VW plant eine elektrische Carsharing-Offensive


Jahrelang übte sich VW beim Thema Carsharing in Zurückhaltung. Die Kurzmieten schienen für den Wolfsburger Riesen wenig lukrativ zu sein. Mit der Elektrooffensive hat sich die Haltung des Konzerns nun drastisch verändert.

Schon 2019 sollen unter dem Markennamen „WE“ die ersten Elektroautos über deutsche Straßen rollen. 2020 wolle man das Angebot auf Metropolen in Europa, Nordamerika und Asien erweitern, kündigte VW am Mittwoch an. Es ist eine Kampfansage an die Konkurrenzangebote Car2Go von Daimler und DriveNow von BMW.

Die beiden deutschen Premiumanbieter hatten zuletzt ihre Carsharing-Aktivitäten gebündelt, um die Verluste mit der alternativen Mobilität einzudämmen. Während die einen konsolidieren, will VW kräftig investieren. „Wir sind der Überzeugung, dass der Carsharing-Markt noch Potenzial hat“, erklärte VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann bei einer Veranstaltung in Berlin. Allein in Europa sehe man auf dem Carsharing-Markt bis zu 24 Millionen potenzielle Kunden.


VW kommt mit seiner Offensive zu einer Zeit, in der viele Konkurrenten ihre Carsharing-Angebote zusammenkürzen. PSA hatte seinen vollelektrischen Carsharing-Dienst Multicity in Berlin Ende 2017 eingestellt. Auch VW will mit „WE“ allein auf Elektroautos setzen.

Damit dürfte das neue Carsharing-Angebot auch ein wichtiger Vertriebskanal für die Elektromarke I.D. werden, mit der Volkswagen in den kommenden Jahren an den Start gehen will. Wesentliche Daten wie Flottengröße, Preise oder erste Städte für das eigene Carsharing verrät VW noch nicht.

In der Vergangenheit hatte der Konzern seine Carsharing-Aktivitäten nur sehr zaghaft vorangetrieben. Anfang 2016 wurde das Pilotprojekt Quicar in Hannover eingestellt. Stattdessen hatte man sich am niederländischen Carsharing-Unternehmen Greenwheels beteiligt.

Über die Kundenplattform WE will der Konzern neben dem Carsharing auch freie Parkplätze und lokale Rabattgutscheine vermitteln. Neben Elektroautos sollen auch andere Fahrzeuge wie Elektro-Roller und E-Tretroller auf Abruf verfügbar sein. „Damit entlasten wir Stadträume auf intelligente Art“, sagte Stackmann. Zudem soll das neue Angebot die Dienste der Mobilitätsmarke Moia ergänzen, die in Hamburg und Hannover ab Anfang 2019 einen eigenen Ridesharing-Dienst anbietet.