Vorstandsmitglieder: Frauenquote und Familienauszeit soll noch im Juni verabschiedet werden

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Seit Westwing-Vorständin Delia Lachance wegen einer Babypause zurücktreten musste, regt sich Protest gegen eine entsprechende Klausel im Aktiengesetz.
Seit Westwing-Vorständin Delia Lachance wegen einer Babypause zurücktreten musste, regt sich Protest gegen eine entsprechende Klausel im Aktiengesetz.

Die Große Koalition hat sich auf einen Gesetzesentwurf zur Stärkung von Frauen in Chefetagen geeinigt. „Der Weg für das Zweite Führungspositionengesetz ist frei“, teilte die Unions-Bundestagsfraktion am Freitagmorgen mit.

SPD und Union wollen mit dem geplanten Gesetz zum einen eine Quotenregelung einführen. Die Vorstandsgremien von börsennotierten und mitbestimmten Unternehmen müssen demnach mindestens mit einer Frau und einem Mann besetzt sein, sobald der Vorstand aus mehr als drei Personen besteht.

Zum anderen greift die GroKo mit dem Führungspositionengesetz (FüPo-Gesetz) die Forderungen der Initiative #Stayonboard auf. Die Bewegung rund um die Gründerin Verena Pausder hatte seit knapp 10 Monaten für eine gesetzlichen Anspruch auf eine Familienauszeit getrommelt. Auslöser der Debatte war der Fall der Westwing-Gründerin Delia Lachance, die ihren Posten als Vorständin aufgrund einer Babypause unfreiwillig abgegeben musste. Hintergrund war eine Haftungsklausel im Aktiengesetz.

Top-Management soll familienfreundlicher werden

„Mütter können nun auch in Vorständen eine mindestens dreimonatige Auszeit nehmen, ihr Mandat zur Haftungsbefreiung niederlegen und erhalten einen Anspruch auf Wiederbestellung. In den Fällen von Elternzeit, Pflege von Familienangehörigen oder Krankheit gilt dies genauso, aber mit Rücksicht auf wichtige Unternehmensgründe“, so der zuständige Berichterstatter der Unionsfraktion, Heribert Hirte (CDU).

Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) bezeichnete die Einigung am Freitag als „Meilenstein für die Frauen in Deutschland“. Das Gesetz biete „eine große Chance sowohl für die Gesellschaft als auch für die Unternehmen selbst“.

Bundestag will Gesetz im Juni verabschieden

Verena Pausder, die die Initiative für die Gesetzesänderung aus der Wirtschaft angeführt hatte, wertet den Kompromiss von SPD und Union als Erfolg. Zu Gründerszene sagte sie: „Dass #stayonboard jetzt Gesetz wird und Führungskräfte einen echten Rechtsanspruch auf eine haftungsfreie Auszeit im Zuge der Geburt ihres Kindes oder einer schweren Krankheit haben, ist eine bedeutende Weichenstellung für mehr Menschlichkeit in Führungsetagen und ein starkes Signal für eine zukunftsfähigere Wirtschaft insgesamt.“

Der Gesetzesentwurf soll bereits kommende Woche im Bundestag verabschiedet werden. Anschließend muss das Gesetz noch durch den Bundesrat. Die Länder werden voraussichtlich in der Sitzung vom 25. Juni darüber abschließend beraten.

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