"Wärmen Klischees der Vergangenheit auf": PR-Verband kritisiert investigative ARD-Reportage

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In der "Story im Ersten: Wahlkampf undercover" traf ARD-Reporter Peter Kreysler auch auf Ben Scott, dem Direktor der NGO RESET, der die Gefahren der Demokratie beobachtet. (Bild: NDR / Filme und Konsorten)
In der "Story im Ersten: Wahlkampf undercover" traf ARD-Reporter Peter Kreysler auch auf Ben Scott, dem Direktor der NGO RESET, der die Gefahren der Demokratie beobachtet. (Bild: NDR / Filme und Konsorten)

Der Deutsche Rat für Public Relations geht zum Gegenangriff über: In der "Story im Ersten: Wahlkampf undercover" werde der falsche Eindruck vermittelt, dass Agenturen auch den deutschen Wahlkampf manipulieren würden, obwohl die Branche nach klaren Richtlinien funktioniere.

Der Untertitel der Reportage ist vielsagend: "Wie PR-Profis uns manipulieren". Doch der Fernsehbeitrag "Die Story im Ersten: Wahlkampf undercover", den die ARD am 30. August dieses Jahres ausstrahlte, wird nun heftig kritisiert. Die beiden Autoren Gesine Enwaldt und Peter Kreysler recherchierten verdeckt und fragten: "Wie sicher ist der Superwahlkampf 2021?" Dafür schleuste sich Peter Kreysler mit falscher Identität in das Innere einer international tätigen PR-Agentur ein. Für den Deutschen Rat für Public Relations (DRPR) ist der Film jedoch eine Pauschalverurteilung der gesamten Branche. Es werde der Eindruck hervorgerufen, die erwähnten Agenturen würden auch in den deutschen Wahlkampf zur Bundestagswahl eingreifen.

Der DRPR hat deshalb einen offenen Brief an das für die Produktion des Beitrags zuständige NDR Fernsehen verfasst. Unterzeichnet ist er vom DRPR-Vorsitzenden Prof. Dr. Lars Rademacher sowie von Uwe A. Kohrs, dem Vorsitzenden des Trägervereins des DRPR. Die "aufgezeigten 'Machenschaften' von Wahlkampfberatern in London ordnen Sie pauschal dem Tätigkeitsfeld von PR-Agenturen zu", wirft der Verband den verantwortlichen Filmemachern vor.

Der DRPR wehrt sich gegen die Vorwürfe, die der Film von Peter Kreysler angeblich gegen die PR-Branche erhebt. (Bild: NDR / Filme und Konsorten)
Der DRPR wehrt sich gegen die Vorwürfe, die der Film von Peter Kreysler angeblich gegen die PR-Branche erhebt. (Bild: NDR / Filme und Konsorten)

DRPR: "Diffamieren die gesamte PR-Branche"

Falls es der Fall sein sollte, dass tatsächlich in den Wahlkampf eingegriffen worden sei, solle die Redaktion ihre Informationen vertraulich zur Verfügung stellen, damit der Verband gegen diese Unternehmen ermitteln könne. "Denn", so die Kritik der PR-Leute weiter, "anders, als in Ihrem Beitrag suggeriert, gibt es hierzulande klare Regeln und Kodizes für die PR-Branche, die Transparenz und seriöses Arbeiten gewährleisten sollen."

Nach eigenen Angaben würde der DRPR als Kontrollorgan gegen entsprechende Unternehmen vorgehen, auch im Bereich Public Affairs. "Es ist bedauerlich, dass Sie dies bei Ihren Recherchen offensichtlich übersehen haben. Anders ist kaum zu erklären, dass Sie in Ihrem Beitrag den Eindruck erwecken, als sei PR eine Branche, in der Wahlkampfmanipulationen gängige Praxis sind." Dann werden die Vorwürfe konkreter: Man wärme damit "lediglich Klischees der Vergangenheit wieder auf" und diffamiere "die gesamte PR-Branche, die schon seit langem nach klaren, transparenten Regeln arbeitet".

Auch am Montag widmete sich die "Story im Ersten" wieder der vermeintlichen Beeinflussung des Wahlkampfs. In dem Film "Die geheimen Meinungsmacher", einem Beitrag von Marilina Görz y Moratalla und Marcel Kolvenbach, sollte durch investigative Recherchen herausgefunden werden, ob rechte Gruppen mit Unterstützung aus dem Ausland den Bundestagswahlkampf manipulieren.

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