VW-Chef will sich künftig noch stärker einmischen

Mit seinem Vorstoß, Dieselsubventionen bald auslaufen zu lassen, sorgte Matthias Müller für viel Aufregung. Er wolle künftig öfter „Haltung zeigen und eine Meinung haben“, betonte der VW-Chef nun in einem Interview.


Volkswagen-Chef Matthias Müller hat in einem Zeitungsinterview angekündigt, sich künftig noch stärker in die Verkehrspolitik einmischen zu wollen. „Wir Wirtschafts- und Industrieleute sollten uns öfter zu Wort melden. Wir sollten Haltung zeigen und eine Meinung haben“, sagte Müller der „Welt am Sonntag“. „Ob das populär ist oder nicht, muss zweitrangig sein.“

So müsse man beispielsweise über die technologische Innovationsfähigkeit Deutschlands im Vergleich zum Silicon Valley oder zu China diskutieren. Müller betonte, er wolle „nicht auf den Tisch hauen, aber auch mal Klartext reden“. Der 64-Jährige präsentierte folgende Idee: „Ich könnte mir gut vorstellen. dass ein kleiner Kreis von zehn, 15 Wirtschaftsführern viermal im Jahr zusammenkäme und seine Diskussionsergebnisse dann auch öffentlich machte.“


Der 2015 als Nachfolger von Martin Winterkorn angetretene Konzernchef hatte kürzlich im Handelsblatt-Interview die millionenschweren Diesel-Subventionen, die den Autokonzernen von der Regierung gewährt werden, öffentlich in Frage gestellt. „Wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen soll, kann der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden“, sagte Müller damals. Seine Aussagen hatten für bundesweite Reaktionen gesorgt. Der „Welt am Sonntag“ erklärte er nun rückblickend: „Ich bin wirklich zufrieden, dass wir eine solche Debatte angestoßen haben, die wir wirklich brauchen.“ Das Geld sollte stattdessen, wiederholte er nun, zukunftsorientiert investiert werden, etwa für Ladestationen für Elektroautos. „Wir brauchen Leadership, Charakterköpfe, die für Orientierung sorgen“, sagte Müller.

In diesem Kontext übte der VW-Chef auch Kritik an der Arbeit der Wirtschaftsverbände in Deutschland. Die „Gremienlandschaft mit BDA und BDI sollte sich auch regelmäßig hinterfragen“, betonte Müller. „Um es etwas scharf zu formulieren; Wir waren nicht mutig genug, wir hätten früher agieren müssen.“ Konsens sei gut und löblich, aber nicht immer ausreichend. „Nur, wenn man sich auch konstruktiv an Themen reibt, entsteht Energie.“


Siemens-Chef Joe Kaeser etwa hatte zuletzt einen Brief an SPD-Parteichef Schulz geschrieben, nachdem dieser öffentlich den geplanten Stellenabbau bei Siemens kritisiert hatte. Er wollte den „Vorwürfen [...] entgegentreten und, gerade auch in Zeiten politischer Unklarheit, einige wichtige Fakten zur Diskussion beitragen“ schrieb Kaeser. Rückendeckung erhält der Siemens-Chef nun von Müller. Als Unternehmensleiter müsse „man sich gegen populistische Vorwürfe auch mal deutlich zur Wehr setzen“.

Insgesamt blickt der VW-Chef zufrieden auf das abgelaufene Jahr zurück. „Betriebswirtschaftlich wird das sicher ganz hervorragend“, erklärte er. Zuletzt hatte Müller einen neuen Absatzrekord für 2017 in Aussicht gestellt. Nun attestierte er der Belegschaft eine beeindruckende Moral. „Die Mannschaft hat sich von den letzten zwei schwierigen Jahren nicht unterkriegen lassen.“ Gleichwohl würde der Dieselskandal den Konzern noch lange beschäftigen – auch, weil weltweit mehrere Tausend Gerichtsverfahren aktuell laufen. „Man kann nie sicher sein, was daraus resultiert“, sagte Müller.