VW-Schreck Prevent kauft dazu

Die Zuliefergruppe Prevent hat sich als Volkswagen-Schreck einen Namen gemacht. Jetzt kauft das deutsch-bosnische Unternehmen wieder einen Gusshersteller dazu. Die Autobranche wird sehr genau hinsehen.


Die deutsch-bosnische Autozulieferer-Gruppe Prevent überrascht mit einem weiteren Zukauf. Prevent übernimmt das mittelständische Gussunternehmen Halberg Guss aus Saarbrücken, wie der Zulieferer am Montag bestätigte. Zum Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben. Wie aus Branchenkreisen verlautete, dürfte Prevent maximal einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag bezahlt haben. Am vergangenen Freitag hatte das Bundeskartellamt die Übernahme freigegeben.

Prevent ist im Sommer 2016 durch seine Auseinandersetzung mit dem Volkswagen-Konzern bekannt geworden. Damals hatte VW Aufträge im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro storniert. Prevent reagierte mit einem Lieferstopp und Entschädigungsforderungen. Für einige Tage ruhte daraufhin die Produktion in mehreren VW-Werken, der Wolfsburger Konzern musste an den Verhandlungstisch zurückkehren. Einen Teil seiner Forderungen konnte die Prevent-Gruppe dann tatsächlich durchsetzen.

Die jetzt über eine Tochtergesellschaft von Prevent übernommene Halberg Guss kommt auf einen Jahresumsatz von etwa 500 Millionen Euro. An drei Standorten im Saarland, Sachsen und Kapstadt (Südafrika) arbeiten rund 3000 Beschäftigte für die neue Prevent-Tochter. Halberg Guss ist auf die Produktion von Kurbelgehäusen, Zylinderköpfen und Kurbelwellen für Pkw und Lkw spezialisiert. Zu den wichtigsten Kunden gehören Daimler und Opel, aber auch wieder Volkswagen.


In Wolfsburg dürfte der Zukauf der Prevent-Gruppe sehr genau beobachtet worden sein. Im Sommer 2016 hatte die sächsische Prevent-Tochter ES Automobilguss die Belieferung des VW-Konzerns mit hoch spezialisierten Gussteilen eingestellt und damit den Produktionsstopp erzwungen. VW fehlten damals wichtige Teile für die Getriebefertigung.

Der Kauf von Halberg Guss ist aus Sicht von Prevent eine wichtige Ergänzung des eigenen Produktportfolios. Die Zuliefergruppe könne damit künftig auch größere Gussteile bis hin zu Motorblöcken anbieten, heißt es aus Unternehmenskreisen.

Volkswagen hatte nach der Auseinandersetzung mit Prevent seine eigenen Zulieferstrukturen überarbeitet. Aufträge sollten danach nach Möglichkeit immer auf zwei Lieferanten verteilt werden, um nicht mehr von einem einzigen Zulieferer abhängig zu sein.

Prevent arbeitet schon seit etwa zehn Jahren am Aufbau einer eigenen Zuliefergruppe. Hinter dem Unternehmen steht die Eigentümerfamilie Hastor aus Wolfsburg, die wiederum bosnische Wurzeln hat. Prevent nutzt deutsches Know-how, profitiert aber auch von niedrigen Löhnen in seinen Werken in Bosnien. Außer im Automobilbereich ist die Familie Hastor auch im Textilgeschäft und bei Möbeln engagiert.


Die Prevent-Gruppe hat sich auf die Übernahme angeschlagener Unternehmen spezialisiert, die vergleichsweise günstig zu bekommen sind. Nach der Aufnahme in den eigenen Zulieferverbund versucht das Prevent-Management, weitere Kostensenkungen zu erreichen. Verkäufer der Halberg Guss ist die Süddeutsche Beteiligungsgesellschaft, die die Anteile nur ein halbes Jahr gehalten hatte. Davor war der niederländische Finanzinvestor HTP der Eigentümer. Im Jahr 2011 hatte Halberg Guss ein Insolvenzverfahren durchlaufen.

Nicht alle Übernahmeversuche der Prevent-Gruppe sind am Ende auch gelungen. Im vergangenen Jahr hatte der Zulieferer die Übernahme seines Oberpfälzer Konkurrenten Grammer gestartet. Doch auf der Hauptversammlung konnte sich die Familie Hastor nicht durchsetzen, Prevent musste sich mit einer Minderheitsbeteiligung begnügen.

Auch außerhalb der Automobilindustrie hat sich Prevent mit Übernahmen versucht. Wichtigstes Beispiel ist der süddeutsche Küchenhersteller Alno. Prevent konnte die Firma nicht sanieren – Alno gehört inzwischen einem anderen Unternehmen.