aus.

Der Immunologe Manuel Krone weist darauf hin, dass man sich aufgrund eines negativen Testergebnisses nicht in falscher Sicherheit wiegen dürfe. Das Risiko, jemanden anzustecken, sei weiter gegeben, auch wenn ein negatives Ergebnis vorliege. „Antigen-Schnelltests sollten nicht als Ersatz für PCR-Untersuchungen bei symptomatischen Personen eingesetzt werden, wenn PCR-Kapazitäten zur Verfügung stehen“, sagt er. Auf die Testmethode zu verzichten sei allerdings auch nicht ratsam. „Großflächig und regelmäßig eingesetzt ermöglichen sie eine zusätzliche Erkennung von in vielen Fällen auch asymptomatischen SARS-CoV-2-Infizierten und damit eine Unterbrechung von Infektionsketten.“

Die Tests stellen eine sinnvolle Ergänzung zu weiteren Maßnahmen dar, meint die Ko-Autorin der Studie Isabell Wagenhäuser, Doktorandin am Institut für Hygiene und Mikrobiologie. Ähnlich sieht es der Leiter der Stabsstelle Krankenhaushygiene des UKW, Ulrich Vogel. Es sollten immer auch die aktuellen Fallzahlen berücksichtigt werden, betont er – weil der positive Vorhersagewert der Tests bei niedrigen Inzidenzen abfalle.

jk

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