VW will mit Lkw-Börsengang mehr als 6 Milliarden Euro einnehmen

Der Börsengang der Lkw-Sparte dürfte mehrere Milliarden einbringen. Der Name der neue Sparte bezieht sich auf Tradition, Transformation und Tonnen.


Nach der Medizintechnik-Sparte von Siemens und der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank kündigt sich mit der Nutzfahrzeug-Sparte von VW ein weiterer Mammut-Börsengang an. Andreas Renschler, der Vorstand für die Truck-Sparte, hat die gewünschten Einnahmen aus dem möglichen Börsengang jetzt auf mindestens sechs Milliarden Euro beziffert. „Das dürfte gern ein bisschen mehr sein.“ Der „Spiegel“ hatte im April von bis zu sieben Milliarden geschrieben.

Geplant sei das Debüt derzeit für den Sommer 2019, rund 25 Prozent der Anteile sollen verkauft werden, sagte er gegenüber dem Manager Magazin. Der genaue Zeitpunkt eines Börsengangs hänge wie die Höhe der gegebenenfalls zum Verkauf angebotenen Anteile auch von der Stimmung am Finanzmarkt ab.

Erst im Juni hatte Volkswagen die Lkw-Sparte in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Um Verwechslungen am Kapitalmarkt zu vermeiden, solle die Lkw- und Bus-Sparte künftig Traton Group heißen. Der neue Name beziehe sich auf Begriffe wie Tradition, Transformation und Tonnen. In der Lkw-Gruppe sind die Marken Scania, MAN, Volkswagen Brasilien und Rio zusammengefasst. Das Unternehmen beschäftigt 81.000 Menschen und setzte 2017 knapp 24 Milliarden Euro um.


Ein Börsengang sei auch dazu gedacht, die weitere Expansion der Sparte zu erleichtern, sagte Renschler. VW will einen weltweit führenden Lkw- und Bushersteller formen. In der Vergangenheit wurde bereits deutlich gemacht, dass dazu etwa der Anteil am US-Lkw-Bauer Navistar aufgestockt werden könnte. Auch die Partnerschaft mit dem chinesischen Hersteller Sinotruk könnte ausgebaut werden.

Innerhalb des neuen Truck-Riesen sollen die einzelnen Marken – wie im VW-Konzern üblich – eigenständig bleiben. Besonders zwischen MAN und Scania hatte es lange Jahre Reibereien gegeben. Erst Renschler, der 2015 an Bord gekommen war, gelang es, dem Streit zwischen den selbstbewussten Schwestermarken die Schärfe zu nehmen und die Zusammenarbeit voranzutreiben.

Mit der Ankündigung von VW dürfte die gute Konjunktur für Börsengänge auch im nächsten Jahr anhalten. Die Pipeline ist gut gefüllt, am Donnerstag hatte der Finanzdienstleister Capsensixx seinen Einstand an der Börse mit einem ersten Kurs von 16 Euro gefeiert, was dem Ausgabepreis entsprach. Der Mittelzufluss der Mini-Emission beträgt 5,3 Millionen Euro. Im zweiten Halbjahr werden an der Börse mit dem Bremsenhersteller Knorr Bremse und dem Wohnmobilanbieter Hymer aber noch zwei weitere deutsche Großemissionen erwartet. Voraussetzung ist allerdings, dass die Politik nicht dazwischen funkt und die Handelsspannungen weiter zunehmen.


Vergangene Woche hatte der Online-Möbelhändler Home24 ein erfolgreiches Debüt am Kapitalmarkt hingelegt. Die Aktien der 2009 gegründeten Berliner Firma starteten an der Frankfurter Börse mit einem Einstandskurs von 28,50 Euro – ein Aufschlag von 24 Prozent zum Ausgabepreis von je 23 Euro. Den Kursgewinn verteidigte der Newcomer – am Donnerstagmittag wurde das Unternehmen aus dem Portfolio von Rocket Internet mit 28,55 Euro gehandelt.

Mit Material von Reuters