Wie wählten Reiche, wie Frauen, welches Thema war entscheidend? Sieben Erkenntnisse zur US-Wahl

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Die Lage der Wirtschaft hat die US-Wähler eher an die Urnen gebracht als Corona. Und: Bei der Wahlentscheidung zählt Geschlecht mehr als Bildung. Wer hat wie gewählt – und warum?

Wer hat wie gewählt – und warum? (Symbolbild: Getty)
Wer hat wie gewählt – und warum? (Symbolbild: Getty)

US-Präsident Donald Trump und Joe Biden liefern sich ein extrem knappes Rennen ums Weiße Haus: Ob die Ära Trump nach vier Jahren ein Ende findet, ist weiter offen – auch, wenn Biden in Schlüsselstaaten punkten kann. Während die Auszählungen in vielen Bundesstaaten noch andauern, hat sich der republikanische Amtsinhaber mitten in der Nacht (Ortszeit) selbst zum Sieger erklärt.

Klar ist bislang nur: Bei dieser Präsidentschaftswahl haben sich 160 Millionen US-Wähler beteiligt – so viele wie noch nie in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Die Wahlbeteiligung könnte damit im Vergleich zu 2016 um acht Prozentpunkte auf fast 67 Prozent steigen.

Erste Nachwahlbefragungen, die Exit Polls, geben einen ersten Überblick, wer für Amtsinhaber Trump und wer für den Herausforderer Biden gestimmt hat.

1. Die Jungen wählen Biden

Vor allem junge Wähler haben Joe Biden gewählt. Laut der Nachwahlbefragung von „CNN“ haben 67 Prozent der 18 bis 24-Jährigen ihre Stimme dem demokratischen Herausforderer gegeben, nur 29 Prozent Trump. Von den Erstwählern wählten Nachwahlbefragungen von Edison Research zufolge sogar 72 Prozent Biden, lediglich 28 Prozent den amtierenden US-Präsidenten.

Auch bei den 25 bis 49-jährigen Wählern schnitt Biden besser ab. Hier liegt er mit etwa 53 Prozent der Wählerstimmen etwa sieben Prozentpunkte vor Trump.

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Wähler, die 50 oder älter sind, haben hingegen häufiger US-Präsident Trump gewählt. Bei dieser Altersgruppe entschieden sich 51 Prozent für Trump, 48 Prozent Biden. Diese Altersgruppe stellt jedoch mehr als die Hälfte aller Wahlberechtigten in den USA. Kurzentschlossene wählten mit 51 Prozent eher Trump als Biden (41 Prozent).

2. Geschlechter-Gefälle beim Wahlverhalten

Rund 56 Prozent der Frauen stimmten für Biden, 43 Prozent für Trump. Dagegen gaben nur 48 Prozent der männlichen Wähler ihr Votum den Demokraten, ein Prozent mehr entschied sich für Trump. Auch in Meinungsumfragen ist Trump bei den Frauen sehr unbeliebt.

Nur 30 Prozent gaben an, den Präsidenten zu mögen. Bemerkenswert ist auch, dass Biden mehr Frauen für sich begeistern konnte als Hillary Clinton 2016. Während damals 54 Prozent der Frauen angaben, für die Demokratin gestimmt zu haben, sind es in diesem Jahr 56 Prozent für Biden. Im Vergleich hat Trump männliche Anhänger verloren. 53 Prozent stimmten 2016 für ihn, in diesem Jahr sind es nur noch 49 Prozent.

3. Viele Latinos wählen Trump

Trumps Wählerschaft ist mehrheitlich weiß (57 Prozent). Biden schafft es eher, Minderheiten für sich zu gewinnen. 58 Prozent seiner Wähler gehören CNN-Nachwahlbefragungen einer Minderheit an. Besonders deutlich wird das bei der Stimmenverteilung der schwarzen Bevölkerung. 87 Prozent von ihnen haben den Demokraten gewählt – und nur zwölf Prozent Amtsinhaber Trump.

Kein Wunder: Den Umgang mit Schwarzen bewerten die Amerikaner deutlich schlechter als noch vor Trumps Amtsantritt vor vier Jahren. Nur 35 Prozent der Gesamtbevölkerung sind laut Nachrichtenagentur Reuters in diesem Bereich mit der Amtsführung zufrieden (2016: 51 Prozent). Bei der schwarzen Bevölkerungsgruppe ist es gar nur jeder fünfte (2016: 32 Prozent).

LIVE: Die Hochrechnungen aus den Bundesstaaten

Wie stark das Thema die US-amerikanische Gesellschaft polarisiert, zeigten im Sommer die Black-Lives-Matter-Demonstrationen, die im Zuge anhaltender Polizeigewalt gegenüber Schwarzen Hunderttausende Menschen auf die Straßen brachte. Sie kritisieren Trump, die Bewegung zu diskreditieren und Rassismus in der Polizei nicht entschieden zu bekämpfen.

Diffuser ist die Lage bei den Latinos, mit 32 Millionen Wahlberechtigten mittlerweile die einflussreichste nicht-weiße Wählergruppe in den USA. Mehrheitlich (66 Prozent) konnte Biden sie für sich gewinnen (Trump: 32 Prozent).

Doch auffällig ist, dass viele Hispanics im Schlüsselstaat Florida Trump gewählt haben. Vor allem Trumps scharfer Kurs gegenüber Kuba scheint kubanisch-stämmige Wähler, von denen einst viele von der kommunistischen Karibikinsel flohen, zu den Republikanern getrieben zu haben.

4. Bei der Bildung zeigen sich kaum Unterschiede

Insgesamt haben Biden-Wähler den höheren Bildungsstand. Mehr als die Hälfte der Anhänger des demokratischen Amtsbewerbers haben eine College-Ausbildung absolviert, wohingegen es bei Trump nur etwas mehr als 40 Prozent sind.

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Experten hatten vermutet, dass sich wegen der schweren Folgen der Coronakrise gerade auch Menschen mit geringerem Bildungsstand für Biden entscheiden würden. Denn viele von ihnen arbeiten in Branchen, die von der Krise besonders hart getroffen sind, und haben es deshalb schwer, sich langfristig von den Schäden zu erholen.

5. Einkommen: Wer viel hat, wählt häufig Trump

Trump schneidet bei Wählern mit einem Einkommen von mehr als 100.000 US-Dollar pro Jahr mit 54 Prozent deutlich besser ab als Biden mit 43 Prozent. Dagegen ist Biden bei Wählern mit einem Einkommen von unter 100.000 US-Dollar stärker vertreten (57 Prozent) als Trump (42 Prozent).

6. Die Wirtschaft treibt die Wähler mehr um als Corona

Nach Angaben des TV-Senders Phoenix war für die meisten Wähler (29 Prozent) die Wirtschaft das wichtigste Thema.

Abgeschlagen dahinter kommen Corona (15 Prozent), die faire Behandlung ethnischer Gruppen (14 Prozent) und das Gesundheitssystem (13 Prozent). Jeder zehnte Wähler fand besonders die Besetzung des Supreme Courts wichtig, und nur acht Prozent sahen die Faktoren Gewalt und Sicherheit als besonders wichtig für ihre Wahlentscheidung an.

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Die Wahlmotivation variiert stark zwischen den politischen Wählergruppen: Unter demokratischen Wählern wurde nach Angaben der „Tagesschau“ vor allem Rassismus als wahlentscheidendes Thema angegeben, bei den Republikanern war es die Wirtschaft.

Das spiegelt sich auch in Umfragen von CNN wider. Während 76 Prozent der Trump-Wähler die Situation der amerikanischen Wirtschaft als exzellent oder gut bezeichnen, widersprechen 81 Prozent der Biden-Wähler dem.

7. Städter wählen Biden

Besonders in ländlichen Gegenden liegt Trump vorn: Rund 54 Prozent der Wählerstimmen gingen in diesen Gegenden an ihn. In städtischen Gegenden liegt Trump zurück, dort wurde er Umfragen zufolge nur von 37 Prozent der Wähler gewählt.

Städtische Wähler entschieden sich tendenziell für Biden (60 Prozent). Auf dem Land stimmten nur 45 Prozent für Biden.

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