Ein Würzburger Startup lässt euch entscheiden, was im Kino läuft

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Das Team von Cineamo um Gründer Stefan Farnschläder (Dritter von links).
Das Team von Cineamo um Gründer Stefan Farnschläder (Dritter von links).

Es waren harte anderthalb Jahre für Kinobetreiber. Wegen der Pandemie wurden im vergangenen Jahr nur rund 38 Millionen Tickets verkauft – etwa 80 Millionen weniger als 2019. Laut der Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin entspricht dies einem Rückgang von 68 Prozent. Allmählich erwachen die Kinobetreiber aus dem Tiefschlaf und empfangen wieder die ersten Gäste. Davon will auch ein Startup aus Würzburg profitieren.

Das Unternehmen Cineamo möchte Kinobetreibern dabei helfen, die Auslastung ihrer Filmhäuser zu erhöhen. Vor allem unter der Woche stünden die meisten Säle leer, sagt Stefan Farnschläder (54), Gründer von Cineamo. Mit der App des Startups ist es Nutzern möglich, eigene Filmwünsche in Kinos anzufragen.

Laut Farnschläder bieten die Räume zudem Platz für weitere Events, etwa für Firmen oder Sportgruppen. „Da muss ich nicht nur hin, um Filme zu gucken“, sagt Farnschläder zu Gründerszene. Per Handy können Nutzer auch ganze Säle buchen, etwa um Yoga-Stunden untermalt mit Flusslandschaften auf der Leinwand abzuhalten. In vielen Kinos gibt es die Saalmiete ab 99,- Euro aufwärts, so Farnschläder. Kinobetreiber wiederum zahlen eine monatliche Gebühr, um zum Beispiel die Anfragen zu verwalten oder eigene Events in der App zu bewerben. 24 Filmhäuser sollen nach Angaben des Gründers bereits mitmachen.

Klinkenputzen bei den Kinos

Der gelernte Business Coach für interne Unternehmenskommunikation hat in eine Kinofamilie eingeheiratet und als selbstständiger Marketingberater größere Kinoketten wie die Cineplex-Gruppe betreut. „Kinoprogramme sind relativ strikt getaktet, weil es Verträge mit Filmverleihern gibt, die vorgeben, wann und wie oft der Film gezeigt werden muss", sagt Farnschläder. Demnach leiden Kinos besonders an der Abhängigkeit von Content. Dieses Problem möchte Cineamo lösen.

Für die Realisierung der Idee hat Farnschläder zunächst gebootstrapped – die Kosten für Server und Ausstattung also aus eigenen Mitteln finanziert. Für die Entwicklung der App hat er sich online Verstärkung gesucht. Mit einem Prototyp begab er sich anschließend auf einen Roadtrip quer durch die Republik und stellte die Cineamo-App zahlreichen Kinobetreibern vor. 2019 landete sie schließlich im App Store. Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie erreichte das Startup nach eigenen Angaben über tausend Anfragen für Kino-Veranstaltungen. Vor dem ersten Lockdown Anfang 2020 habe man etwa 300 Kino-Events durchgeführt.

Auch Investoren sehen Potenzial in dem Unternehmen: Eine norddeutsche Beteiligungsgesellschaft, hinter dem ein Family Office steckt, hat im Frühjahr 1,1 Millionen Euro investiert – trotz coronabedingter Schließungen im vergangenen Jahr. Der französische Filmriese Studiocanal kooperiert ebenfalls mit dem Startup. Er sieht in der Individualisierung des Kinoprogramms eine zusätzliche Einnahmequelle. Etwa wenn sich ein Besucher einen älteren Kinofilm wünscht, der seit einer Ewigkeit ungenutzt auf den Servern der Verleiher liegt. Damit sich das auch finanziell lohnt, möchte Cineamo mit seiner App die Kommunikation zwischen Kinobesitzern und Verleihern erleichtern. Für Farnschläder sei die Pandemie „Segen und Fluch zugleich“ gewesen, erzählt er. Ein Segen, weil sie die Cineamo-App in Ruhe weiterentwickeln konnten. Mit dem Vertrieb mussten sie sich hingegen gedulden. Damit soll jetzt Schluss sein.

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