Warum VWs E-Auto-Hoffnung ID.4 in China als "Opa-Auto" abgestempelt und von Tesla abgehängt wird

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Der ID.4 von VW in einem Verkaufsladen in Shanghai.
Der ID.4 von VW in einem Verkaufsladen in Shanghai.

China ist neben Europa der wichtigste Absatzmarkt für Volkswagen. Doch gerade in der Volksrepublik schwächeln die Zahlen. VWs neue E-Offensive soll das ändern. Doch auch der Hoffnungsträger ID.4 bleibt im Land der Mitte weit hinter den Erwartungen aus Wolfsburg.

Genau 3341 ID.4 der Modellvarianten X und CROZZ wurden bis Ende Mai in China zugelassen, sagt der langjährige Branchenbeobachter Jochen Siebert in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Erschreckend niedrige Zahlen, mit denen VW nicht nur hinter den eigenen Erwartungen, sondern auch der Konkurrenz bleibt. Allein im Mai wurden demnach 33.463 Modelle des US-Herstellers Tesla zugelassen. Und auch chinesische Marken wie Nio und XPeng laufen den Wolfsburgern den Rang ab.

Das hängt auch vor allem mit der Wahrnehmung des als "Weltauto" beworbenen E-Modells in China zusammen. Die günstigere Version des ID.4 kann zwar mit einer Ladung immer noch 400 Kilometer fahren, braucht jedoch ganze 10,9 Sekunden, um von 0 auf 100 zu beschleunigen. Die Konkurrenz-Modelle liegen hier oft weit darunter. Der ID.4 wird auch deshalb in China als "Opa-Auto" wahrgenommen. Aus den sozialen Kanälen heißt es, der ID.4 sei wie "ein Auto wie aus dem vorigen Jahrhundert".

Verkaufspolitik fällt VW in den Rücken

Ein weiterer Grund für die schlechten Verkaufszahlen ist das Fehlen flexibler Provisionen für die Händler. Viele der Verkäufer setzen daher lieber die alten Benziner von VW ab, als den neuen ID.4 anzupreisen. Zu Beginn war der ID.4 in China auch nur als abgespeckte Version erhältlich. Dadurch reduzierte sich zwar der Preis auf ungefähr 26.000 Euro, doch Branchenstandards wie eine automatische Einparkhilfe fehlten. "Beim ID.4 ist VW in China den umgekehrten Weg von Audi gegangen. In den Showrooms stand nicht die stärkste Modellversion, sondern die schwächste. Das kam bei den Kunden nicht gut an. Von diesem Image wieder loszukommen, ist schwierig", sagt Berater Jochen Siebert in der "F.A.Z.".

Dabei ist der chinesische Markt wichtig für VW. Doch auch außerhalb der E-Sparte sieht es schlecht aus. Von Januar bis Juli hat VW demnach 1,84 Millionen Autos nach China ausgeliefert. Nur 14 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum aus dem schwachen Pandemie-Vorjahr. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt wuchs in dieser Zeit um 27 Prozent. Die Ziele bei VW sind trotz der schwächelnden Absatzzahlen unverändert. Bis zum Ende des Jahres sollen zwischen 80.000 und 100.000 ID.4- und ID.6-Modelle in der Volksrepublik ausgeliefert werden.

kh

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