Vorwahlfrieden im Irak

Auch das ist Bagdad: Iraks Hauptstadt, die viele nur von Fernsehbildern als Kriegsschauplatz kennen, hier wirkt sie fast wie ein normaler Ort im Nahen Osten. Einen Kindergeburtstag im Freien feiern, vor nicht allzu langer Zeit schien das undenkbar. Der Zeitpunkt ist günstig, in diesem Klima des relativen Friedens sollen am Sonntag Wahlen abgehalten werden.

"Wir sind fertig mit Sektierertum und dem Islamischen Staat", so Fadil Al-Uqhabi, der für die Sicherheitskräfte arbeitet. "Alle Gebiete wurden befreit. Es gab blockierte Straßen hier in Bagdad wegen dieser Probleme. Aber mit jedem Tag wird die Lage besser."

Tatsächlich hat sich die Lage vor allem verbessert, seit der sogenannte Islamische Staat in den Regionen im Irak seine Macht verloren hat. Es gibt echten Wahlkampf, Plakate und Kandidaten. Nur um Inhalte geht es weniger, eher zählen Schlagworte, Personen und strategische Bündnisse. Auch der derzeitige Ministerpräsident Haidar al-Abadi tritt wieder an. Bei der Wahl drohen Konflikte zwischen muslimischen Schiiten und Sunniten wieder aufzuflammen.

Der Sieger wird die Mammutaufgabe des Wiederaufbaus übertragen bekommen. Drei Jahre Krieg mit dem IS haben dem sowieso schon zerstörten Land und seiner Bevölkerung den Rest gegeben. Dazu kommt ein weiterer Kampf im Inneren, der noch nicht gewonnen ist: Der Kampf gegen die Korruption.