VW-Beschaffungsvorstand Garcia Sanz wirft hin


Der überraschende Chefwechsel bei Volkswagen hat viele im Konzern kalt erwischt und sorgt für Unmut. Nach Informationen des Handelsblatt aus Konzernkreisen wirft nun der langjährige Beschaffungsvorstand Francisco Garcia Sanz hin. Zuvor hatte die „Automobilwoche“ darüber berichtet.

17 Jahre hatte der Spanier den Einkauf des Konzerns verantwortet. Er ist damit der dienstälteste VW-Vorstand und hat sich in der Branche einen Ruf als knallharter Verhandler erworben.

Doch unter der neuen Führung des designierten Konzernvorstands Herbert Diess wolle er nicht weitermachen, heißt es aus informierten Kreisen. Die Art und Weise wie Konzernchef Müller das Unternehmen verließ, hat manchen in Wolfsburg verärgert.


Auch die Arbeitnehmerseite sei weitgehend nicht eingebunden gewesen, heißt es aus dem Konzern. „Keiner wusste was. Das ist der helle Wahnsinn, was sich da abspielt“, sagte ein Insider. Vor allem die mangelnde Kommunikation des Aufsichtsrats wurde kritisiert. „Das öffnet massiven Spekulationen Tür und Tor.“

Bei einer VW-Tochter erfuhren die Betriebsräte von dem bevorstehenden Rückzug des Konzernchefs Matthias Müller und dem Wechsel zum bisherigen VW-Markenchef Herbert Diess aus den Medien. „Hier herrscht Stirnrunzeln über die Art, wie das bekannt wurde“, erklärte ein zweiter Insider.

Wie das Handelsblatt bereits berichtet fühlen sich auch einige Konzernvorstände vor den Kopf gestoßen gefühlt. „Die Art und Weise, wie der Wechsel verkündet wurde, ist unsäglich“, erklärt ein führender Manager des Konzerns.

Der Wolfsburger Konzern hatte am Dienstag überraschend eine neue Führungsstruktur angekündigt, aber keine Namen genannt. Der Aufsichtsrat hatte sich Insidern zufolge dazu gezwungen gesehen, die Börse in einer Pflichtmitteilung zu informieren, blieb dabei aber vage.

„Die Art und Weise, wie Veränderungen einer solchen Tragweite intern kommuniziert wurden, ist mehr als verbesserungswürdig“, schimpfte ein VW-Arbeitnehmervertreter. Diese Kritik müssten sich die Anteilseigner gefallen lassen. Im Aufsichtsrat, der später am Donnerstag tagt, werde das zur Sprache gebracht.

Das 20-köpfige Kontrollgremium soll am Nachmittag in Wolfsburg zusammenkommen, um über den geplanten Umbau und die vorzeitige Ablösung von Konzernchef Müller durch Diess zu beraten. Es wurde mit einer Sitzung bis in die Nacht gerechnet. Erst danach wird der Chefwechsel offiziell bekannt gegeben. Am Freitag wird eine Pressekonferenz erwartet. Volkswagen äußerte sich nicht.

Demnach steht der Konzern vor tiefgreifenden Veränderungen, von denen auch weitere Vorstände betroffen sind. So soll Personalvorstand Karlheinz Blessing durch Gunnar Kilian ersetzt werden, der bisher Generalsekretär und rechte Hand des Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh ist. Osterloh erhielte damit einen noch stärkeren Einfluss, als er durch die bei Volkswagen besonders ausgeprägte Mitbestimmung ohnehin schon hat.

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hatte die neun Vorstände am Dienstag gerade über den Chefwechsel informiert, da legte Diess seine eigenen detaillierten Pläne schon auf den Tisch - in Anwesenheit von Müller.

Das Vorpreschen des VW-Markenchefs habe neben der Kommunikation des Aufsichtsrats einige Vorstandskollegen vor den Kopf gestoßen. Finanzvorstand Frank Witter sei entrüstet gewesen. Es bestehe nun die Gefahr, dass er oder andere Topmanager von sich aus VW verlassen könnten.