VW-Chef Müller soll in Unfallflucht verwickelt gewesen sein


Pofadder ist ein Ort weit weg in Südafrika, den kaum jemand kennt. Ein Dorf mit einigen Tausend Einwohnern, mitten in der Wüste, trist und karg, die Grenze zu Namibia ist 60 Kilometer entfernt.

Doch für Volkswagen ist der Weiler von großer Bedeutung. Der Autokonzern unterhält dort ein eigenes Testzentrum, die Wolfsburger können ihre neuesten Fahrzeuge unter extremen Hitzebedingungen testen – und wegen der Abgeschiedenheit des Ortes meist auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Regelmäßig kommen auch die Vorstände des Konzerns zur „Sommerfahrt“ nach Pofadder. Meistens zur Jahreswende, wenn in Europa Fahrzeugabnahmen wegen des Winterwetters nur unter erschwerten Bedingungen möglich sind.

So auch im Februar 2013. Am Steuer eines Porsches sitzt der damalige Entwicklungschef Wolfgang Hatz, neben ihm als Beifahrer Matthias Müller, zu dieser Zeit Vorstandsvorsitzender von Porsche und heutiger VW-Konzernchef in Wolfsburg.

Hatz und Müller sind auf den Straßen im Norden Südafrikas unterwegs, alles sieht nach einer routinemäßigen Testfahrt aus. Doch die Fahrt nimmt eine plötzliche Wende, es kommt zu einem Unfall. Zwei entgegenkommende Fahrzeuge weichen dem schnellen Porsche mit deutschem Kennzeichen aus und kommen von der Straße ab.

Wie die „Bild am Sonntag“ berichtete, wurden Passagiere der entgegenkommenden Fahrzeuge von der Ladefläche zu Boden geschleudert. Der Sportwagen aus Deutschland hielt dem Bericht zufolge zunächst einige Minuten an, wartete aber nicht auf die Polizei, die Minuten später eintraf.

Der Mann am Steuer hätte demnach Fahrerflucht begangen. Die Lage am Unfallort war offenbar sehr unübersichtlich, die Ermittler seien zunächst von einem Auffahrunfall ausgegangen.


Der Volkswagen-Konzern und Porsche bestätigten am Sonntag gleichermaßen, dass es den Autounfall in Südafrika gegeben hat. „Es ist zu diesem Unfall gekommen, und Wolfgang Hatz war daran beteiligt“, sagte ein Porsche-Sprecher. Ein VW-Konzernsprecher widersprach allerdings der Darstellung, dass der Fahrer des Porsche-Fahrzeugs Fahrerflucht begangen haben soll.

Genauso wenig gebe es ein Ermittlungsverfahren, wie das in dem Medienbericht behauptet worden war. „Es gab auch keine Verletzten“, so der Volkswagen-Sprecher weiter. Am Steuer des Fahrzeugs habe Hatz gesessen, der heutige VW-Vorstandsvorsitzende Müller sei als Beifahrer mit dabei gewesen, diese Darstellung sei korrekt.

Ein Anwalt von Hatz lehnte eine detaillierte Stellungnahme zu dem Verkehrsunfall ab. Über das Wochenende sei es unmöglich gewesen, den früheren Porsche-Chefentwickler zu dem Fall zu befragen. Hatz sitzt seit dem Herbst vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft in München ermittelt gegen den Automanager wegen einer möglichen Beteiligung an der Dieselaffäre des VW-Konzerns. Vor seiner Zeit bei Porsche war Hatz auch für die Motorenentwicklung bei Audi und für den gesamten Konzern verantwortlich.