VW fordert Schadensersatz von ex-Chef Winterkorn und Stadler

Karin Matussek, Christoph Rauwald und Richard Weiss
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Volkswagen AG will wegen des Dieselskandals Schadensersatz vom ehemaligen Vorstandschef Martin Winterkorn und dem früheren Audi-Chef Rupert Stadler. Beide hätten ihre Sorgfaltspflichten verletzt, so das Unternehmen. Der Skandal hat das Unternehmen schon mehr als 30 Milliarden Euro gekostet.

Nach mehr als fünf Jahren Untersuchung stehe nach Überzeugung des Aufsichtsrats fest, dass Winterkorn seine Pflichten verletzt habe, weil er es nach dem 27. Juli 2015 unterließ, die Hintergründe des Einsatzes unzulässiger Software in 2-Liter Turbodieselmotoren, die von 2009 bis 2015 in Nordamerika verkauft wurden, unverzüglich und umfassend aufzuklären, teilte VW am Freitag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. Er hätte außerdem dafür sorgen müssen, dass Fragen der US-Behörden beantwortet werden.

Stadler habe seine Pflichten verletzt, weil er nach dem 21. September 2016 nicht dafür sorgte, Audi-Dieselaggregate mit 3 Litern und 4,2 Litern Hubraum in Europa in Fahrzeugen von VW, Audi und Porsche auf unzulässige Software hin zu untersuchen.

Die Diesel-Krise bei VW begann im September 2015, als US-Behörden illegale Software entdeckten, die der Autobauer installiert hatte, um Abgaswerte niedriger erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich waren.

Winterkorn teilte über seinen Anwalt mit, er nehme die Entscheidung des Aufsichtsrats “mit Bedauern” zur Kenntnis und weise den gegen ihn erhobenen Vorwurf zurück. In dem knappen Zeitraum im Spätsommer 2015, der zur Erörterung stünde, habe er nichts unterlassen, um Schaden abzuwenden. Eine Klärung anspruchsrechtlicher Fragen will er “im Dialog mit Volkswagen” suchen.

In den USA wurde der heute 73-Jährige schon früh wegen Betrug angeklagt. Da Deutschland seine Staatsbürger jedoch in der Regel nicht ausliefert, musste er sich dort keinem Verfahren stellen. Winterkorn wurde inzwischen auch in Deutschland angeklagt - sein Prozess wurde wegen der Pandemie mehrfach verschoben und soll nun im September in Braunschweig beginnen. Stadler und andere ehemalige Audi-Führungskräfte stehen bereits seit 2020 vor Gericht. Mit schnellen Urteilen wird nicht gerechnet.

Wie viel Geld Unternehmen von früheren Vorständen in solchen Fällen tatsächlich entreiben, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Die Siemens AG verglich sich Mitte des letzten Jahrzehnts mit ehemaligen Vorständen nach einem Bestechungsskandal: Der ex-Vorstandschef Heinrich von Pierer zahlte 5 Millionen Euro, sein Nachfolger Klaus Kleinfeld 2 Millionen Euro und der frühere Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger 2,5 Millionen Euro.

(Ergänzt Kommentar von Winterkorns Anwalt in Absatz fünf.)

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