Vorwerk verkauft alle Anteile an Hello Fresh

Der Thermomix-Hersteller hat überraschend alle Anteile an Hello Fresh abgestoßen. Die Lieferung von Kochboxen soll aber weitergehen.


Seit Jahren träumt Vorwerk von einer „perfekten Welt rund um die Ernährung“: Die Kunden der Küchenmaschine Thermomix suchen ein Rezept aus, die notwendigen Zutaten werden prompt nach Hause geliefert. Im Mai 2016 startete Vorwerk deshalb mit Hello Fresh einen sechsmonatigen Test mit Kochboxen und Rezepten für den Thermomix.

Inzwischen sind alle Rezepte des Berliner Start-ups für den digitalen Thermomix konfektioniert: von Spaghetti mit Sauerampfer-Pesto bis Thai-Curry mit Kokosmilch. Vor sechs Jahren beteiligte sich Vorwerk über seinen Investmentarm bereits an Hello Fresh. Strategisch gesehen eine ideale Ergänzung, so schien es.

Doch nun hat sich Vorwerk als Investor überraschend von Hello Fresh getrennt. Vorwerk Direct Selling Ventures hat seine Beteiligung an dem Lebensmittel-Lieferanten vollständig verkauft. Dies bestätigte Vorwerk auf Anfrage des Handelsblatts. Eine Begründung nannte das Wuppertaler Familienunternehmen nicht.


Das Paket von 5,9 Millionen Aktien – gut 3,6 Prozent des Grundkapitals – hat einen Börsenwert von 67,8 Millionen Euro. In der Küche aber soll die Liaison der beiden Unternehmen weitergehen. „Die bestehende Kooperation von Hello Fresh und Thermomix ist davon vollkommen unberührt und läuft unabhängig davon unverändert weiter“, versicherte Vorwerk.

Vor zwei Wochen erst hatte Hauptaktionär Rocket Internet ein 150 Millionen Euro schweres Aktienpaket von Hello Fresh losgeschlagen. Die Anteile waren zu einem Preis von 12,30 Euro pro Stück platziert worden. Rocket Internet nutzte damit die jüngsten Kursgewinne von Hello Fresh. Die Aktien von Hello Fresh fielen daraufhin um mehr als acht Prozent. Der Kochboxen-Versender war nach einigen Anlaufschwierigkeiten Anfang November an die Börse gegangen. Die Aktien waren zu je 10,25 Euro verkauft worden. Derzeit liegt der Kurs bei 11, 37 Euro.

Der Umsatz von Hello Fresh war 2017 zwar um fast 52 Prozent auf knapp 905 Millionen Euro stark gestiegen. Dank zahlreicher Neukunden konnten die Verluste zwar eingedämmt werden. Unter dem Strich stand aber ein bereinigter Betriebsverlust (Ebitda) von rund 70 Millionen Euro.

Der Berliner Kochboxen-Versand machte 60 Prozent seines Geschäfts in den USA, wo es mit Blue Apron konkurriert. In den USA hat Hello Fresh kürzlich den kleineren Rivalen Green Chef gekauft, der sich auf vegane und glutenfreie Bio-Mahlzeiten konzentriert.


Kochboxen und Thermomix haben das „Kochen für Faule“ perfektioniert. Dass beide zusammenpassen, davon bleibt Vorwerk überzeugt. „Angesichts unserer mehreren Millionen Nutzer müsste sich eigentlich das notwendige Volumen realisieren lassen, damit sich solche Geschäfte auch lohnen“, hatte Vorwerk-Chef Reiner Strecker vor zwei Jahren dem Handelsblatt gesagt. Es werde sicher keine zehn Jahre mehr dauern, bis der Thermomix selbst Essen bestelle - auch wenn die Logistik da immer noch Probleme bereite, sagte er damals.

Die Koch-Sciene-Fiction wurde nun schneller Realität als gedacht. Allerdings nicht mit Hello Fresh. Seit Mitte 2017 ist ein Lieferservice-Button der Supermarktkette Rewe auf dem Rezept-Chip Cookidoo des Thermomix integriert. Per Knopfdruck lassen sich die Zutaten für die ausgewählten Rezepte online bestellen und nach Hause liefern. Der Thermomix übernimmt somit den Einkauf.

Allerdings verlangt Rewe einen Mindestbestellwert von 40 Euro plus Lieferkosten. Für Hello Fresh gibt es keinen solchen Bestellbutton im Thermomix, dessen Hype 2017 offenbar deutlich zurückging. „Die Kochbox von Hello Fresh ist ja bereits konfektioniert und wird in der Regel im Abo bestellt und geliefert“, erklärt Vorwerk.