Vorstand: Formel 1 für BMW "aktuell nicht relevant"

Christian Nimmervoll

Für den deutschen Automobilhersteller BMW ist eine Rückkehr in die Formel 1 derzeit kein Thema. "Für uns ist die Formel 1 aktuell nicht relevant", sagt Klaus Fröhlich, beim in München beheimateten Konzern (nur noch bis Ende Juni) im Vorstand zuständig für den Bereich Entwicklung, in einem Interview mit der 'Süddeutschen Zeitung'.

BMW ist Ende 2009 aus der Formel 1 ausgestiegen. Begründung damals: Man wolle die Marke nachhaltiger und zukunftsfähiger positionieren. Kritiker unterstellten, die wahren Gründe seien die Bankenkrise und fehlender sportlicher Erfolg gewesen. Der damalige BMW-CEO Norbert Reithofer hat das aber stets bestritten: Die wirtschaftliche Entwicklung habe "keine Rolle gespielt".

Die Einschätzung der Thematik Formel 1 hat sich in den vergangenen zehn Jahren in München offenbar nicht verändert: "Der Markenbeitrag ist gering, die Investments sind gigantisch hoch. Wir haben den Ausstieg nicht bereut", erklärt Fröhlich. "Außerdem tut sich die Formel 1 gerade sehr schwer mit einem Wandel."

Zuletzt hatte Nick Heidfeld, 2009 BMW-Sauber-Fahrer in der Formel 1, den Ausstieg "aus der Sicht eines Rennfahrers" als "zu früh" kritisiert. Gleichzeitig räumte er in dem Interview mit dem Podcast 'Beyond the Grid' aber ein: "Aus Sicht des Teams und BMW insgesamt, vor dem Hintergrund der Finanzkrise damals, war es vielleicht die richtige Entscheidung."

In dem eingangs zitierten explosiven Interview mit der 'Süddeutschen Zeitung' äußert sich Fröhlich auch zur Zukunft von BMW in der DTM, nach dem Ausstieg von Audi. Er übt scharfe Kritik an Audi und skizziert die Möglichkeit, die DTM zu pausieren, bis ein neues Format mit einem starken Teilnehmerfeld tragfähig ist.

Aber selbst wenn die DTM in ihrer derzeitigen Form nicht weiterexistieren sollte, wird BMW nicht in Richtung Formel 1 schwenken: "Unsere Motorsportstrategie folgt der Unternehmensstrategie. Es ist nicht so, dass wir irgendeinen Formel-1-Leuchtturm bauen müssen, weil wir langweilige Durchschnittsautos bauen", stellt Fröhlich klar.

"Wir brauchen die Königsklasse nicht, damit deren Glanz auf die Marke insgesamt abstrahlt. So ist das ja bei manchem Massenvolumen-Hersteller. Wir hingegen suchen Formate, die zu unserer Produktstrategie passen und sowohl verbrenner- als auch elektroorientiert sind."

"Fakt ist: Die Investitionsbereitschaft ist gerade generell geringer, nun kommt auch noch der Ausbruch des Coronavirus hinzu. Das wird zu einer Rezession der Weltwirtschaft führen - möglicherweise zur größten seit 1945", sagt Fröhlich. Auch vor dem Hintergrund erscheint es fast ausgeschlossen, dass ein Hersteller jetzt neu in die Formel 1 einsteigt.

Klar sei aber auch, dass BMW nur wegen der Coronakrise keine Kurzschlusshandlungen verabschieden wird: "Unternehmen müssen an variable Kosten rangehen, reflexartig gerät der Motorsport in den Blick. Für mich ist Motorsport aber Markenbildung, da kann man nicht einfach raus und wieder rein", stellt Fröhlich klar.

Mit Bildmaterial von BMW.